HIMMELschön

Über zwei Jahrzehnte ist es her, als ich ihn zuletzt getroffen habe. Ich erinnere mich an einen sympathischen Hobbyfotografen mit seinen herrlichen Naturaufnahmen.
Unerwartet erhielt ich einen Brief von ihm, geschrieben in schöner, leicht zittriger Handschrift. Der mittlerweile weit über achtzigjährige Mann leidet an Parkinson und ist sprachlich und motorisch eingeschränkt. Im Umschlag befanden sich viele herrliche Fotopostkarten: Rosen, Landschaften, Sonnenaufgänge, Schmetterlinge in Blumenkelchen … „Bestimmt aus besseren Zeiten“ – dachte ich mir wehmütig …
Doch nein, in einem Telefonat erfuhr ich, dass all diese Fotos jetzt entstanden sind. Der Mann will, wie er sagt, mit seinem Talent Gott, den Schöpfer allen Seins, preisen und im Verschenken seiner Bilder den Mitmenschen Freude bereiten. Diese Motivation gibt ihm Kraft, seinem Hobby – trotz allem – nachzukommen und dadurch sogar die Feinmotorik seiner Hände zu verbessern.
Auch Franz von Assisi dichtete seinen Sonnengesang nicht in guten Zeiten, sondern „in dunkler Nacht“, als er krank in St. Damiano lag. Er gibt Zeugnis, dass der Mensch im Blick auf ein Du über sich und seine irdischen Beschwerden hinauswachsen kann. Im Lobpreis Gottes und achtsamen Umgang mit seinen Mitmenschen und der gesamten Schöpfung erkennt der Mensch den Sinn seines Lebens. Und wer diesem einmaligen Sinn, den niemand sonst verwirklichen kann, nachspürt, verwirklicht sich selbst, als Mitschöpfer Gottes in dieser Welt. So, wie der begabte Hobbyfotograf.
(Christa Carina Kokol)
Quellenangabe:
Kokol, Christina Carina: Sonnengesang bei Nacht. In: Rodosek, Helmut / Kokol, Christa Carina (2014): Lichtpunkte des Vertrauens … in den Sinn unseres Lebens. Graz: Verlag Salesianische Mitarbeiter Don Boscos (Südbahnstraße 100, 8020 Graz, T: 0676/8772-7765, helmut.rodosek@donbosco.at). In: Pfarrbriefservice.de.
