Pfarrer Karl Mittendorfer
Im Schatten der Bäume gehen, das erfirschende Wasser des Baches plätschern erleben, ansonsten Stille und Ruhe fern von jedem Straßenlärm. Im Haus gemeinsame Gebetszeiten und Heilige Messe, viel Stille und Zeit zum Lesen prägte diese Woche, neben den Kneippanwendungen mit Wassergüssen und Heuwickel. Eine Zeit der inneren Einkehr und Erholung. Ich kann es nur weiterempfehlen.
Wir feiern in diesen Tagen ERNTEDANK. Erntedank heißt Lebensdank. Sind wir heute (noch) fähig auch für die kleinen Dinge im Leben dankbar zu sein? Sind wir dankbar für das, was gelungen ist, was unser Leben und unsere Beziehungen trägt? Sind wir IHM dankbar, der der Schöpfer und Liebhaber des Lebens ist? So heißt es im Buch der Weisheit: „Der Urheber hat sie (die Schöpfung) geschaffen. Und wenn sie (die Menschen) über ihre Macht und ihre Kraft in Staunen gerieten, dann hätten sie auch erkennen sollen, wie viel mächtiger jener ist, der sie geschaffen hat; denn von der Größe und Schönheit der Geschöpfe lässt sich auf ihren Schöpfer schließen.“ (Weish 13,3-5). Auch während der Wanderexerzitien am Sonntagberg durfte ich wieder die Schönheit der Schöpfung betrachten, auch wenn sie so sehr nach Regen gedürstet hat. Das Gefühl der Dankbarkeit dem Schöpfer gegenüber kann besonders in der Stille des Herzens empfangen werden.
Einer, der aus der Dankbarkeit heraus in Einheit mit der Schöpfung gelebt hat, ist der hl. Franz von Assisi. Wir feiern in diesem Jahr seinen 800. Todestag, am 3. Oktober 1226. Er hat nicht nur in der Armut für Gott gelebt. Je länger er in der Einsamkeit für Gott lebte, desto mehr ist ihn ihm die Haltung der Dankbarkeit gewachsen. Er hat für die kleinen und großen Dinge in seinem Leben Gott gedankt. In der handschriftlichen Überlieferung wird berichtet, dass Franziskus ein „Loblied der Geschöpfe“ verfasst hat, in einer Zeit, in der er bei San Damiano in Assisi krank war. Tatsächlich litt Franziskus an vielen Krankheiten: an Magen und Darmgeschwüren, an vollständiger Erblindung und an den Wundmalen, die ihm das Gehen erschwerten. Dazu litt er auch an seelischen Qualen, weil sein rasch wachsender Orden nicht mehr die Wege des Anfangs gehen wollte. Das alles machte sein Herz schwer. Er fühlte sich am Ende seiner Kraft und gescheitert. Und doch stimmte er in dieser Situation den großen Lobpreis auf seinen Schöpfer an. Er besang im SONNENGESANG die Schöpfung und ihre Gaben und pries Gott Tag für Tag für das Gute und Schöne. Gleichzeitig nahm er auch die Begrenztheit des Lebens an, Krankheit und letztlich den Tod. Jeden Tag empfängt er das Leben aus der Hand Gottes, nimmt das Schöne an und weiß sich von Gottes gütiger Hand geschützt und geführt. Es ist wahr, dass die Früchte der Schöpfung, die Wälder und Bäume in der Natur gerade im Herbst die schönsten Farben zieren. Das alles hat ER, der Schöpfer und Liebhaber unseres Lebens gemacht.
Der Lobpreis ist also eine Entscheidung, das sehen wir auch im Leben des heiligen Franziskus. Er lädt uns ein, unser Leben täglich aus der Hand Gottes zu empfangen und auch für die kleinen Dinge des Alltags dankbar zu sein. Besonders danken wir ihm für das Geschenk des Glaubens. Der hl. Franz von Assisi hatte mit 24 Jahren ein Bekehrungserlebnis und betete in der baufälligen Kapelle San Damiano: „Höchster, glorreicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens und schenke mir rechten Glauben, sichere Hoffnung und vollkommene Liebe. Gib mir, Herr, das rechte Empfinden und Erkennen, damit ich deinen heiligen und wahrhaften Auftrag erfülle.“ In dieser Situation vernahm er die Stimme des Gekreuzigten: „Geh und stelle mein Haus wieder her, das, wie du siehst, ganz und gar in Verfall gerät“. Franz erkennt erst nach und nach diesen Ruf. Eine weitere tiefe Erfahrung war die Begegnung mit den Aussätzigen, in denen er Jesus erkannte und ihnen diente.
Auch uns hat Gott zu einer persönlichen Beziehung berufen, ihn zu loben und zu ehren und ihm zu dienen. Und er hat auch uns zu Mitarbeitern seiner Kirche gerufen, das verfallene Haus heute aufzubauen und sein Leben in den Dienst Gottes und der Menschen zu stellen.
Möge der hl. Franz von Assisi ein Ansporn sein, sich von der Liebe Gottes neu bewegen zu lassen und uns mit Freude und Hingabe in den Dienst der Kirche und der Menschen zu stellen.
Papst Franziskus fasst es in seiner Enzyklika 'Laudato si' schön zusammen, wenn er schreibt: „Wenn wir uns bewusst werden, dass in allem, was existiert, der Widerschein Gottes vorhanden ist, verspüren wir zuinnerst den Wunsch, den Herrn für alle seine Geschöpfe – und gemeinsam mit ihnen anzubeten, wie es in dem wunderschönen Hymnus des heiligen Franziskus von Assisi zum Ausdruck kommt.“ (Laudato si, 87).
Wir feiern das Erntedankfest gemeinsam mit der Landjugend am Sonntag, dem 20. September um 10.00 Uhr. Es beginnt mit der Segnung der Erntekrone am Dorfplatz. Ich lade dazu alle herzlich ein.
Ich wünsche uns allen ein gesegnetes Schul- und Arbeitsjahr.
Pfarrer Karl Mittendorfer