Mittwoch 20. Februar 2019

Wolfgang Amadeus Mozart: „Missa in C”

Spatzen...

Im Volksmund heißt die beliebte Messe meist nur „Spatzenmesse – wissen Sie auch, warum? Aber die kompakte, fröhliche „Missa in C” (KV 220 (196b)) des knapp zwanzigjährigen Mozart hat noch mehr an Besonderheiten zu bieten.

Warum heißt Wolfgang Amadeus Mozarts „Missa in C” jetzt also wirklich „Spatzenmesse”? Die Bezeichnung aus dem 19. Jahrhundert hat ihren Grund im Orchestersatz. Der Titel „Spatzenmesse” bezieht sich nämlich auf die Violinfiguren im Hosanna des Sanctus und des Benedictus („Pleni sunt coeli”, „Hosanna in excelsis”), die an das Zwitschern, das Tschilpen von Spatzen erinnern. Vielleicht klingt da schon der spätere Ausspruch Don Boscos an: „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen...

 

Im Schaffen des jungen Mozart stellt diese Messe in mehrerlei Hinsicht eine Besonderheit da.

 

Mozarts erste „Missa brevis et solemnis

 

Die Spatzenmesse zählt zum Typus der im 18. Jahrhundert im süddeutschen und österreichischen Raum verbreiteten „Missa brevis et solemnis” – eine gleichermaßen kurze wie feierliche Messe sozusagen.


Bei der „Missa brevis” handelt es sich um eine Messe, die insgesamt kürzer ist und weitgehend auf große Solopartien verzichtet, für eine kleinere Besetzung und nicht für festliche Hochämter an hohen Festtagen, sondern für Sonn- und Feiertage geschrieben ist.


Eine „Missa solemnis” hingegen ist durch ihre größere Besetzung (Trompeten und Pauken neben dem klassischen Kirchentrio mit erster und zweiter Violine und der Bassgruppe) sowie eine längere Aufführungsdauer gekennzeichnet und wird in erster Linie an hohen Festtagen musiziert.


Und die „Missa brevis et solemnis” vermischt beide Formen: in Umfang und Satzstruktur entspricht sie einer „Missa brevis”, in ihrer festlichen Besetzung mit Pauken und Trompeten weist sie aber auch Merkmale einer „Missa solemnis” auf.


Bei der „Missa in C” handelt es sich um Mozarts erste „Missa brevis et solemnis” oder wie er selbst in einem Brief vom 20. November 1777 schreibt „die erste aus den kurzen Messen in C”. Daran ist die Situation am Salzburger Hof wohl nicht ganz unschuldig: der Erzbischof von Salzburg, Hieronimus Graf Colloredo wünschte, dass auch ein komplett zelebriertes Hochamt „drei Viertelstunden” nicht überschreiten dürfe. Und am besten sollten die Messen mit dem Erzbischof kurz und festlich sein.


Mit 360 Takten zählt die Spatzenmesse tatsächlich zu den kürzesten Messen Mozarts.

 

 

Zyklisches Prinzip und volkstümlicher Charakter


Besonders ist auch die zyklische Anlage – auch dieses Kompositionsprinzip wendet Mozart hier zum ersten Mal innerhalb seiner Messkompositionen an: im Agnus Dei kehrt die Musik des Kyrie wieder, damit erreicht Mozart musikalische Geschlossenheit.


Vom Charakter wirkt Mozarts „Missa in C nahezu volkstümlich – dies zeigt sich in den einprägsamen Themen wie auch in der relativ simplen musikalischen Struktur. Der Musikwissenschaftler Alfred Einstein charakterisiert die Messe als „allzu salzburgerisch”.


Auf ausgedehnte Solosätze verzichtet Mozart – in erster Linie sind es kurze Einwürfe in das hauptsächlich vom Chor bestimmte musikalische Geschehen. Arien fehlen völlig, auch wenn das Benedictus eindeutig vom Solosopran dominiert wird, während die drei anderen Solostimmen lediglich begleiten.

 

Unklare Datierung bei Entstehung und Uraufführung

 

Mozarts „Missa in C” entstand in seiner Zeit als Konzertmeister am Salzburger Hof – vermutlich 1775/1776. Es gibt allerdings auch eine Überlieferung, nach der sie im Januar 1775 in München komponiert worden sei, wo Mozart damals seine Oper „La finta giardiniera” uraufführte und auch mit einigen aus Salzburg mitgebrachten Werken kirchenmusikalisch in Erscheinung trat.


Möglicherweise wurde sie aber auch am Ostersonntag 1776 im Salzburger Dom uraufgeführt, worauf eine Tagebuchnotiz des Salzburger „Landschaftskanzlers” Joachim Ferdinand von Schiedenhofen hindeutet, in der er schreibt, dass an diesem Tag „das neue Amt vom jungen Mozart” aufgeführt wurde.

 

Wenngleich Einstein sie als „Mozarts schwächstes kirchenmusikalisches Werk” bezeichnet hat, ihrer Beliebtheit tut das gottseidank allerdings bis heute keinen Abbruch.


Quellenangabe:
Marboe, Peter (Hrsg.) (2005): Mozart Sakral. Das Begleitbuch zum gesamten kirchenmusikalischen Werk im Wiener Mozartjahr 2006. Wien: Wiener Mozartjahr. S. 85.
Over, Berthold (2000): Vorwort. In: Mozart, Wolfgang Amadeus: Missa in C. KV 220 (196b). Urtext. Leinfelden-Echterdingen: Carus (= Stuttgarter Mozart-Ausgaben). S. 3-4. (Bestellmöglichkeit)
von Roman, Ulrich (o.A.): Die Messen W.A. Mozarts. URL: http://home.mnet-online.de/kirchenmusikinbenediktbeuern/mozart.html#spatzenmesse [Stand: 01/2016]

 

(sp)

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