Papst will Frauen-Diakonat profund prüfen
Die Oberin der Oberzeller Franziskanerinnen in Würzburg bestätigte im "Radio Vatikan"-Interview die entsprechende Intention des Papstes. Bei der Audienz für die rund 900 derzeit in Rom tagenden Ordensoberinnen aus aller Welt hätten diese die Frage nach dem Zugang zum Ständigen Diakonat an den Papst herangetragen, Franziskus selbst habe darauf die Idee einer Studienkommission entwickelt, so Ganz.
Vatikansprecher Federico Lombardi sagte am Donnerstag, es sei zu früh, um Aussagen über die genauen Absichten des Papstes zu machen; es habe sich um eine spontane Äußerung von Franziskus gehandelt. Möglicherweise gehe es schlicht darum, die Rolle von weiblichen Diakonen in der frühen Kirche historisch zu untersuchen, so Lombardi. Das Kirchenrecht schreibt vor, dass nur ein getaufter Mann das Weihesakrament empfangen kann.
Oberin Ganz zeigte sich gegenüber "Radio Vatikan" allerdings überzeugt, dass der Papst nicht nur eine rein historische Aufarbeitung des Diakonats der Frau in der alten Kirche anstrebe. "Das ist nicht Papst Franziskus. Er sucht pastorale Antworten auf die Nöte und die Notwendigkeiten der Kirche in der Welt von heute. Er ist ein Mann des Zweiten Vatikanums und es würde aus meiner Sicht keinen Sinn machen, nur rückwärts zu schauen", so Ganz wörtlich.
Es gab und gibt bereits Diakoninnen
Seit seinem Amtsantritt hat sich Franziskus wiederholt für eine stärkere Rolle der Frau in der katholischen Kirche ausgesprochen. Am Ende der Begegnung sagte er zu den Ordensoberinnen: "Danke, ihr habt mir neue Anstöße gegeben, über Dinge nachzudenken", zitierte Oberin Ganz den Papst.
Frauen waren in der frühen Kirche als Diakoninnen in speziellen Gemeindediensten tätig, etwa in der Glaubensunterweisung und Armenfürsorge. In der lateinischen Westkirche sind Diakoninnen vom 6. bis 13. Jahrhundert bezeugt. In der Ostkirche lebte die Tradition der Diakoninnen weiter.
Ein sehr gutes Zeichen
Als ein "sehr gutes Zeichen" wertet das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) die Papstäußerungen. Vizepräsidentin Claudia Lücking-Michel verwies auf Anfrage der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur KNA darauf, dass bereits die Würzburger Synode der westdeutschen Bistümer 1975 an den Papst appelliert habe, diese Möglichkeit zu prüfen.
Zugleich betonte die CDU-Bundestagsabgeordnete, dass ein "Diakonenamt light", bei der Frauen keine Weihe, sondern nur einen Segen erhielten, keine Alternative sei. Ein solches Modell hatte Kurienkardinal Walter Kasper bei der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe 2013 in Trier ins Spiel gebracht. Als Vorbild nannte Kasper die besondere Diakoninnentradition in der Alten Kirche, die auch in den Ostkirchen weiterlebt. Die "Weihe" könnte in diesem Fall kein Sakrament sein wie bei der Priesterweihe, sondern zu den "Sakramentalien" gehören, vergleichbar etwa der Jungfrauenweihe oder der Äbtissinnenweihe.
Diakone dürfen in der katholischen Kirche etwa über die Nottaufe hinaus das Taufsakrament spenden und predigen, nicht aber die Messe feiern oder Beichte hören. Die Diakonenweihe ist die erste der drei Weihestufen in der katholischen Kirche. Danach können die Priester- und Bischofsweihe folgen. Es gibt daneben seit 1968 auch sogenannte Ständige Diakone, die verheiratet sein und einen Zivilberuf ausüben dürfen.
Kirchenhistoriker Wolf hält Änderungen beim Diakonat für möglich
In der neuen Debatte über ein etwaiges Diakonat der Frau hält der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf Änderungen für möglich. Wenn Papst Franziskus nun eine Kommission einrichten wolle, "ist es zumindest theoretisch möglich, dass die Ergebnisse dieser Kommission zu Änderungen führen", sagte Wolf im Interview der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA am Freitag in Münster.
"Franziskus hat eine Diskussion wieder eröffnet, die viele für beendet hielten." Der Papst hatte am Donnerstag angekündigt, er wolle eine Kommission einrichten, um eine Zulassung von Frauen zu diesem Weiheamt aus historischer und theologischer Sicht zu prüfen.
Zum Stand der Forschung sagte Wolf: "Es besteht kein Zweifel, dass es über Jahrhunderte in der Kirche Diakoninnen gab, die in einem analogen Ritus wie dem für Männer ordiniert wurden: Diakoninnen gab es in der alten Kirche, in der Ostkirche ohnehin und bei uns in der Westkirche bis ins 12. oder 13. Jahrhundert." Die Ankündigung des Papstes bedeute, dass offene Fragen gestellt würden, deren Antworten noch nicht bekannt seien. "Und hat es Frauen gegeben, die als Diakoninnen gewirkt haben, dann muss man diese Tradition erst einmal würdigen und kann nicht so tun, als sei es immer schon so gewesen, wie manche es gerne hätten."
Sollte die historische Überprüfung ergeben, "dass es in der Tradition über 1.000 Jahre Frauen gegeben hat, die eine sakramentale Diakonatsweihe gehabt und vielleicht auch während der Messe das Evangelium verkündet haben - eine der vornehmsten Aufgaben dieses Amtes - dann kommt man an diesem Faktum nicht vorbei", betonte Wolf. Dann stelle sich nicht mehr die Frage, "ob es dies geben darf oder nicht". Der Ständige Diakonat sei eine eigene Weihestufe. "Dann kann es doch zumindest auch theoretisch einen Ständigen Frauendiakonat geben, der nicht automatisch zur Priesterweihe führen muss."
Kathpress, gec