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Pfarre Aigen im Mühlkreis
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Predigt vom 1.2.2026

von Pfarrer Wolfgang

Schwestern und Brüder im Herrn!
Die laufenden Bewerbe im Schizirkus aber auch in anderen Sportarten wie Handball oder Tennis, haben die etwas mit unserm Christsein zu tun? Im Besonderen mit unseren biblischen Texten, von denen wieder ein ganz steiler uns vorgesetzt wird: Selig die Armen, die Hungernden, die Trauernden. Überall wird ihnen etwas vorgehalten und in Aussicht gestellt. Den Sportlern ein weiterkommen in die nächste Runde und schließlich der erhoffte Sieg. Aber die Sportler müssen brennen, müssen hoffen und etwas tun, um das mögliche zu erreichen, müssen siegeshungrig sein, ja, müssen leiden daran, noch nicht so weit zu sein. Müssen durstig sein, mit einem anderen Wort, wie es Goethe so schön lyrisch formuliert: „Nur wer die Sehnsucht kennt, was ich leide.“ 

Wir leben in einer ganz und gar unvollkommenen, unfertigen Welt. Sie ist nicht so, wie wir sie uns wünschen. Und erst recht nicht die Menschen, mich selber nicht ausgenommen. Nicht nur Krieg und Hass zeigen das, Gewalt und bittere Armut, Unmaß an Gier nach Reichtum und Besitz, ja und auch die Sucht nach ausschließen wollen derer, die nicht so sind wie wir. Auch ein oft falsches Streben und Bild von Vollkommenheit. Noch mehr leiden wir an der Gefühlskälte, an Unbesonnenheit, am Mangel an Gespür, was dem anderen wehtut, was er braucht, woran ich selber leide, am nicht verstanden werden, an den zu großen Erwartungen, die ein Miteinander so mühselig machen, ein Partner, dem ich so schwer seine Fehler, seine kleinen Laster verzeihen kann und aushalten.
Aber genau mit dieser Unvollkommenheit zurechtzukommen und ihr zu begegnen, darauf laufen diese Seligpreisungen hinaus. Nur wer Hunger hat nach Recht und Gerechtigkeit, wer leidet an der Rücksichtslosigkeit und Oberflächlichkeit, wer Unfrieden nicht dulden mag, der tut etwas dagegen, nur wer sich selber angewiesen weiß, wird nicht cool bleiben und gar hartherzig wegschauen, sondern der hat Durst, diese Sehnsucht zu stillen, nicht nur die eigene, sondern gerade die der anderen, der Leidenden, er wird selig genannt, weil er ein Stück dieses vielfältigen Mangels verringert und so ein Stück Himmel sichtbar macht. Dadurch bricht eine Ahnung auf von dem, wie Gott sich den Menschen und diese Welt vorgestellt hat, dass wir am Leid der anderen leiden und immer wieder einen Anfang machen und nicht resignieren. Das kommt von den Feldzeichen bei den Schlachten, nicht zurückstecken bei Misserfolg, wie die Sportler, sondern einen neuen Versuch machen zu Friedensverhandlungen, ob zwischen Kriegsparteien, in Gemeindestuben oder in den eigenen 4 Wänden. Jede Versöhnung nach einem bösen Streit ist ein Anfang vom Himmelreich und gibt uns Mut, die Sehnsucht danach wachzuhalten. Einmal wird es geschehen, dass Gottes Reich in seiner Fülle da ist. Darum beten wir im Vater unser: Dein Reich komme, um zugleich etwas dafür zu tun bereit zu sein und so leichter den Zwiespalt der Realität auszuhalten. Dafür sind wir Hoffende, wenn wir dabei Gott nicht aus den Augen verlieren, der mittendrin da ist in unserem Bemühen. Und wenn wir aufrichtig sind, kann es uns nicht entgehen, dass immer wieder dort und da ein Zipfel vom Himmel sichtbar wird und wir uns darüber selig mitfreuen dürfen. Die Welt können wir nicht retten, nur dort und da, wo wir gerade stehen. Amen.
 

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