Predigt 19.7.2026
Macht prägt unser Leben. Von Macht hören wir Tag für Tag. Ohne die Verteilung und die Kontrolle von Macht gibt es kein menschliches, ja menschenwürdiges Zusammenleben. Macht ist also nicht unbedingt negativ. Es ist nur die Frage, auf welchem Hintergrund sie jemand verwendet, was er damit im Sinne hat.
In der heutigen Lesung aus dem Buch der Weisheit wird uns die Macht Gottes beschrieben und wie er sie ausübt. In vielen Gebeten wird er sogar als der Allmächtige angesprochen. Wir kommen dabei nicht selten in Zweifel, dass er doch nicht alles kann. Unheil abwenden, eine unheilbare Krankheit heilen, unsere innigsten Gebete nicht erhören. Es ist eine besondere Macht, die er ausübt aus der Position der Stärke. Wer innerlich stark ist, braucht sie nicht auszuspielen, braucht sich nicht aufzuspielen, wie wir sagen von jemand, der sich seiner selbst nicht sicher ist, der sich beweisen will. Und gerade ein Mensch, der nicht oder zu wenig erfahren hat, dass er wer ist, etwas gilt, unterliegt dieser Gefahr eher. Gottes Macht ist deshalb keine, die verletzt und erniedrigt, sondern eine, die das Gefühl behält für den anderen; der spürt, wie es dem anderen, gerade dem Unteren geht. Gott gebraucht seine Macht nicht, um sich zu behaupten und durchzusetzen, sondern er setzt sie ein, um sich zu kümmern. So heißt es über Gott: “Weil du über Stärke verfügst, richtest du in Milde und behandelst uns in großer Nachsicht.“
Wie oft begegnen wir einem solchen Zerrbild der Macht, nach außen hin stark, aber innerlich schwach und leer. (Politik, Familie, Betrieb und richten damit so viel Unheil an in Menschen durch Mobbing).
Gott lässt wachsen, Gott lässt leben und schützt jeden einzelnen, so wie er ist in seiner Einmaligkeit. Gott hat Geduld, er besiegt nicht, unterdrückt nicht. Und er braucht keine Opfer, um ihn gnädig zu stimmen.
An einen solcher Gott glauben zu dürfen, ist unheimlich befreiend. Er macht nicht klein und er macht es uns vor – in Jesus so augenscheinlich und nicht übersehbar menschenfreundlich. Und leitet uns an, es ihm nachzumachen, uns das von ihm abzuschauen. Und wo wir das an Menschen bemerken, die so miteinander umgehen, da wächst das, was Jesus das Himmelreich nennt, das Gottesreich. Da mitzutun lädt er uns immer wieder ein. Er gibt die Hoffnung, dass am Ende schon bei der Ernte die Gerechtigkeit den Sieg davonträgt. Amen.