Sonntag 17. Dezember 2017

Jahresabschlussmesse 2017

25. Juni 2017

Mit zwei Buxtehude-Kantaten beendete das Konservatorium für Kirchenmusik der Diözese Linz am 25. Juni 2017 in der Linzer Kreuzschwesternkirche das Studienjahr 2016/2017.

Unter der Leitung von Andreas Peterl musizierten der Chor des Konservatoriums für Kirchenmusik der Diözese Linz, das Barockensemble Linz sowie Domorganist Wolfgang Kreuzhuber an der Hradetzky-Orgel die Kantaten "Alles, was ihr tut", BuxWV 4, und "Nun lasst uns Gott dem Herren Dank sagen", BuxWV 81, von Dieterich Buxtehude. Zelebriert wurde der Gottesdienst in der sommerlich warmen Linzer Kreuzschwesternkirche von Johannes Marböck.

 

Mit diesem Kantatengottesdienst ganz im Sinne des Reformationsjubiläums beendete das Konservatorium für Kirchenmusik der Diözese Linz das Studienjahr 2016/2017. Die Kantate "Alles, was ihr tut", BuxWV 4, wurde auf drei Teile aufgeteilt (Einzug, nach der Predigt, Gabenbereitung) musiziert. Eine weitere Kantate, nämlich "Nun lasst uns Gott dem Herren Dank sagen", BuxWV 81, wurde zur Kommunion von der frischgebackenen Absolventin Christine Kerschbaummayr (B-Prüfung im künstlerischen Hauptfach Chorleitung) dirigiert. Und zum Auszug improvisierte Domorganist Wolfgang Kreuzhuber noch im Stil Buxtehudes mit virtuosen Pedalsoli.

 

Chor des Konservatoriums für Kirchenmusik der Diözese Linz mit Dirigent Andreas Peterl
Andreas Peterl
Wolfgang Kreuzhuber
Chor des Konservatoriums für Kirchenmusik der Diözese Linz mit Dirigentin Christine Kerschbaummayr

Noch mehr Bilder von der Jahresabschlussmesse gibt's in der Bildergalerie!

 

Dieterich Buxtehude – Leben und Werk

 

Dieterich Buxtehude wurde um 1637 (wahrscheinlich im damals dänischen und heute zu Schweden gehörenden Helsingborg) als Organistensohn geboren. Für 1658 ist er als Organist der Marienkirche Helsingborg belegt, bevor er 1660 zum Organisten der Marienkirche Helsingør ernannt wurde. 1668 wurde Buxtehude Organist und Werkmeister der Marienkirche Lübeck und erhielt noch im selben Jahr das Lübecker Bürgerrecht, bevor er schließlich Anna Margaretha Tunder, die Tochter von Franz Tunder (1614-1667), heiratete. Nicht alle gemeinsamen Kindern (Helena, Helena Elisabeth, Anna Sophia I, Anna Margreta, Anna Sophia II, Maria Engel, Dorothea Catrin) überlebten das Kindesalter.

 

Für zahlreiche Hochzeiten komponiert Buxtehude Kantaten (Christoph Siricius und Dorothea von Degingk, BuxWV 115; Heinrich Kirchrink und Agneta Kirchring, BuxWV 116; Achilles Leopold und Anna Margaretha Ritter, BuxWV 118; König Karl XI. von Schweden und Prinzessin Ulrika Eleonore von Dänemark, BuxWV 119; Antonius Winckler und Elisabeth Niemann, BuxWV 120; Benedict Winkler und Margaretha von Höveln, BuxWV 121; Joachim von Dalen und Catharine von Hachenburg, BuxWV 122; Johann Adam Reincken und Anna Wagner, BuxWV 19?). Daneben arbeitete er viele Werke für oratorienartige Abendmusiken (virtuose Orgelkonzerte im Advent), mit denen die geistlichen und öffentlichen Konzerte in Deutschland ihren Anfang nahmen und die weltweite Bekanntheit erlangten, aus. Zu seinen Schülern zählten u.a. Nicolaus Bruhns (1681), Georg Dietrich Leiding (1684) und Friedrich Gottlieb Klingenberg (um 1689). Auch Johann Sebastian Bach besuchte den von ihm sehr vereehrten Buxtehude 1705 in Lübeck – nachdem er mehr als vierhundert Kilometer vom thüringischen Arnstadt in die Hansestadt zu Fuß zurückgelegt hatte. Denn schon zu Lebzeiten galt Buxtehude als "einer der gewaltigsten Orgelmeister und protestantischen Kirchenkomponisten seiner Zeit", so der Musikwissenschaftler Kurt Pahlen. 

