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Do. 17.12.15

AdventLICHT

17. Dezember 2015

 

„adventus" heißt Ankunft. Mit der Ankunft des Herrn feiern wir Christen die Menschwerdung Gottes. Das Wort Advent regt mich an, darüber nach zu denken, wo und wann in meinem Leben „Ankunft" geschieht.


Heuer durfte ich mehrere intensive Erfahrungen der Ankunft Gottes in meinem Leben machen. Advent war für mich heuer, als...

... unsere Enkeltochter Linnea* geboren wurde.

... unser syrisches Pflegekind Ruhi* nach langer Flucht und einem Gefängnisaufenthalt in unserer Familie ankam.

... meine Mutter nach schwerer Krankheit die Intensivstation verlassen durfte.

... mein Vater nach langer Krebstherapie seine erste Bergtour unternahm.

 

Ganz besondere Freude machten mir die Reaktionen unserer Kinder, als mein Mann und ich von unserem, seit langen Jahren ersten gemeinsamen Urlaub nach Hause kamen und unsere Ankunft gefeiert wurde.


Linus* (28): „Mama, du schaust gut aus! Das Loslassen hat dich anscheinend bei dir ankommen lassen. Das sieht man.”

Helga* (26): „Schau, Linnea, die Oma wartet auf eine Umarmung von Dir!”

Birgit* (24) hat bei der Betreuung unserer Kinder mitgeholfen: „Jetzt weiß ich, wie schwer ihr es mit mir hattet! Dieses ewige Warten!”

Heike* (23): „Ihr habt mir so gefehlt. Gut, dass ihr gesund zu Hause angekommen seid!”

Carola* (18): Für sie war die Zeit ohne uns aufgrund ihrer Lebensgeschichte eine große Herausforderung: „Ich hab es überlebt, sogar ein bisschen gelebt, euch gedanklich ganz fest geliebt und so euer Heimkommen erlebt.”

Johanna* (17): „Papa! Ich war so einsam ohne Dich.”

Ruhi* (13) meidet sonst jeden Körperkontakt, hat uns umarmt, lange festgehalten mit den Worten: „Immer dableiben!”

Stefan* (12): „Ohne euch war es irgendwie ganz normal, aber ziemlich blöd...”

Sophie* (7) lief mir mit Freude entgegen, sprang in meine ausgebreiteten Arme und rief: „Meine Mama!” Dies war das erste Mal, seit sie seit eineinhalb Jahren bei uns ist, dass sie ihre Liebe so zeigte.


Manchmal dauert Ankunft lange! Manchmal muss man wegfahren, um die Erfahrung des Ankommens zu machen. Manchmal muss man loslassen, um bei sich selbst ankommen zu können. Manchmal muss man geduldig warten und wird dafür belohnt. Manchmal ist Warten schwer, hat aber Sinn. Manchmal kann man beim Warten überleben, im Warten leben, lieben und dadurch die Ankunft bewusst erleben. Manchmal ist Warten, ohne einen lieben Menschen um uns einsam. Manchmal sehnt man sich nach der Nähe eines geliebten Menschen, er soll da sein, dableiben!


Meine Kinder sind weise. Sie zeigen mir, was Advent heißen kann:
Manchmal sind wir weit weg von Gott, können uns aber immer seiner ausgebreiteten Arme sicher sein. Manchmal halten wir starr an Dingen, Auffassungen, Meinungen fest. Wenn wir loslassen, können wir Gottes Gegenwart spüren, unsere Sorgen in seine Hände legen. Manchmal warten wir auf etwas und alles ist eh normal, aber innerlich sind wir unruhig und leer. Mit dem Gedanken der Ankunft Gottes in uns hat das Warten Sinn. Die Hoffnung des Kindes auf die Ankunft der Mutter wird erfüllt. Durch die Ankunft des Jesuskindes wird unsere Hoffnung auf die Menschwerdung Gottes wahr. Und so stehe ich auf, laufe ihm entgegen und rufe voller Freude: „Mein Gott!"

 

(* Name geändert)

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