Predigt 1.11.2026
Und dann bewundern wir Menschen, kleine und große Künstler. Demnächst in der Bioschule bei dem Workshop Sägen bringt Segen. Mit der Motorsäge aus einem Holzblock etwas gestalten, das am Ende tatsächlich eine Figur sichtbar wird. Die muss man vorher aber im Kopf haben und dann fähig sein, das Drumherum einfach wegzufräsen. Schaut so einfach aus. Bei der Musik ist das ähnlich, die Töne so zusammenzusetzen, dass ein Wohlklang entsteht, ein schmissiger Schlager, bei dem wir gleich mitsingen können oder eine Messe von Schubert oder Mozart oder ein Kinderlied, das uns nicht mehr aus dem Ohr geht. Schön, aber ich kann das nicht. Aber ich kann etwas anderes.
Heute feiern wir Allerheiligen, da feiern wir auch nicht die Großen, die auf einem Sockel stehen, die unerreichbar Vollkommenen, zu denen wir gar nicht aufblicken wollen. Heute schauen wir auf die scheinbar Unbedeutenden, die doch ihre Träume nicht losgelassen haben, sie umzusetzen. Jene, die sich fragen: Was soll werden aus meinem Leben? Oder wir als Glaubende: Was hat Gott für einen Traum von mir. Wozu hat er mich gerufen, wozu bin ich da auf der Welt?
Die seltsamen Heiligen, wie sie uns Jesus heute aufzählt, der Menschen selig nennt, die waren wie du und ich. Die noch trauern können über Unheil und Krieg, aber sich dabei nicht zufriedengeben, sondern die sich ansprechen lassen und der Sehnsucht nach Heil und Frieden, nach Gerechtigkeit Gestalt geben und etwas dagegensetzen, die gewaltlos protestierend auf die Straße gehen und nicht damit aufhören damit, bis vielleicht aber nicht immer, die Mauer von Ignoranz und Intoleranz fällt. Die nicht aufgeben, ihren eigenen Hunger nach Frieden zu sättigen mit Nachdruck und Sanftmut: mit Worten für schwierige Kinder, die nur Aufmerksamkeit brauchen und für sie Zeit haben. Menschen, Diplomaten und Politiker, die Geduld zeigen mit immer neuen Angeboten zum Frieden, anstatt die Gefahren neuer Gewalt zu forcieren.
Ja, und am Anfang und vor allem: Selig, die arm sind vor Gott. Und das heißt nichts anderes als: Selig jene, die ihre Armseligkeit anerkennen und deshalb auf Gott setzen, mit ihm rechnen, weil sie selbst diese unheile Welt nicht retten können, aber trotzdem ihr Möglichstes tun. Im Vertrauen darauf, dass Er doch alles in der Hand hält und zu einem guten Ende führt zur Vollendung. Damit wir nicht verzagen und die Hoffnung nicht verlieren, wenn wir nur Not und Unglück zu sehen meinen. Dieser Glaube, dieses Vertrauen möchte wachsen, wenn wir auf die Heiligen schauen.
Martin Luther drückt das aus mit dem Wort: Und wenn morgen die Welt untergeht, will ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen. Amen.