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Fr. 10.04.20

O Haupt voll Blut und Wunden

NACHHÖREN am Karfreitag

Passion. Ein Wort, in dem beides mitschwingt – das Leid und die Leidenschaft. In besonderer Weise erklingt die Verbindung von Leid und Leidenschaft auch in dem Passionslied „O Haupt voll Blut und Wunden“.

 

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„So wird die Passion zur compassion. Aus Leiden wird Mitleiden. Solidarität.“

(Klaus Nagorni, SWR 2 Lied zum Sonntag, 13. April 2014)

 

„O Haupt voll Blut und Wunden“. DAS Lied des Karfreitags. Ein Kirchenlied, bei dem gleich zwei Dichter im Spiel sind – ein katholischer Abt und ein protestantischer Pfarrer der Barockzeit. Denn der protestantische Pfarrer und Kirchenlieddichter Paul Gerhard (1607–1667) übersetzte den lateinischen Hymnus „Salve caput cruentatum“ 1656 ins Deutsche – als Textdichter des lateinischen Hymnus galt damals Bernhard von Clairvaux (um 1090–1153), heute wird der Text Arnulf von Löwen (um 1195–1250), dem Abt eines Zisterzienserklosters in Brabant, zugeschrieben.


Die Melodie des Liedes stammt aus der Feder von Hans Leo Hassler (1564–1612) - zunächst war diese nicht mit dem Kirchenlied verbunden, sondern mit dem weltlichen Liebeslied „Mein G’müt ist mir verwirret“, das erstmals 1601 in Hasslers „Lustgarten neuer teutscher Gesäng“ erschien. Die Melodie des Passionsliedes im phrygischen Modus stellt eine rhythmisch vereinfachte Fassung des Liebesliedes dar. Aus einem Liebeslied wurde ein Passionslied – angesichts der Liebe, die stärker ist als der Tod, die am Karfreitag in den Blick genommen wird, erscheint dies äußerst stimmig. Auch Pfarrer Klaus Nagornis Liedbetrachtung im Rahmen der Reihe „SWR 2 Lied zum Sonntag“ betont einen ähnlichen Aspekt: „In der ersten Strophe sehen wir Jesus am Kreuz. An seinem Gesicht ist sein Leiden abzulesen. Ein Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn. Wir aber sind Zeugen und Beobachter dieses Vorgangs. Dann aber – wenige Strophen später – voll zieht ein Rollenwechsel. Wir bleiben nicht länger Zuschauer. Sondern rücken selbst ins Bild. ‚Ich will hier bei dir stehen‘, singt der Chor. Und drückt damit aus: Wir wollen nicht nur Zuschauer dieses Geschehens sein. Sondern stellen uns auf die Seite des Leidenden. Gerade auch in der äußersten Zuspitzung des Leidens. Im Tod. So wird die Passion zur Compassion, zur compassion. Aus Leiden wird Mitleiden. Solidarität.“


Bereits im Jahr 1613 war die Melodie im Liederbuch „Harmoniae sacrae“ für Christoph Knolls (1563–1621) Text „Herzlich tut mich verlangen nach einem sel’gen End“ verwendet worden. Und mit diesem Text war das Lied zu Gerhardts Zeiten auch in lutherischen Pfarrgemeinden bekannt. 


