Glück SUCHEn
Markus Samek. Der 1982 geborene Wiener würde gerne mal faulenzen, wenn ihn nur wer ließe. Wobei: Daran hindern ihn eigentlich schon seine unerschöpfliche Kreativität und seine zahlreichen Ideen, die er in sein Musikprojekt „OKMA & RELUPS“ einbringt. Gemeinsam mit seinem Kumpel RELUPS alias Robert Duda ist er als Rapper OKMA unterwegs – Samek zeichnet dabei für die Texte, die stets am Puls der Zeit sind, und den Sprechgesang verantwortlich, Duda liefert die musikalischen Beats.
„Mach deine Kunst und sei einzigartig, sei der besondere Mensch, der du bist und zeig es durch deine Kunst!“ – dieser Satz zeigt am besten, was Markus Samek vermitteln möchte. Denn er weiß: „Jeder Mensch ist besonders auf seine Art – ob als behinderter oder nicht-behinderter Mensch.“ Und diese Botschaft trägt der kreative Kopf mit Trisomie 21 mit seiner Musik hinaus in die Welt. Denn die Musik half ihm selbst, Stärke zu entwickeln, die er nun anderen weitergeben möchte. Für ihn ist es pures Glück, andere mit seiner Musik glücklich zu machen und auf diese Weise zu verdeutlichen, wie wichtig Inklusion ist. Denn Inklusion bedeutet für ihn, Menschen zu integrieren und nicht auszuschließen. Und dabei spielen die Künste eine ganz besondere Rolle, wie er in seinem Text über die Kunst verrät…
Hey, Leute, was ist für euch Kunst?
Ich habe gehört, dass ihr nicht wisst, was Kunst eigentlich ist! Wir wissen nicht, was Kunst für jeden von uns eigentlich bedeutet. Eigentlich machen wir ja tagtäglich Kunst – jeder macht etwas Kreatives mit seinen Fähigkeiten. Und Fähigkeiten haben wir alle zur Genüge. Man muss sie nur finden, und die Möglichkeiten kriegen und die Zeit haben, unsere Kunst auch auszuüben. Mach deine Kunst und sei einzigartig, sei der besondere Mensch, der du bist und zeig es durch deine Kunst!
Jeder Mensch hat ein eigenes Bild von der Kunst und versucht das Beste daraus zu machen. Wenn man an seine Träume und Hoffnung[en] glaubt und vom Erfolg überzeugt ist, lohnt es sich, zu kämpfen, um alles zu schaffen. Am Anfang der Kunst würde niemand damit rechnen, dass man mit Musik oder diversen anderen Kunstarten erfolgreich sein kann, weil Menschen mit Down Syndrom nicht so viel zugetraut wird.
Ich habe Freunde mit Down Syndrom. Wir tanzen bei O.K., und zwar in großen Theatern. Manche performen mit echten Profis auf den Bühnen der Welt. Ich habe Freunde mit Down Syndrom, die Texte und Gedichte schreiben und Lieder komponieren, wir machen Musik, dass es nur so kracht. Ich kenne Frauen und Männer mit Down Syndrom, die Texte schreiben, beim Ohrenschmaus-Wettbewerb Preise gewinnen und sogar Bücher schreiben, die gedruckt und veröffentlicht werden. Ich bin Rapper, DJ und Tänzer, bei meinen Rap-Texten spiegle ich die Gesellschaft wider, ich spreche über Probleme von Menschen mit Behinderung, die nicht ernst genommen werden – zum Beispiel das große Tabuthema Liebe und Sexualität.
Ich habe Freunde in der Arbeit, die malen. Ihre Arbeiten kann man auf diversen Vernissagen bewundern. Mach deine Kunst und sei einzigartig, sei der besondere Mensch, der du bist und zeig es durch deine Kunst! Unsere Familien sind sehr stolz darauf, was wir alles schaffen können, weil sie uns sehr gefördert haben in unseren Leben. Am Anfang ist es schwer das Richtige zu finden, was einem Freude und Spaß macht. Die Kunst braucht ihre Zeit. Die Farben, die wir tragen, können wir oft nicht ertragen, so wie das Leben unsern Alltag durchfärbt – fröhlich, bunt, lustig – aber auch fad, langweilig, traurig, grau. Aber mit unserer Kunst können wir oft aus dem Alltag entfliehen.
(Markus Samek)
Zur Person:
Markus Peter Samek wurde 1982 mit Trisomie 21 in Wien geboren. Bereits seit seinem sechsten Lebensjahr gehört seine Leidenschaft der Musik – zuhause ist er dabei in zahlreichen Stilrichtungen. Mit der Integrativ-Rockband „Echt Stoak“ begann 2005 der Weg in die Musikszene. Im Rahmen dieser Band lernte er den aus dem niederbayrischen Landshut stammenden Musiktherapeuten Robert Duda kennen, mit dem er ein Jahr später aus der Band ausstieg und „OKMA & RELUPS“ gründete. Seither machen die beiden leidenschaftlichen Musiker gemeinsam Musik, die ihnen Spaß macht. Wer sich übrigens fragt, was es mit dem Bandnamen auf sich hat: OKMA steht für „OK MArkus“, denn: Markus Samek ist einfach schwer in Ordnung. Und für RELUPS muss man ein wenig querdenken, denn rückwärts gelesen ergibt sich das Wort „Spuler“ und mit etwas Nachhilfe in Niederbayrisch erfährt man, dass man einen Spuler hat, wenn man sehr in eine Sache vertieft ist oder sich in einem kreativen Zustand befindet. Los ging’s bei „OKMA & RELUPS“ mit dem Lied „Aus meinem Leben“, in dem Samek den Blick auf sein eigenes Leben und die Hürden im Alltag richtete. Es folgten zahlreiche Interviews und Gigs in TV und Radio und Berichte in den Printmedien. Seit 2009 kann man „OKMA & RELUPS“ regelmäßig live bei Auftritten im deutschsprachigen Raum erleben. In diesen Jahren sind auch mehrere CD-Produktionen (u.a. „musikreise“, „Die OKMAttacke“ oder „MultiKulti“) entstanden. Die Texte stammen stets aus der Feder von Markus Samek – denn dass ihm das Schreiben liegt und er Spaß am Querdenken hat, hat er bereits im Rahmen seiner journalistischen Tätigkeit für die Zeitschrift „Querdenker“ der Lebenshilfe Wien (2007-2009) bewiesen. Mehrere Jahre war er auch im Kulturverein „Ich bin OK“ (mit Ausdrucks- und HipHop-Tanz) aktiv. Und wenn Markus Peter Samek gerade nicht mit Robert Duda auf Tour ist, betätigt er sich in der Haushaltsgruppe der Lebenshilfe Wien, schauspielert und modelt oder legt als DJ in der „Disco integrativ“ in Wien Platten auf (seit 2007). Daneben engagiert sich der junge Wiener auch im Solo-Projekt „Amok“ und „DJ Amok“ (seit 2014) und als Aktivist bei Pro21 Kampfassistenz (seit 2015).
