Predigt vom Sonntag, 20. September 2026, von Eva Plank
Auslegung 25. So JK A, 20.9.2026
Gleicher Lohn für gleiche Leistung! Ein uralter Traum - und noch heute ein Traum. Keinesfalls Wirklichkeit. Eine uralte Gewerkschaftsforderung - und noch heute eine berechtigte Forderung. Nicht Wirklichkeit. Denn – wir wissen – noch immer verdienen Frauen in manchen Bereichen für die gleiche Arbeit weniger als Männer.
1. Im Ev von den Arbeitern im Weinberg wird die Sache umgekehrt und an die Spitze getrieben: Hier geht es nicht um verschiedenen Lohn für die gleiche Leistung, sondern gleicher Lohn für verschiedene Leistung! Das ist kaum zu fassen!
Die Reaktion der Betroffenen ist verständlich! Das darf ja wohl nicht wahr sein!
2. Aber - Jesus erzählt ja ein Gleichnis. Und wenn er das tut, dann immer aufgrund bestimmter Geschehnisse, um etwas in einem Bild zu veranschaulichen.
Offenbar gibt es unter den Jüngern Reibereien, es geht um eine Rangordnung. Da meinen einige, sie müssten bevorzugt werden! Wir kennen das ja. Da wollen zwei als Promis im Reich Gottes rechts und links von Jesus sitzen. Einige haben offenbar tatsächlich eine etwas herausgehobene Stellung… Das gibt Anlass zu Neid. Und überhaupt: Später Dazugekommene können wohl nicht auf einer Stufe mit ihnen stehen! Mit ihnen, die von Anfang an zu Jesus gehören.
Irgendwie ist der Unmut, das Murren verständlich. Denn wenn wir ehrlich sind: Auch wir sind nicht frei von solchem Denken: Wir sind schon so lange bei dieser Firma oder in dieser oder jener Gruppe aktiv, und dann kommen da Neue, Junge und machen sich wichtig… stehen beim Chef hoch im Kurs.
„Bist du neidisch, weil ich gütig bin?“, fragt der Gutsbesitzer im Gleichnis.
1 Denar – das ist so viel, wie ein Taglöhner für sich und seine Familie für 1 Tag zum Leben braucht! „Dir geschieht kein Unrecht“, sagt er. Du hast erhalten, was wir vereinbart haben.
Jesus will also seinen Freunden klarmachen, dass es unter ihnen keine gestufte Mitgliedschaft gibt, keine Über- oder Unterordnung. Es geht nur darum, die Einladung anzunehmen und dabei sein zu wollen! Beim Kreis der Gerufenen, bei seinen Freunden.
Hätten die Apostel und dann die ersten kleinen Gemeinden nicht von Jesus erzählt, wären die jungen Christengemeinden nicht offen gewesen für Interessierte, für eine Verbreitung der Lehre Jesu, hätten sich ihnen nicht im Laufe der Zeit viele angeschlossen – was wäre aus der kleinen Jünger-Schar geworden?
Ganz gleich also, wann ein Mensch sich der Jesusbewegung anschließt, woher er kommt, oder ob er so wie wir in die Gemeinschaft der Kirche hineingeboren wird – jeder ist willkommen! Und gleich-berechtigt!
3. Der Weinberg ist immer ein Bild für das Reich Gottes, der Hausherr, der Gutsbesitzer ein Bild für Gott, die Taglöhner sind wir alle… wir alle mit ganz unterschiedlichem Einsatz: entweder wie die ersten Arbeiter, die den ganzen Tag werken, mit großem zeitlichem Aufwand und Engagement; oder wie jene der 11. Stunde, die sich nicht so oft sehen lassen… und alles dazwischen… denn Gott lädt alle ein, Gottes Güte gilt allen gleichermaßen, sein Gutsein ist unermesslich… er misst eben nicht mit menschlichen Maßstäben!
Damit möchte ich wieder zurück zu unserem heutigen Thema kommen – zu Franz von Assisi!
Wenn wir das Gleichnis nun auf das Leben dieses Heiligen anlegen, dann können wir sagen:
Er ist um die dritte Stunde angeheuert worden – also als junger Mann. Nach seinem Berufungserlebnis hat er das Geld seines Vaters nicht mehr für ausgelassene Feste mit seinen Freunden verschwendet, sondern für die Armen und zum Wiederaufbau einer baufällig gewordenen Kirche. Allerdings auch das in einem Maß, das zum totalen Bruch mit dem Vater, einem reichen Tuchhändler, geführt hat. Nachfolge bedeutet für Franziskus, mittellos zu sein und das Leben ganz in den Dienst Gottes zu stellen.
Lassen wir uns von Franz von Assisi inspirieren, mit allen Geschöpfen respektvoll umzugehen und uns als Mitarbeiter im Weinberg Gottes fühlen.