Das 2. Vatikanische Konzil
Dr. Walter Wimmer (geb. 1943) ist Dechant und Pfarrer in Linz (Pfarre St. Konrad). Am 16. April 2013 war er mit seinem eindrucksvollen Vortrag zum Thema „Das II. Vatikanische Konzil – seine Bedeutung für damals, heute & morgen” im Jugendheim Untergeng zu Gast.
Er erzählte, dass er nach seinem ersten Studienjahr im Priesterseminar 1962/63 eingeladen wurde, in Rom zu studieren und er freute sich darauf, eine neue Sprache und Kultur kennen zu lernen. Ganz besonders interessant für ihn war, während der Konzilszeit dieses Geschehen „live“ in Rom zu erleben. Im September 1963 – zu Beginn der zweiten Kozilsperiode – übersiedelte er nach Rom und blieb für insgesamt zehn Studienjahre dort. Im Germanicum (Priester-Kolleg) waren damals auch einige der Konzilsväter zu Gast; wie z.B. Kardinal Julius Döpfner aus München und der berühmte Theologe Karl Rahner. An allen öffentlichen Sitzungen, an denen die Dekrete promulgiert wurden (= In-Kraft-Setzung durch Vorlesung), durfte auch Dr. Wimmer teilnehmen; dazu präsentierte er zu Beginn seines Vortrages beeindruckende und humorvolle Bilder.
Durch Vermittlung von Bischof Franz Zauner war es Dr. Wimmer darüber hinaus auch möglich, im November 1965 an drei Tagen bei ordentlichen Sitzungen dabei zu sein: die Atmosphäre vor Ort sowie die Begegnungen mit vielen Konzilsvätern waren für ihn einzigartig. Er hat das Konzil als ein großes, kommunikatives Geschehen der Weltkirche erlebt, bei dem alle Quellen der Wahrheit zum Zuge kamen: das Lehramt, die Theologie, der Glaubenssinn des Volkes und die „Zeichen der Zeit“. Dr. Wimmer weiß sehr wohl, dass es durch den römischen Zentralismus während der vergangenen Jahre leider zu einem Dialog- und Reformstau kam. Für die „Zeichen der Zeit“ - etwa in der Frauen-Frage, in der Bewertung der Geschlechtlichkeit, in Familienangelegenheiten (patch-work-Familien; Geschiedene bzw. wiederverheiratete Geschiedene;…) und in der Bedeutung der Ortskirche - ist es für ihn höchst an der Zeit, hellhöriger und aufgeschlossener zu werden (= effata: öffne dich!).
Dr. Wimmer wünscht sich ein „Aggiornamento“, also die „Verheutigung“ statt der schleichenden „Entweltlichung“: es gilt, die Eucharistie als Quelle und Höhepunkt christlichen Lebens zu gewährleisten, was u.a. auch die Frage nach den „Zulassungsbedingungen zum Priesteramt“ aufwirft – denn: die Kirche wird dort (wieder) an Profil gewinnen, wo sie glaubwürdig auftritt und sich die eigene Schuldfähigkeit eingesteht.