Pfarrer Karl Mittendorfer
Mit dem Aschermittwoch haben wir die Fastenzeit, die österliche Bußzeit begonnen und bei der liturgischen Feier das Aschenkreuz auf die Stirn bekommen mit den Worten: ‚Bekehre dich und glaub an das Evangelium!’ Nun, was bedeutet eigentlich „Bekehrung“? Der biblische Begriff der Bekehrung (metanoia) meint eine Sinnesänderung vom Bösen zum Guten, von der Gleichgültigkeit gegen Gott zur Liebe und Hingabe gegenüber Gott. Es geht also in erster Linie um die Öffnung der Beziehung gegenüber Gott. Der hl. Franz von Assisi, der vor 800 Jahren gestorben ist, erkannte, dass das Schlimmste im Leben eines Menschen die Gottvergessenheit ist, d.h. ein Leben in der Gleichgültigkeit gegenüber Gott. Diese österliche Bußzeit ist besonders eine Zeit, sich Gottes Liebe zu öffnen und den Menschen, die in Not sind zu helfen. Dabei zeigt sich das Leben mit Gott konkret im Gebet. Der Theologe Karl Rahner betonte: „Der Ernstfall des Glaubens ist das Gebet.“ Sehr häufig stimmt das Wort: „Not lehrt beten“, aber es braucht eine bewusste Hinwendung zu Gott in dieser Notsituation. Ja, es gibt viele Menschen, die gerade durch eine innere Prüfung näher zu Gott gefunden haben, d. h. eine Bekehrung erfahren haben.
Die Mutter Gottes in Medjugorje lädt uns in ihren Botschaften immer wieder zur Umkehr ein. Am 25.3.2025 sagte sie in der monatlichen Botschaft: „Liebe Kinder, in dieser Zeit der Gnade, in der ihr zur Bekehrung aufgerufen seid, rege ich euch an, meine lieben Kinder, mir eure Gebete, eure Leiden und eure Tränen darzubringen, zur Bekehrung der Herzen, die fern vom Herzen meines Sohnes Jesus sind“. Sie lädt uns also ein, nicht nur unsere Gebete, sondern auch unser Leben, das oft von Schmerz, Verletzungen und Tränen geprägt ist, ihr zu bringen. Jesus lädt uns im Evangelium mit ähnlichen Worten ein, wenn er sagt: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen“ (Mt 11,28). Jesus ist in die Welt gekommen, um uns die Lasten abzunehmen, ja er selbst hat die Last unserer Schmerzen und Sünden getragen. Jesus ist für uns am Kreuz gestorben und hat sich für uns zur Sünde gemacht, so schreibt der Apostel Paulus.
Wenn wir in dieser Fastenzeit Jesus, den Gekreuzigten betrachten, so schauen wir auf den, der die Welt so sehr geliebt hat, dass er sein Leben für uns hingegeben hat. Das ist der zweite Aspekt, zu dem wir tiefer eingeladen sind, ist: Jesus mehr kennen und lieben lernen. Wenn wir seine Passion und den Kreuzweg Jesu betrachten, so sehen wir, wie weit seine Liebe für uns geht. Er hat alles für uns gegeben, damit wir in ihm Gerechtigkeit und Heil erfahren. Indem wir das glorreiche Kreuz Christi betrachten, können wir auch unsere Kreuze und Schmerzen ihm bringen und so von ihm Trost und Hoffnung empfangen. Als Jesus am Kreuz starb, hat er uns das ewige Leben geschenkt. Durch das Öffnen seiner heiligen Seite hat er uns eine unerschöpfliche Quelle der Barmherzigkeit erschlossen. Er gab uns das Teuerste, was er hatte, das Blut und das Wasser seines Herzens, d.h. seine unergründliche Liebe.
