Mittagspause auf dem Domplatz
Jeden Mittwoch um die Mittagszeit wird der Speisewagen der Caritas vor dem Mariendom zum Treffpunkt für Stammgäste, Tourist:innen und junge Menschen auf dem Weg in die Arbeitswelt.
Kurz vor Mittag schaut Nova (18) über den Domplatz zum Mariendom. „Es ist ein cooler Platz hier“, sagt sie. Neben ihr rückt Melissa (20) die Schüsseln mit den Zutaten fürs Mittagessen an ihren Platz. Belustigt beobachten sie Tourist:innen, die gerade ein Gruppenfoto mit Dom inszenieren. Vielleicht werden sie schon bald die ersten Mittagsgäste des Speisewagens sein?
Jeden Mittwoch macht der Speisewagen der Caritas vor dem Mariendom Station. Dann kommen Mitarbeitende des Doms, Angestellte aus den umliegenden Büros und manchmal auch Tourist:innen zum Mittagessen auf den Domplatz.
„Heute gibt es Caesar Salad und eine Kartoffelsuppe“, erklärt Bernhard Fischer, Koch und Ausbildner für die Jugendlichen. Bevor es losgeht zeigt er ihnen, wie angerichtet wird. Es warten frische Salatblätter, Tomaten, dazu wahlweise Schafkäse oder Hühnchen. „Vergesst die Croutons nicht, wenn ihr eine Suppe ausgebt“, sagt er. Dann überlässt er den beiden jungen Frauen das Feld.
Der schönste Platz fürs Essen
Was die Gäste nicht sehen: Die Speisen wurden bereits am Vormittag in der Lehrküche der Caritas in der Mozartstraße frisch zubereitet, eingepackt und anschließend im Speisewagen – eine Art fahrende Küche – zur Ausgabestelle gebracht. Dreimal pro Woche ist der Wagen an verschiedenen Standorten in Linz geparkt. Für Bernhard Fischer gibt es dennoch einen Favoriten: „Der Domplatz ist auf jeden Fall der schönste Platz, wo wir stehen.“
Die ersten Gäste treffen ein. Viele von ihnen sind Stammgäste. Ein Mitarbeiter eines Bandagistenbetriebs holt das Mittagessen für mehrere Kolleg:innen ab. „Es schmeckt immer sehr gut“, sagt er. Viele bringen ihre eigenen Behälter mit, in die Nova und Melissa die Speisen direkt einfüllen.
Das Ziel der Ausbildung ist es, Jugendliche und junge Erwachsene auf den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten. Dass die Arbeit abwechslungsreich ist, gefällt Melissa besonders: „Wir stehen nicht nur in der Küche, sondern machen auch viel andere Sachen.“
Erfolgserlebnisse im Speisewagen
„Wir versuchen unsere Jugendlichen oder jungen Erwachsenen arbeitsfit zu machen“, sagt Bernhard Fischer. In der Küche lernen sie, im Team zu arbeiten, Hygienevorschriften einzuhalten und mit Zeitdruck umzugehen. Besonders wichtig seien die Erfolgserlebnisse: „Es geht darum zu sehen, was sie schaffen und dass sie sich etwas zutrauen können“, sagt der Koch, der kurz vor seinem Abschluss als Behindertensozialbegleiter steht.
Die Zutaten im Speisewagen sind saisonal und regional. Besonders wichtig ist Fischer dabei ein bewusster Umgang mit Fleisch: „Diese Selbstverständlichkeit, dass man jeden Tag Fleisch essen muss, da sind wir im Team ein bisschen dagegen“, erklärt er. Stattdessen gibt es oft zwei vegetarische Optionen, wobei ein Gericht ungeschlagen bleibt: „Am besten geht immer unsere Lasagne, egal ob Fleisch oder Gemüse.“
Auch die Jugendlichen bringen eigene Ideen ein. Auf die Frage nach ihrem Lieblingsgericht muss Nova nicht lange überlegen: „Wiener Schnitzel.“ Das stehe aber nur selten auf der Karte, weil es sich nicht so gut warmhalten lässt. „Also koche ich hier am liebsten Rindsgulasch.“
Austausch mit den Gästen
Besonders die persönliche Entwicklung der Jugendlichen bereitet dem Ausbildner Freude. Er beobachtet oft, wie Jugendliche, die anfangs noch extrem schüchtern und zurückhaltend sind, mit der Zeit immer mehr aus sich herausgehen, ihren Platz im Team finden und schließlich beginnen, aktiv mitzugestalten.
Der direkte Kontakt mit den Gästen spielt eine wichtige Rolle. „Man unterhält sich darüber, was sie essen wollen, und manche geben uns auch Trinkgeld“, erzählt Nova.
Es zählt der Inklusionsgedanke. „Dabei geht es auch um den Austausch, dass sie rauskommen, dass sie mutig sind und mit Leuten sprechen“, sagt Fischer. Deshalb legt er Wert darauf, dass die Jugendlichen nicht anders behandelt werden als andere Arbeitnehmer:innen. „Die wollen einfach ganz normal sein wie alle anderen.“ „Da braucht es kein Mitleid“, sagt er. Im Mittelpunkt stehen die Fähigkeiten der jungen Menschen, ihre Arbeit und die Begegnungen, die rund um den Speisewagen entstehen.
Um 13 Uhr wird es wieder ruhiger auf dem Domplatz, die Mittagspause ist zu Ende. Das Team im Speisewagen verstaut Geschirr und Reste. „Wir geben meist 20 bis 30 Mittagessen aus, das Ziel ist, das nichts übrig bleibt“, sagt Fischer. Und wenn doch, bringe er es in die Wärmestube der Caritas. Denn für die nächste Speise aus seinem Wagen wird wieder frisch gekocht.
Info: https://www.speisewagen-caritas.at/
Text: Claudia Riedler-Bittermann