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Mo. 15.06.26

„Wenn ich durch den Dom gehe, habe ich mehr Raum“

Zoe Goldstein

Seit zwei Jahrzehnten lebt die Künstlerin und Fotografin Zoe Goldstein „gleich hinter dem Mariendom“. Das Domviertel ist für sie mehr als ein Wohnort: ein Ort voller Kultur, Inspiration und Begegnungen.

 

„Als ich hier eingezogen bin, habe ich mich sofort zu Hause gefühlt“, sagt Zoe Goldstein (46), die in der Hafnerstraße wohnt. Da wurden Kindheitserinnerungen wach, denn bereits als Kind war sie vom Dom magisch angezogen. „Meine Tante brachte meine Cousine damals immer im Volvo in die Waldorfschule – ich saß hinten im Auto und war fasziniert, wenn wir beim Mariendom vorbeifuhren“, erzählt die Künstlerin und Fotografin. Schon damals habe sie gewusst: Hier möchte ich einmal leben.

Geschafft! In ihrer ersten Domviertel-Wohnung konnte sie dem Domchor bei der Probe zusehen – und zuhören. „Das war wahnsinnig schön und ich dachte immer: Meine Engerl singen für mich.“ Ähnlich ist es, wenn im Sommer auf dem Domplatz Konzerte stattfinden: Dann öffnet sie die Fenster und ist live dabei.

 

Was man sieht, wenn man hinunterschaut

Das Domviertel beschreibt die 46-Jährige als „ein eigenes Ökosystem“. Es gebe hier alles: Kunst, Kultur, Geschichte und diesen Platz als Verbindung und Begegnungsraum. „Ich bin hier oft mit meinem Sohn, wir holen uns ein Eis vom Jindrak, er fährt mit dem Roller oder dem Rad über den Platz. Im Sommer lassen wir uns vom Wassernebel abkühlen. Und die Abkürzung quer durch den Dom ist mein schnellster Weg in die Stadt“, sagt Zoe Goldstein.

 „Man kennt sich untereinander, es herrscht ein richtiges Dorfleben und es gibt viele Grünflächen und schöne Innenhöfe“, sagt die Fotografin. Manches sehe man allerdings erst, wenn man vom Turm hinunterschaue.

 

Künstlerische Projekte im Dom

Was Zoe Goldstein am Mariendom besonders schätzt, ist die Offenheit für neue Ideen und den Austausch darüber. Das mache ihn auch spannend für künstlerische Projekte. „Das ganze Haus ist Kunst und der neugotische Baustil inspiriert mich extrem“, sagt die Künstlerin. „Wenn ich durch den Dom gehe, habe ich mehr Raum. Das ist mein Gefühl.“

Zoe Goldstein hat den Dom zigmal fotografiert und auch bereits für ihre Kunst genutzt. Im Brucknerjahr richtete die Linzer Künstlerin den Blick jedoch nicht auf das Bauwerk selbst, sondern auf jene Frauen, die im Leben Anton Bruckners Spuren hinterlassen haben. Für ihr Projekt „Für Theresia – Anton Bruckner: eine HerStory“ recherchierte sie über ein Jahr lang die Biografien von zehn Frauen aus seinem Umfeld und machte sie in einer Wanderausstellung sichtbar – allen voran seine Mutter Theresia, die dem Projekt ihren Namen gab.

Den Abschluss fand die HerStory an einem Ort, der wie kaum ein anderer mit Bruckner verbunden ist: in der Votivkapelle des Mariendoms. Gemeinsam mit dem Chor des Landestheaters erklang dort Locus iste – jenes Werk, das Bruckner 1869 eigens für die Einweihung der Votivkapelle komponiert hatte.

Pläne für die Zukunft

Auch für die Zukunft hat Zoe Goldstein noch Ideen für den Mariendom. Gerne würde sie den Selfiepoint wieder aufgestellt sehen, den sie einst für ein Kunstprojekt gestaltet hat. Besucherinnen und Besucher konnten dabei selbst Teil einer historischen Pilgerdarstellung werden und mitten ins Bild treten.

Gleichzeitig reizt sie ein neues Projekt rund um die Glasfenster des Doms. Als Bildwissenschaftlerin beschäftigt sie sich seit Jahren mit der Frage, wie Menschen sich darstellen und wie sich typische Posen von Frauen und Männern im Laufe der Zeit verändern. „Mich interessiert die Bildsprache der Glasfenster“, erzählt sie. Diese historischen Darstellungen möchte sie mit heutigen Bildern in Beziehung setzen und so Vergangenheit und Gegenwart miteinander ins Gespräch bringen. Kunst soll für sie nicht nur sichtbar machen, was war, sondern auch neue Perspektiven auf das Heute eröffnen.

Als Obfrau der Domviertel-Initiative hat Zoe Goldstein außerdem Pläne, um die Nachbarschaft noch schöner zu gestalten: „Wir wollen eine Art Marktplatz vor dem Haupteingang des Doms schaffen. Zwischen den Bäumen könnten eine Bücherbox, ein Bankerl und vielleicht einer kleinen Sandkiste stehen.“ Gemeinsam mit Südwind – neue Nachbarn im Domviertel – möchte sie im Rahmen des Park(ing) Day am 18. September außerdem einen Gartenrundgang initiieren. Ganz im Sinne ihrer Vorstellung vom Domviertel: offen, lebendig und voller Begegnungen.

 

Mehr über Zoe Goldstein und ihre Projekte gibt`s hier ...

 

Text: Claudia Riedler-Bittermann

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Mariendom Linz


Domplatz 1
4020 Linz
Telefon: 0732/946100
domcenter@dioezese-linz.at
https://www.mariendom.at

Öffnungszeiten des Mariendoms

Montag bis Samstag: 8.00 bis 19.00 Uhr 

Sonn- und Feiertage: 8.00 bis 19.15 Uhr 

 

Besichtigungen sind während der Gottesdienste und Veranstaltungen nicht möglich

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Herrenstraße 19
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