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Pfarre Aigen im Mühlkreis
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Predigt vom 18.1.2026

von Pfarrer Wolfgang

Liebe Schwestern und Brüder,
eine Grippewelle hat derzeit viele im Griff. Kann man sich vor Ansteckung schützen? Impfungen werden angeraten, auch wenn immer wider neue Virenstämme aktiv werden. Man sich auch abhärten und zu enge Kontakte vermeiden wie, Händeschütteln. Eine gesunde Lebensweise mit genügend Bewegung und Vitaminen ist dem ebenso förderlich. Auch in anderen Bereichen des Lebens ist Prävention von Vorteil. Vor Einbruch etwa durch Sicherheitsfenster und Türen, Alarmanlagen. Vor Unfällen mit Versicherungen und natürlich immer wichtiger im Computerbereich mit Virenschutzprogrammen. Dennoch gibt es nirgends eine letzte Sicherheit. 

Wir sind und bleiben in einer unsicheren Welt und auch als Menschen sind wir verwundbar an Leib und Seele. Auch nicht immun gegen Bosheiten von Menschen. Dramatisch geschildert wird das in der Nibelungensage. Ein einfaches Lindenblatt macht Siegfried nach einem Bad in einer schützenden Flüssigkeit an einer einzigen Stelle verwundbar. Durch einen dummen Zufall kennt diese Stelle sein Feind Hagen und nützt sie aus, um ihn zu töten. Von Gott reden wir in unseren Gebeten anders. Als den Allmächtigen und Größten titulieren wir ihn. Auch wenn wir diese oft in Zweifel ziehen, wenn er bei schwerer Krankheit und Unfällen, bei Schicksalsschlägen offensichtlich nicht zur Stelle war und kein Retter in Sicht. Wo warst du da? Bist du auch ohnmächtig? Aber genau das haben wir doch eben zu Weihnachten gefeiert. Gott ist Mensch geworden und das heißt eben, er hat sich verwundbar gemacht, hat es angenommen, sich der Verwundbarkeit des Daseins auszusetzen, dem Leiden an Leib und Seele. Johannes der Täufer nennt Jesus im heutigen Evangelium Lamm Gottes. Lamm ist Ausdruck und Bild für die Wehrlosigkeit. Wenn ein Schaf geschoren wird, hält es sich ganz ruhig, lässt es an sich geschehen. Wehrlos sein, des Schutzes bedürftig, verwundbar. Diesen Weg geht Gott. Er will nicht darüberstehen, den starken Mann spielen, sodass ihm nichts etwas anhaben kann. Sog. Starke Männer lassen nichts an sich heran, Leibwächter haben sie, aber auch Leibwächter gegen Gefühle. Jesus dagegen ist menschennah, angreifbar und kann vor allem mitfühlen. Leid und Not ebenso wie Gewalt und Widerspruch. Er kann Schwäche zulassen und kann deshalb einen Starken überwinden. Gewaltlosigkeit  ist am Ende stärker. Es fällt uns schwer diese Seite Gottes zu begreifen. Es braucht Mut sich auch als Mensch und Christ darauf einzulassen, es zu probieren und dabei auch durchzuhalten. 
Und das bedeutet ja auch Kontrollverlust. Femizide, Mord an Frauen, so hat ein Psychologe attestiert, haben genau das im Hintergrund: nicht mehr Macht haben und ausüben können über die Frau.
Den starken Mann spielen, die starke Frau sein müssen. Dagegen aber zugeben, etwas nicht mehr zu können fällt schwer, gerade wenn die Schwächen des Alters zunehmen. Aber verletzlich sein kann das Leben auch leichter machen, auch wenn das dann einer ausnützen kann. 
Eine Welt wird gnadenlos und ist es schon, voll Gewalt, wo jeder nur darum kämpft sich unverwundbar zu machen. Die Waffenproduzenten nützen diesen Hang des Menschen aus. Die Politik zeigt es uns. Nach Umfragen steckt das vermehrt hinter dieser Angst, schwach zu sein und zu kurz zu kommen. Und zugleich wächst der Ruf nach einem starken Mann. So blauäugig kommen wir nicht davon in einer solchen Welt, wo nur der Starke das Sagen hat. Aber es gibt einen anderen Weg. Verletzlich sein zu dürfen, keinen Panzer mehr zu brauchen voreinander, das würde zuerst den starken Sprüchen die Kraft nehmen und dann auch der Versuchung, zuzuschlagen, mit Fäusten und Waffen; und es könnte die Verwundbarkeit des anderen entdecken und helfen einfühlsamer werden. Es spüren: dass es weh tut, wenn ich dem anderen meine Macht zeige, ihm/ihr das antue. Und das ist die Voraussetzung, dass Mitleiden und dann auch Solidarität möglich wird. Vor dir darf ich schwach sein. Es braucht Mut und kann das Herz verändern.
Darauf kommt es wohl an, die innere Größe zu haben, dem anderen und mir selbst zu erlauben schwach zu sein, verwundbar und es nicht auszunützen für eigene Größe. Sich schützen vor der eigenen Gewalt auf diese Weise.
Sich so hineinzuleben in unseren alltäglichen Begegnungen, dass sie nicht zu Kämpfen werden zum Überleben. Lamm sein und nicht Wolf, daran erinnert das so scheinbar lebensfremde Glaubenswort vom Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt, das, was uns voneinander trennt, weil uns die Gemeinsamkeit der Schwäche alle verbindet. Nicht umsonst steht dieses Wort im Zusammenhang mit dem Friedensgruß in der Messe, der dann etwas bewirken kann und soll in unserem alltäglichen Zusammenleben, zu dem wir von hier entlassen werden, dass wir etwas von dieser Kraft von Jesus, dem Lamm Gottes mitnehmen. Amen.
 

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