Samstag 22. September 2018

Allerseelen

Zeit des Erinnerns gegen die Zeit des Vergessens

Im Mittelpunkt des Festes Allerseelen steht die Erinnerung an die Verstorbenen. Der Tod, der schon immer die Menschen fasziniert hat, wird dabei in den Fokus gerückt - auch der eigene. 

Darum nutzen auch viele Menschen diesen Feiertag, um das Grab ihrer verstorbenen Angehörigen und Freunde zu besuchen.

 

Der Volksglaube kennt am Allerseelentag einiges an Brauchtum, das dicht an der Grenze zum Aberglauben steht: so gab es die Vorstellung von als Geister umhergehenden Toten, die die Menschen an ihre Schuld erinnerten. Eng verbunden damit ist die urmenschliche Angst vor dem Sterben, dem Tod. Dieser Angst wirkt der christliche Glaube an Gottes unendliche Liebe und die Hoffnung auf ein ewiges Leben entgegen, durch Christus, mit dem wir seit der Taufe verbunden sind.

 

Auch wenn im Fokus des Allerseelentages die Erinnerung an die Verstorbenen steht, ist es doch auch eine Zeit, des eigenen Todes zu gedenken - im Gottesdienst thematisiert wird dies im "Memento mori". Allerdings ist dieses Gedenken dann nicht von Furcht, sondern von Auferstehungshoffnung erfüllt. Und selbst wenn kirchenmusikalisch in den am Allerseelentag aufgeführten Requien noch immer vom "dies irae", dem Tag des Zornes, gesungen wird, ist doch im Messritus selbst jener Passus inzwischen verschwunden.

 

Theologischer Hintergrund

 

Auch wenn vorher bereits ähnliche Gedenktage bis ins siebte Jahrhundert belegt werden können, wurde das Fest Allerseelen erst im Jahr 998 von Abt Odilo von Cluny in allen ihm unterstellten Klöstern am 2. November angeordnet und damit einen Platz im Kirchenjahr zugewiesen. Auch wenn das Fest kein Hochfest ist, hat es doch den Rang eines solchen und verdrängt darum auch die Feier des Sonntags. Im Laufe der Zeit entwickelte sich auch, dass die Priester an diesem Tag drei Messen feiern durften wie zu Weihnachten.

 

Der Gräbergang am Nachmittag des Allerheiligentages, der seit dem 16. Jahrhundert bezeugt ist und wahrscheinlich noch viel ältere Wurzeln hat, läutet das Allerseelenfest ein: mit Grabschmuck und sogenannten Seelenlichtern, die das "Ewige Licht" versinnbildlichen.

 

(K)ein ewiges Licht. © Ray Catcher (Ex-Donkys Freund)/flickr.com

 

Zentrum des Allerseelenfestes ist das Requiem, der Gottesdienst zum Gedächtnis der Toten. Die Gemeinde bittet im Gebet einerseits um die Vollendung des Verstorbenen bei Gott, eine Befreiung aus dem Zustand der Reinigung, dem sogenannten Fegefeuer. Als bereits Vollendete können die Toten andererseits jedoch auch angerufen werden, um Fürsprache für die Gemeinde zu erbitten und den Weg zu Gott zu erleichtern.

 

Quellennachweis:
Einspieler, Klaus: Die Hochfeste der Heiligen. URL: http://www.kath-kirche-kaernten.at/themen/detail/C671/die_hochfeste_der_heiligen [Stand: 10/2014]

 

Jeller, Stefanie / Erzdiözese Wien: Allerseelen - Kein Trauertag. URL: http://www.erzdioezese-wien.at/site/glaubenfeiern/imkirchenjahr/allefeste/allerheiligenundallerseel [Stand: 10/2014]

 

(sp)

Zum Nachdenken
Lichtquelle. © Roland Lengauer

 

Das Kirchenjahr mit seiner immer erneuten Vergegenwärtigung und Darstellung des Lebens Christi ist das größte Kunstwerk der Menschen; und Gott hat sich dazu bekannt und gewährt es Jahr für Jahr, schenkt es in immer neuem Licht, als begegnete es einem zum ersten Mal.

(Jochen Klepper)

aus dem Behelfsdienst
Farben und Symbole
Chrisam bei der Ölweihe.

Chrisam

Chrisam, auch Chrisma (= griechisch für Salböl), ist mit duftendem Balsam versetztes Olivenöl, ein Öl der Danksagung, das einmal im Jahr, in der Karwoche, vom Bischof geweiht wird – in der sogenannten Ölweihmesse.

Kelch

Kelch

Gefäß zur Wandlung von Wein

Weiße Blüte mit hellem Hintergrund.

Weiß

Farbe des Lichtes und der Freude

An Hochfesten wie Weihnachten und Ostern, an Herrenfesten wie Fronleichnam und Christkönig sowie zu Marienfesten anderen Nicht-Märtyrerfesten wird die Farbe Weiß getragen - gegebenenfalls kann sie allerdings auch durch die besonders festlichen Farbvarianten Gold oder Silber ersetzt werden.

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