Thursday 21. November 2019

Das war der „Raumklang”!

Wen wundert bei zwei Harfen und zwei Orgeln, dass der Raumklang im Linzer Mariendom am 1. September 2016 unter dem Motto „Himmlische Harmonien“ stand? 

Einfach himmlisch! So könnte man das Programm des Raumklangs 2016 beschreiben: Himmlisches von der mitreißenden Ankunft der Königin von Saba über ein nahezu aus einer anderen Welt herüber klingendes Adagietto-Klanggemälde Mahlers bis zum Fauréschen Weg ins Paradies.

 

Orgel trifft Harfe – ein himmlisches Gespann!

 

Eingeladen hatten sich die beiden Organisten Wolfgang Kreuzhuber und Heinrich Reknagel für den diesjährigen Raumklang die Harfenisten Werner Karlinger und Martina Rifesser. Als Duo „Die virtuosen Harfenisten“ spielen die Bozenerin und der Linzer die nicht sehr umfangreiche Harfen-Originalliteratur sowie Bearbeitungen von Kompositionen aus verschiedenen Epochen. Ganz besondere Arrangements für Harfe(n) und Orgel(n) standen darum auch an diesem Abend auf dem Programm. Ein himmlisches Gespann sind die beiden übrigens nicht nur musikalisch, sondern seit 2003 auch als Ehepaar.

 

Harfe & Orgel - einfach himmlisch!
W. Karlinger, W. Kreuzhuber, H. Reknagel und M. Rifesser
Organist Heinrich Reknagel an der Rudigierorgel
Harfenistin Martina Rifesser vor dem Konzert
Domorganist Wolfgang Kreuzhuber an der Chororgel
Harfenist Werner Karlinger spielt sich ein
Letzte Besprechungen vor dem Konzert
Konzertimpression

Noch mehr Bilder von den Proben und dem Konzert gibt's in der Bildergalerie!

 

Mitreißender Start und mozärtliche Leichtigkeit!

 

Inmitten des Publikums, in der Vierung des Mariendoms, eröffneten die beiden Harfenisten den Raumklang. Und zwar mit der schwungvollen „Ankunft der Königin von Saba“ aus Georg Friedrich Händels „Solomon". Daran schloss André Campras festliches „Rigaudon“ in einer Bearbeitung für zwei Orgeln an. 

 

François-Joseph Gossec: Symphonie concertante du ballet de Mirza - I. Allegro

 

François-Joseph Gossecs „Symphonie concertante du ballet de Mirza“ – bearbeitet für zwei Harfen und die Chororgel – vermittelte schließlich „mozärtliche“ Luftigkeit und versprühte einen Hauch von tänzerischer Ballettmusik. 
 

Eine Ahnung des Himmels und zerbrechliche Intimität!

 

Domorganist Wolfgang Kreuzhubers beeindruckende Improvisation an der Rudigierorgel über das Lied „Wohl denen, die da wandeln“ ließ in ihren Variationsformen schon den Himmel erahnen, heißt es doch auch im Lied: „Dein Wort, Herr, nicht vergehet, es bleibet ewiglich, so weit der Himmel gehet, der stets beweget sich.“ 

 

Gustav Mahler: 5. Symphonie -  III. Adagietto

 

In Gustav Mahlers berühmtem „Adagietto“ aus der 5. Symphonie, in dem die Streicher durch die beiden Orgeln ersetzt wurden, entstand durch die schwebende Melodie zerbrechliche Intimität und das Bild aufschäumender Wellen, die letztlich friedlich und nahezu entrückt still in Richtung Himmel verebben. Wolfgang Kreuzhuber selbst verriet, dass das für ihn eines der Lieblingsstücke im Konzert war, „weil es einfach so herrliche Musik ist“

 

Himmlisches und Irdisches – und Klänge von allen Seiten!

 

Innig ging es weiter: Max Regers „Benedictus“, op. 59/9, das wohl zu Regers Lebzeiten sein meistgespieltes freies Orgelwerk darstellte, erklang in einer beeindruckenden Bearbeitung für zwei Orgeln.

 

Es folgten Marcel Tourniers himmlische „4 Preludes", op. 16, die aus verschiedenen Winkeln des Domes erklangen. Der erste Satz wurde von Werner Karlinger aus einem Seitenschiff musiziert, der zweite Satz von Martina Rifesser aus luftigen Höhen engelsgleich von der Chorempore, der dritte Satz solistisch schließlich vom Altarraum aus bis hin zum finalen vierten gemeinsamen Allegretto-Satz.