Ein besonderes Angebot der barmherzigen Liebe Gottes ist das Sakrament der Versöhnung, die hl. Beichte. Bei den Kindern nenne ich sie gerne „Herzerleichterungsfeier“. Genau das ist sie für uns Erwachsene auch, wenn wir Gott unsere Sünden und unser Versagen bekennen und er uns dann durch den Priester losspricht. Diese sakramentale Absolution ist ein großes Heilmittel für unsere westliche Kirche. Jesus lädt die hl. Faustyna Kowalska ein: „Wenn du zur heiligen Beichte kommst, zur Quelle Meiner Barmherzigkeit, fließt stets auf deine Seele Mein aus dem Herzen quellendes Blut und Wasser und veredelt die Seele. Jedes Mal, wenn du zur heiligen Beichte gehst, tauche mit großem Vertrauen ganz in Meine Barmherzigkeit unter, damit Ich über deine Seele die Fülle Meiner Gnaden ergießen kann“ (Tagebuch 1602). Jesus wendet sich als der barmherzige Heiland uns zu, indem er unsere Sünden vergibt und vergisst und uns einen neuen Anfang schenkt, ein neues Leben mit ihm. Ich bin froh, dass ich regelmäßig dieses Sakrament empfangen kann. Es hilft mir, mich mit Gott, mit den Mitmenschen, aber auch mit mir selbst zu versöhnen und neu Ja zu sagen zur Situation und zu den Menschen, mit denen ich lebe. Ich möchte euch ermutigen, dieses Geschenk – vielleicht nach Jahren – neu anzunehmen und zu leben. Es lässt uns wieder neu die Liebe Gottes und seinen Frieden spüren, und diesen Frieden braucht unsere Welt besonders heute.
Der dritte Aspekt für die Fastenzeit liegt im Verzicht und im Fasten. Mir ist es wichtig, dass Fasten nicht nur mit weniger Essen in Verbindung gebracht wird, sondern dass wir lernen, mit den Sinnen zu fasten: Mit den Augen fasten kann heißen, ein bewusster Handy- und Internetkonsum, verzichten auf das, was die menschliche Begierde weckt, z. B. Pornographie. Mit den Ohren fasten, vielleicht die Berieselung einmal abstellen und bewusst eine gute Musik hören. Mit dem Mund fasten heißt für mich, sich mehr Zeit nehmen, Menschen zuzuhören und den oberflächlichen Tratsch vermeiden. Mit den Füßen Fasten kann heißen, sich Zeit für einen Spaziergang zu nehmen oder kleinere Strecken mit dem Fahrrad oder zu Fuß nehmen. Das alles kann uns helfen, sich von den irdischen Dingen zu lösen und die himmlische Berufung, die uns von Gott geschenkt ist, bewusster zu leben. Es ist auch die Einladung die Heilige Schrift aus dem Regal zu nehmen und darin sich zu vertiefen. Denn im Wort Gottes ist uns die Kraft und Weisheit gegeben, die uns in Jesus Christus geschenkt ist.
Bischöflicher Besuch Anfang März
Ein besonderes Ereignis wird in den kommenden Wochen die Dekanatsvisitation sein. Vom 1. März bis 7. März wird Bischof Manfred Scheuer mit dem Generalvikar und zwei weiteren Visitatoren unser Dekanat besuchen. Sie möchten v.a. unsere pastoralen Orte kennenlernen und mit den Menschen ins Gespräch kommen. Sie werden mit uns Gottesdienste feiern und in unseren Pfarren das Leben erspüren. Besonders wichtig ist ihnen, dass sie Dank und Wertschätzung ausdrücken und offen über ehrenamtliches und hauptamtliches Engagement in unseren Pfarrgemeinden sprechen. Es gibt auch verschiedene Veranstaltungen für bestimmte Gruppierungen, aber auch allgemeine Angebote, die im beiliegenden Folder beschrieben sind. Ich lade euch alle herzlich ein, an den verschiedenen Veranstaltungen teilzunehmen. Exemplarisch nenne ich nur zwei: Die Auftaktveranstaltung am Sonntag, den 1. März ein gemeinsames Pilgern nach Rottenbach ab 14.00 in Wendling und der Abschlussgottesdienst am Samstag, den 7. März um 17.00 in der Pfarrkirche Kallham. Diese Visitationswoche ist auch als Auftaktveranstaltung für die bevorstehende Strukturreform gedacht, die in nächster Zeit auch immer wieder Thema sein wird. Im Vorfeld gab es schon im Dezember eine Revision der Pfarrkanzlei, wo die Finanzgebarung der letzten Jahre geprüft wurde. Diese wurde für in Ordnung befunden.
Ich freue mich, dass auch die Erstkommunionvorbereitung in den Pfarren schon angelaufen ist und auch die Firmvorbereitung in Riedau schon gut Fahrt aufgenommen hat. So wünsche ich allen eine gesegnete Fastenzeit und eine gute innere Vorbereitung auf das kommende Osterfest.
Euer Pfarrer Karl Mittendorfer