Tuesday 22. October 2019

Wolfgang Amadeus Mozart: „Missa brevis in D”

Kontrapunktmesse” wird sie nur in Kirchenmusikerkreisen genannt, interessant ist Mozarts Werk von 1774 allemal – nicht nur für Verleger, die resümieren: "Most musicianlike performance I have yet heard"...

Wie schon die „Missa brevis in F” (KV 192) entstand auch die „Missa brevis in D” (KV 194) anlässlich der Feier der 100. Wiederkehr der Kirchweihe von Maria Plain in Salzburg im Sommer 1774. Eine ganze Festwoche muss es da gleich gegeben haben!

 

 

Kontrapunktisches Gewebe - was ist denn das?

 

Im Gegensatz zu anderen Mozart-Messen ist ihr kein verbreiteter Name zueigen, auch wenn sie in Kirchenmusikerkreisen immer wieder gerne als „Kontrapunktmesse” bezeichnet wird und sehr beliebt ist und oft aufgeführt wird. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass sie als erste aller Mozart-Messen 1793 gedruckt erschienen ist…


Den kontrapunktischen Ansatz teilt sie übrigens mit ihrer F-Dur-Schwester – doch was ist dieses kontrapunktische Gewebe überhaupt? Kontrapunkt bedeutet die selbständige, unabhängige Führung mehrerer Stimmen nebeneinander.

 

Fugenexplosionen, Stimmenverflechtungen und mehr


Eine regelrechte Fugenexplosion gibt’s im zweiten Kyrieruf zu hören, Gloria und Credo sind hingegen überwiegend homophon konzipiert. Lediglich bei „Domine Deus Agnus Dei” und im abschließenden Amen kommt es im Gloria zu Stimmenverflechtungen. Das Credo lässt uns die Auferstehung im „Et resurrexit” kontrapunktisch spüren und bekräftigt diese Auferstehungsfreude im „Amen”. Und besonders spannend ist, dass im „Et vitam” auf die wichtigsten formbestimmenden Elemente zurückgegriffen wird – wie ein Resümee des ganzen Satzes. Eine ähnliche Wiederholung des Anfangsgedankens tauchen auch im Kyrie und im Gloria auf.


Ein strenges Gehabe ist im Sanctus zu spüren: fugierte Einsätze werden vom Orchester umspielt, das damit als organische Ergänzung des Vokalparts fungiert. Beschwingt erklingt schließlich die Hosanna-Fuge.


Während der Beginn des Agnus Dei in der parallelen Molltonart steht und spannungsgeladen-expressiv wirkt, schließt das „Dona nobus pacem” gefällig-heiter die Messe ab.


Einem kleinen Kirchenraum entspricht sowohl Struktur der Messe als auch die Besetzung mit vier Singstimmen (SATB), chorisch und solistisch, zwei Violinen, Bass und Orgel sowie den in Salzburg gängigen „colla-parte-Posaunen”, die die Chorunterstimmen verstärken.

 

Mozart: traditionell-bodenständig und modern-neuerungsfreudig


Mozarts „Kontrapunktmesse” ist wiederum ein gutes Beispiel für Mozarts Bestreben, aus dem traditionellen Boden etwas Modernes voller Neuerungsfreude zu schaffen. Und darum verwundert es keineswegs, wie sich der Londoner Musikverleger Vincent Novello viele Jahre später (1829) nach über diese Messe geäußert hat.

 

Gleich drei Hochämter hat er in Wien besucht – von der 9 Uhr-Messe im Stephansdom ging’s schließlich um 10 Uhr in die Annakirche und von dort aus in die 11 Uhr-Messe der Hofburgkapelle, in der die Messe von Mozartschüler Joseph Eybler aufgeführt wurde. Und in seinem Tagebuch steht dazu zu lesen: „Most musicianlike performance I have yet heard”.

 

Quellenangabe:

Marboe, Peter (Hrsg.) (2005): Mozart Sakral. Das Begleitbuch zum gesamten kirchenmusikalischen Werk im Wiener Mozartjahr 2006. Wien: Wiener Mozartjahr. S. 82.

Reutter, Jochen (1990/2000): Vorwort. In: Mozart, Wolfgang Amadeus: Missa brevis in D. KV 174. Urtext. Leinfelden-Echterdingen: Carus (= Stuttgarter Mozart-Ausgaben). S. 2. (Bestellmöglichkeit)

 

Bild: Maria Plain Panorama.jpg (Link zum Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AMaria_Plain_Panorama.jpg). © böhringer friedrich (Eigenes Werk)/wikimedia.org/CC BY-SA 2.5 (Link zur Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)

 

(sp)

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