 

Max Regers ebenfalls der Sammlung „12 Stücke für die Orgel“ entstammendes „Te Deum“, op. 59/12, erklang schließlich als mächtiges, lobendes Charakterstück.

 

Paradiesische Schönheit und jubelndes Halleluja!

 

Als zarter Kontrast zu Regers „Te Deum“ schloss Gabriel Faurés „In Paradisum“ aus seinem „Requiem“ für Harfe und Orgeln die Tür zum Paradies auf. Kreuzhuber bewundert an Faurés Komposition die „in seiner Schlichtheit und Einfachheit tiefgehende, unglaubliche Schönheit“ des Stücks, wie er nach dem Konzert verriet.

 

Und nach diesem Weg ins Paradies blieb nur eines als Konsequenz: ein jubelndes Halleluja von „allem, was Odem hat“ in César Francks „Psalm 150“ – arrangiert für zwei Harfen und zwei Orgeln. Der Psalm ruft zum Lob Gottes und seiner Taten mit verschiedenen Instrumenten auf – unter anderem mit Hörnern, Zithern, Pauken, Zimbeln, Flöten und… Harfen! Und nachdem gerade mit César Francks berühmtem Ausspruch die Orgel ohnehin ein ganzes Orchester ist, war dieses Stück wohl der perfekte Abschluss für das Konzert!

 

César Franck: Psalm 150, FWV 69

 

Raumklang – ein Garant für außergewöhnliche Erlebnisse!

 

Im Jahr 2000 wurde der Raumklang durch Domorganist Wolfgang Kreuzhuber aus der Taufe gehoben: seither schenken die zwei Orgeln im Linzer Mariendom in Verbindung mit unterschiedlichen Solokünstlern oder Ensembles Raum- und Klangerlebnisse besonderer Art. Musizieren mit dem Raum, auch als Zuhörender - eine Erfahrung, wie sie nur in wenigen Kirchen in ganz Europa überhaupt gemacht werden kann. Viele erleben und erfühlen den Dom beim Raumklang jedes Mal wieder ganz neu. 

 

Wolfgang Kreuzhuber und Heinrich Reknagel sind inzwischen schon versiert, Originalliteratur zu finden oder spannende Bearbeitungen und Arrangements verschiedenster Werke für den Raum und die jeweilige Besetzung zu machen.

 

Raumklang!

 

Hervorragende Programmzusammenstellung und perfekt genutzte Domakustik!

 

Den zahlreichen Konzertbesucherinnen und Konzertbesuchern wurde an diesem Abend musikalisch der Himmel auf Erden beschert – das konnte man an Pastoralamtsdirektor Wilhelm Vieböck, Domkapellmeister Josef Habringer oder Orgel- und Glockenreferent Siegfried Adlberger deutlich erkennen.

 

Das Publikum bewunderte allseits die „hervorragende Programmzusammenstellung“ und die „abwechslungsreiche, farbenreiche Musik“. Marco Paolacci, Stiftskapellmeister im niederösterreichischen Stift Zwettl und selbst unlängst beim Linzer Orgelsommer zu Gast, zeigte sich auch von den grandiosen Bearbeitungen und den neuen (Konzert-)Wegen begeistert. 

 

Und Peter Paul Kaspar, Akademiker- und Künstlerseelsorger sowie Rektor der Ursulinenkirche, ergänzte außerdem: „Die Domakustik wurde für die Musik wirklich perfekt genutzt!“ 

 

Auch die konzertierenden Künstlerinnen und Künstler schienen nach dem Konzert bewegt und zufrieden. „Es war eine große Freude, diese Werke gemeinsam zu musizieren… wir haben es selbst so genossen!“, hieß es von den beiden Harfenisten. Und auch die beiden Gastgeber freuten sich über das „feine Musizieren miteinander“.

 

Tja, wie wusste schon Jean Paul: „Die Musik teilt nichts als Himmel aus…“
 

Bildergalerie: Raumklang im Bild

 

(sp)

Fotos
Schon entdeckt?

Rudigierorgel in Bild und Ton

 

„Pfeifenputzer” aus: „Frühlingszeit” (16.05.2012)

Mit freundlicher Genehmigung des ORF.

Klänge, die gen Himmel steigen

W. Kreuzhuber: Improvisation zu „Nun lobet Gott in hohem Thron”

 

W. Kreuzhuber: Variationen über das Lied „Lasst uns erfreuen herzlich sehr”

 

...ihr Klang vermag den Glanz der kirchlichen Zeremonien wunderbar zu steigern und die Herzen mächtig zu Gott und zum Himmel emporzuheben...

(SC6)

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