Monday 1. June 2020
Pfarre Eidenberg

Predigt von unserem Pfarrer Abt Reinhold

Unser Pfarrer Abt Reinhold hat wieder eine Predigt vorbereitet zum vierten Sonntag der Osterzeit. Abt Reinhold wünscht allen eine gute Woche und Gottes Segen.

Im Anhang unter "mehr" können Sie seine Predigt lesen.

Der gute Hirt als Krisenmanager

Vierter Sonntag der Osterzeit am 3. Mai 2020

Predigt von Abt Reinhold Dessl zu Johannes 10,1-10

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Krisenzeiten, wie wir sie jetzt erlebt haben und erleben, erfordern besondere Krisenmanager. Mehr als sonst waren und sind Menschen in Verantwortungspositionen gefragt: Politiker, Sicherheitskräfte, Rettungsdienste, SeelsorgerInnen und viele mehr. Wir haben großen Respekt vor allen Entscheidungsträgern für das, was sie geleistet haben. Aber zugleich sind wir froh, in einer funktionierenden Demokratie zu leben, wo es in gewissen Abständen auch neue Wahlmöglichkeiten gibt.

 

Krisenmanager gefragt

Der vierte Sonntag der Osterzeit ist der sogenannte „Gute-Hirten-Sonntag“. Es geht um Jesus, den guten Hirten. Heute ist auch der Weltgebetstag um geistliche Berufe, der heuer unter dem passenden Motto steht: „Habt keine Angst!“

Wir können das Bild vom guten Hirten als Relikt einer vergangenen Zeit sehen, die mit unserer Zeit nicht mehr viel zu tun hat. In der Tat gibt es in unserer Zeit ja kaum mehr richtige Viehhirten. Wir können dieses Bild vom guten Hirten aber auch in unsere Zeit übersetzen mit dem Bild eines Krisenmanagers, der die ihm Anvertrauten gut durch eine Krise hindurchführen kann. Auch die Viehhirten hatten ja eine Vielzahl solcher Krisen zu bewältigen, etwa wenn die Gefahr durch wilde Tiere drohte, wenn Räuber in die Herde eindringen wollten oder wenn die nötigen Lebensressourcen an Nahrung und Wasser für die Herde nicht mehr zur Verfügung standen.

Die Eigenschaften des guten Hirten oder Krisenmanagers, wie ihn Jesus im heutigen Evangelium beschreibt, könnte man in drei Stichworten zusammenfassen: Vertrauen, Kommunikation, Sachkenntnis.

 

Vertrauen

Das erste Stichwort heißt Vertrauen. Vertrauen zwischen den Verantwortungsträgern und den ihnen Anvertrauten. Das beginnt schon damit,

wie man aufeinander zugeht. „Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe“, heißt es am Beginn des Evangeliums. Es kommt also darauf an, wie ich auf die Menschen zugehe, direkt, offen, auf den vorgesehenen und einsehbaren Wegen oder hinterrücks, auf Schleichwegen, mit unlauteren Methoden oder gar als Einbrecher in die Privatsphäre eines Menschen.

Auch die Absicht, die ich verfolge, ist entscheidend: „Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“, sagt Jesus. Möchte ich den Menschen in einer Krise helfen, oder gibt es sogar welche, die eine Krise der Menschen ausnützen, um ihre Macht auszubauen, wie wir es mitunter von anderen Ländern gehört haben?

Jesus als der gute Hirt wirbt um das Vertrauen der Menschen und er steht für das gute „Leben in Fülle“. Er kommt nicht nur durch die Tür, er selber ist „die Tür zu den Menschen“, wie es im Evangelium heißt. Er steht nicht für Trennung, sondern für Verbindung. Er ist nicht gekommen, um andere für seine Ideen zu opfern, sondern er gibt sein eigenes Leben hin für uns am Kreuz. Das ist wohl der stärkste Vertrauenserweis, den er uns Menschen gegeben hat. Er ist der Hirt, der sein Leben für die Schafe geopfert hat. Wir können ihm vertrauen.

 

Kommunikation

Das zweite Stichwort heißt Kommunikation. „Die Schafe hören auf die Stimme des guten Hirten; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.“ Der Vergleichspunkt ist nicht die Herdenviehmentalität, sondern die vertrauensvolle Kommunikation zwischen dem Hirten und seiner Herde. Da geht es um das Hören auf eine Stimme, um das Gerufenwerden beim Namen.

„Er ruft sie einzeln beim Namen.“ Man kann sich das lebhaft vorstellen, wenn man beobachtet, wie innig die Verbindung von Menschen, besonders auch von Kindern, zu Tieren sein kann. Tiere hören auf einen Namen, der von einer vertrauten Person gerufen wird. Seitdem wir „ins Leben gerufen“ worden sind, sind auch wir für Gott ansprechbar und beim Namen gerufen. In der Taufe ist das ausgesprochen und gefeiert worden.

In seinem Buch über die 99 Namen Gottes erklärt der bekannte Benediktinerbruder David Steindl-Rast, dass das Wort „Gott“ eigentlich kein

Name ist, sondern ein Ausdruck dafür, dass man mit dem namenlosen letzten Geheimnis in eine persönliche Beziehung eintreten darf. Zu dieser Kommunikation gehören nicht nur das Hören und Reden, sondern auch das Schauen und Anschauen. David Steindl-Rast zitiert darin eine Lehrerin, die einmal zu Kindern gesagt hat: „Gott schaut dir nicht auf Schritt und Tritt nach, um dich bei einem Fehler zu ertappen. Nein! Gott kann vor lauter Liebe die Augen nicht von dir abwenden.“ Auch das passt, denke ich, gut zu den Kommunikationseigenschaften eines guten Hirten.

 

Sachkenntnis

Das dritte Stichwort nach Vertrauen und Kommunikation lautet Sachkenntnis. Das ist wohl für einen Hirten als Krisenmanager von besonderer Bedeutung: Wo finde ich für meine Herde die beste Weide, den Ruheplatz am Wasser, oder wie kann ich die Herde sicher durch das finstere Tal führen und sie vor Gefahren schützen. Sie merken vielleicht schon, all das sind Formulierungen, wie sie auch im bekannten Psalm 23 vorkommen: Der Herr ist mein Hirte. Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Er führt mich zum Ruheplatz am Wasser. Er gibt mir die Lebenskraft zurück. Muss ich wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil, denn du bist bei mir.

Viele haben in den letzten Wochen ihr Leben wie einen Gang durch ein finsteres Tal erlebt. Nun gibt es das Licht am Ende des Tunnels und wir freuen uns auch schon wieder, in eingeschränkter Form ab 15. Mai Gottesdienste feiern zu können. Näheres wird noch mitgeteilt in den einzelnen Pfarren.

Vielleicht ist in diesen Tagen nicht nur die Bedeutung der Krisenmanager in den verschiedenen Bereichen der Öffentlichkeit spürbar geworden, sondern auch die Bedeutung der geistigen und geistlichen WegbegleiterInnen. Wenn wir im Anliegen der geistlichen Berufungen beten, dann denken wir nicht nur an bestimmte Berufsgruppen und Personen, sondern auch an diese Grundhaltungen des Vertrauens, der Kommunikation und der Sachkenntnis, die auch ein wichtiges Rüstzeug für geistliches Tun sind.

Möge uns Jesus als der gute Hirte vorangehen auf unserem Weg! Amen.

 

Evangelium von heute
Joh - Joh 15,26-27.16,1-3.12-15 In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich...
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