 

Am 9. Mai 1707 starb Buxtehude und wurde eine Woche später in der Nähe der "Totentanzorgel" in der Marienkirche Lübeck bestattet. Von Buxtehude existiert kein eindeutig identifizierendes Portrait, man nimmt aber an, dass Dieterich Buxtehude in Johannes Voorhouts (1647-1723) Gemälde "Musizierende Gesellschaft" (1674) als Gambist, der die Töne D und B (also Dieterich Buxtehudes Initialen) greift, verewigt ist.

 

Johannes Vorhout (1647-1723): Musizierende Gesellschaft (1674). (Link zum Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Musical_Company_by_Johannes_Voorhout_(1674).jpg?uselang=de)

 

Die fröhlich-beschwingte Kantate "Alles, was ihr tut", BuxWV 4, ist komponiert für Einzelstimmen oder Chor (Sopran, Alt, Tenor, Bass) sowie Violine 1 und 2, Viola 1 und 2, Violon und Basso continuo. Über die Datierung der Buxtehude-Kantate sind sich die Musikwissenschaftler nicht ganz einig, angenommen wird eine Entstehungszeit um 1668, also zu Beginn seiner Lübecker Zeit. Beim Werk handelt es sich um eine gemischte Kantate mit den Elementen Sonata, Concerto, Aria, Arioso und Choral. Das Werk beginnt mit einer langsamen Einleitung, auf die der rhythmisch-bewegte erste Choreinsatz ("Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen Jesu, und danket Gott und dem Vater durch ihn") folgt. Abwechselnd fordert dieser in Homophonie und Polyphonie zum Lob Gottes auf. Einer kurzen Zwischenmusik folgt die strophisch für vier Stimmen im Stil der Concertato-Choralharmonisierungen komponierte spielerisch leichte Aria ("Dir, o Höchster, Dir alleine alles, Allerhöchster Dir, Sinne, Kräfte und Begier ich nur aufzuopfern meine. Alles sei nach aller Pflicht nur zu Deinem Preis gericht. Helft mir spielen, jauchzen, singen, hebt die Herzen himmelan, jubele, was jubeln kann, laßt all' Instrument erklingen. Alles sei nach aller Pflicht nur zu Deinem Preis gericht. Vater, hilf um Jesu willen, laß das Loben löblich sein und zum Himmel dringen ein, unser Wünschen zu erfüllen, daß Dein Herz nach Vaterspflicht sei zu unserm Heil gericht"). Anschließend erklingt ein Arioso für Bass und eines für Solo- oder Chor-Sopran ("Habe Deine Lust am Herrn, der wird Dir geben, was Dein Herz wünscht. Gott will ich lassen raten, der alle Ding vermag. Er segne meine Taten, mein Fürnehmen und Sach; denn ich ihm heimgestellt mein Leib, mein Seel, mein Leben und was er mir sonst geben; er mach's, wie's ihm gefällt."), in das alle Stimmen einstimmen ("Darauf so sprech ich Amen und zweifle nicht daran, Gott wird uns allzusammen ihm wohlgefallen lan; drauf streck ich aus mein Hand, greif an das Werk mit Freuden, dazu mich Gott bescheiden in meinen Beruf und Stand."), bevor erneut Zwischenmusik ertönt, bevor die Kantate mit dem bereits bekannten jubelnden Concerto "Alles, was ihr tut" endet. 

 

Der Text greift auf Bibelstellen (die titelgebende Stelle aus dem Brief von Paulus an die Kolosser 3,17 sowie aus Psalm 37,4 "Habe Deine Lust am Herrn"), Kirchenlieder (Strophe 6 und 7 des Kirchenliedes "Aus meines Herzens Grunde" von Georg Niege (1525-1589)) sowie Texte eines unbekannten Dichters aus dem 17. Jahrhundert zurück. Eine Zusammenstellung wie diese aus verschiedenen Textpassagen ist typisch für die Choralkantate des 17. Jahrhunderts. Die Kantate "Alles, was ihr tut" dürfte im Übrigen Buxtehudes populärstes Vokalwerk gewesen sein, weil es als einziges in allen drei wichtigen Sammlungen mit der Vokalmusik des Komponisten vertreten ist.