Johann Sebastian Bach (1685–1750) verwendete schließlich einzelne Strophen des Liedes und verband sie mit dem Text von Paul Gerhardt in der Matthäuspassion, BWV 244. Daneben sind Melodie und Text des Chorals in verschiedenen anderen Werken Bachs zu finden, zum Beispiel die sechste Strophe des Chorals in der Kantate „Sehet! Wir geh’n hinauf gen Jerusalem“, BWV 159, oder die Melodie des Chorals im Weihnachtsoratorium, BWV 248, auf den Text „Wie soll ich dich empfangen“, ebenfalls aus der Feder von Paul Gerhardt. Zahlreiche andere Komponisten ließen sich auch von dem Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ inspirieren – darunter unter anderem Johann Nepomuk David, Josef Friedrich Doppelbauer, Franz Liszt, Felix Mendelssohn Bartholdy, Johann Pachelbel, Max Reger, Joseph Gabriel Rheinberger oder Georg Philipp Telemann. Insbesondere Orgelbearbeitungen sind bei der Rezeption häufig vertreten. Das Lied, das den Blick auf eindrückliche Weise auf das von Folter und Leiden gezeichnete Gesicht Jesu richtet, fand Einzug in das Evangelische Gesangbuch (EG 85) sowie in das katholische Gotteslob (GL 289). Der Choral wurde in den 1960er-Jahren übrigens sogar in den USA rezipiert – durch die Folkgruppe Peter, Paul & Mary, gemeinsam mit dem Dave Brubeck-Trio, die das Lied mit einem neuen Text („Because all men are brothers“) versahen, in dem es heißt: „Weil alle Menschen Brüder sind, wo immer sie auch sein mögen. [...] Die Ängste meines Bruder sind auch meine Ängste [...]. Die Tränen meines Bruders sind auch meine Tränen auf der ganzen weiten Welt.“ Ein alter Choral – neu gemacht. Aus Leidenschaft für Menschlichkeit und Solidarität. 

 

Text des Liedes

1. O Haupt voll Blut und Wunden,
voll Schmerz und voller Hohn,
o Haupt, zum Spott gebunden
mit einer Dornenkron,
o Haupt, sonst schön gezieret
mit höchster Ehr und Zier,
jetzt aber hoch schimpfieret:
gegrüßet seist du mir!

 

2. Du edles Angesichte,
davor sonst schrickt und scheut
das große Weltgewichte:
wie bist du so bespeit,
wie bist du so erbleichet!
Wer hat dein Augenlicht,
dem sonst kein Licht nicht gleichet,
so schändlich zugericht’?

 

3. Die Farbe deiner Wangen,
der roten Lippen Pracht
ist hin und ganz vergangen;
des blassen Todes Macht
hat alles hingenommen,
hat alles hingerafft,
und daher bist du kommen
von deines Leibes Kraft.

 

4. Nun, was du, Herr, erduldet,
ist alles meine Last;
ich hab es selbst verschuldet,
was du getragen hast.
Schau her, hier steh ich Armer,
der Zorn verdienet hat.
Gib mir, o mein Erbarmer,
den Anblick deiner Gnad.

 

5. Erkenne mich, mein Hüter,
mein Hirte, nimm mich an.
Von dir, Quell aller Güter,
ist mir viel Guts getan;
dein Mund hat mich gelabet
mit Milch und süßer Kost,
dein Geist hat mich begabet
mit mancher Himmelslust.

 

6. Ich will hier bei dir stehen,
verachte mich doch nicht;
von dir will ich nicht gehen,
wenn dir dein Herze bricht;
wenn dein Haupt wird erblassen
im letzten Todesstoß,
alsdann will ich dich fassen
in meinen Arm und Schoß.

 

7. Es dient zu meinen Freuden
und tut mir herzlich wohl,
wenn ich in deinem Leiden,
mein Heil, mich finden soll.
Ach möcht ich, o mein Leben,
an deinem Kreuze hier
mein Leben von mir geben,
wie wohl geschähe mir!

 

8. Ich danke dir von Herzen,
o Jesu, liebster Freund,
für deines Todes Schmerzen,
da du’s so gut gemeint.
Ach gib, dass ich mich halte
zu dir und deiner Treu
und, wenn ich nun erkalte,
in dir mein Ende sei.

 

9. Wenn ich einmal soll scheiden,
so scheide nicht von mir,
wenn ich den Tod soll leiden,
so tritt du dann herfür;
wenn mir am allerbängsten
wird um das Herze sein,
so reiß mich aus den Ängsten
kraft deiner Angst und Pein.

 

10. Erscheine mir zum Schilde,
zum Trost in meinem Tod,
und lass mich sehn dein Bilde
in deiner Kreuzesnot.
Da will ich nach dir blicken,
da will ich glaubensvoll
dich fest an mein Herz drücken.
Wer so stirbt, der stirbt wohl.

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