 

1. Sonata
instrumental
2. Concerto (Kol 3, 17)
Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken,
das tut alles im Namen Jesu,
und danket Gott und dem Vater durch ihn.
3. Sonata
instrumental
4. Aria

Dir, Dir Höchster, Dir alleine,
alles, Allerhöchster, Dir,
Sinnen, Kräfte und Begier
ich nur aufzuopfern meine.
Alles sei nach aller Pflicht
nur zu Deinem Preis gericht.


Helft mir spielen, jauchzen, singen,
hebt die Herzen himmelan,
jubele, was jubeln kann,
lasst all’ Instrumente klingen.
Alles sei nach aller Pflicht
nur zu Deinem Preis gericht.


Vater, hilf um Jesu willen,
lass das Loben löblich sein
und zum Himmel dringen ein,
unser Wünschen zu erfüllen,
dass Dein Herz nach Vaterspflicht
sei zu unserm Heil gericht.

5. Arioso (Ps 37, 4)
Habe Deine Lust am Herrn,
der wird Dir geben,
was Dein Herz wünscht.
6. Choral (Georg Niege)

Gott will ich lassen raten,
denn er all Ding vermag;
er segne meine Taten,
mein Vornehmen und Sach.


Ihm hab ich heimgestellt
mein Leib, mein Seel, mein Leben
und was er sonst gegeben;
er mach’s, wie’s ihm gefällt.

7. Sonata
instrumental
8. Concerto (Kol 3, 17)
Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken,
das tut alles im Namen Jesu,
und danket Gott und dem Vater durch ihn.

 

Zur Kantate "Nun lasst uns Gott dem Herren Dank sagen", BuxWV 81 existieren weniger gesicherte Informationen. Die Kantate besteht aus acht Strophen aus der Feder der lutherischen Kirchenlieddichters Ludwig Helmbold (1532-1598).

 

1. Strophe

Nun lasst uns Gott dem Herren

Dank sagen und ihn ehren

für alle seine Gaben,

die wir empfangen haben.

2. Strophe
Den Leib, die Seel, das Leben,
hat er allein uns geben;
dieselben zu bewahren,
tut er kein Fleiß nicht sparen.
3. Strophe
Nahrung gibt er dem Leibe,
die Seel muss uns doch bleiben,
wiewohl tödliche Wunden
sind kommen von der Sünden.
4. Strophe

Ein Arzt ist uns gegeben,
der selber ist das Leben;
Christus, für uns gestorben,
der hat das Heil erworben.

5. Strophe
Sein Wort, sein Tauf, sein Nachtmahl
dient wider alles Unheil;
der Heilig Geist im Glauben
lehrt uns darauf vertrauen.
6. Strophe

Durch ihn ist uns vergeben
die Sünd geschenkt das Leben.
Im Himmel solln wir haben,
o Gott, wie große Gaben

7. Strophe
Wir bitten Deine Güte,
wollst uns hinfort behüten,
uns Große mit den Kleinen,
Du kannst's nicht böse meinen.
8. Strophe
Erhalt uns in der Wahrheit,
gib ewigliche Freiheit,
zu preisen Deinen Namen
durch Jesum Christum. Amen.

 

Quellenangabe:

Snyder, Kerala J. (2007): Dieterich Buxtehude. Leben | Werk | Aufführungspraxis. 3. überarbeitete Auflage. Kassel/Basel/London/New York/Prag: Bärenreiter. S. 21f.

Snyder, Kerala J. (2007): Dieterich Buxtehude. Leben | Werk | Aufführungspraxis. 3. überarbeitete Auflage. Kassel/Basel/London/New York/Prag: Bärenreiter. S. 138ff.

Snyder, Kerala J. (2007): Dieterich Buxtehude. Leben | Werk | Aufführungspraxis. 3. überarbeitete Auflage. Kassel/Basel/London/New York/Prag: Bärenreiter. S. 234ff.

 

Bild: 

Johannes Vorhout (1647-1723): Musizierende Gesellschaft (1674). (Link zum Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Musical_Company_by_Johannes_Voorhout_(1674).jpg?uselang=de). © Johannes Voorhout/Wikimedia Commons/PD-Art.

 

(sp)

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