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Mi. 14.10.26

Gotikstraße in Tschechien

Diözesankunstverein Linz und Kunstpastoral der Diözese Linz gemeinsam auf Entdeckungsreise

Nach der ersten gemeinsamen Kunstreise entlang der Gotikstraße anlässlich des Kunstsonntags 2026 waren der Diözesankunstverein Linz und die Kunstpastoral der Diözese Linz am 10. Oktober 2026  erneut unterwegs, um die kunsthistorischen, spirituellen und kulturellen Schätze der Gotik in Südböhmen zu entdecken. Wie schon bei der ersten Fahrt begleitete uns der Künstlerseelsorger und Kunstpastoral-Verantwortliche Hubert Nitsch, der mit großem Fachwissen, spürbarer Begeisterung und spirituellen Impulsen durch diesen eindrucksvollen Tag führte.

Die Gotikstraße verbindet 20 bedeutende Stationen gotischer Sakral- und Baukunst in Südböhmen mit 30 Kirchen im oberösterreichischen Mühlviertel. Im Rahmen eines grenzüberschreitenden Interreg-Projekts wird dieses gemeinsame Kulturerbe derzeit kunsthistorisch neu erschlossen. Gemeinsam mit den Tourismusverbänden Südböhmen und Mühlviertel, den Diözesen Budweis und Linz, der OÖ Landes-Kultur GmbH sowie dem Bundesdenkmalamt wird die reiche Geschichte dieser Region erforscht und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Von der Sonne des Lebens zu den Schätzen des Glaubens

Eingestimmt durch Worte aus dem Sonnenhymnus des Echnaton – „Schön erscheinst du im Horizont des Himmels, du lebendige Sonne, die das Leben bestimmt“ – machten wir uns auf den Weg zu besonderen Zeugnissen einer Zeit, in der Kunst, Glaube und Alltag eng miteinander verbunden waren. Die einleitenden Worte lenkten den Blick auf die Schöpfung und das Licht als zentrale Motive religiöser Kunst und eröffneten zugleich einen spirituellen Zugang zu den besuchten Orten.
 

Ein erster Höhepunkt war das ehemalige Zisterzienserstift Vyšší Brod (Hohenfurth). Die beeindruckende Klosteranlage und ihre bedeutenden Kunstschätze zeugen von der langen geistlichen und kulturellen Tradition des Zisterzienserordens. Besonders faszinierte die umfangreiche, gut erhaltene Klosterbibliothek mit rund 72.000 Büchern, die als drittgrößte Bibliothek Tschechiens gilt. Neben wertvollen Handschriften und historischen Bibelausgaben finden sich hier Bücher in zahlreichen Sprachen, darunter auch in Isländisch. Die Bibliothek macht eindrucksvoll sichtbar, wie Klöster über Jahrhunderte hinweg nicht nur Orte des Gebets, sondern auch Zentren der Bildung, der Wissenschaft und der Bewahrung kulturellen Erbes waren. Zusätzlich zur Kunstgeschichte wurde auch im Gespräch mit Prior P. Justin, der 1987 geheim in dieses Kloster eintrat, die Situation des Klosters und der Kirche in Tschechien thematisiert.
 

Mittelalterliche Geschichte an der Moldau

Weiter führte die Reise in die malerische Burg- und Marktgemeinde Rožmberk (Rosenberg) an der Moldau. Die historische Landschaft und die von der Vergangenheit geprägte Architektur ließen die wechselvolle Geschichte Südböhmens lebendig werden. Gerade im tschechischen Grenzgebiet zu Österreich wurde deutlich, wie wechselvoll die Geschichte der katholischen Kirche war und wie schwer es die Gläubigen insbesondere während der kommunistischen Herrschaft hatten, ihren Glauben zu leben. Viele Kirchen blieben über lange Zeit ohne Seelsorger. Dass sie dennoch bis heute erhalten geblieben sind, ist nicht zuletzt dem Einsatz einiger engagierter ehrenamtlicher Kirchenpfleger wie Franz Krabatsch zu verdanken, die sich trotz schwieriger Umstände um die Gotteshäuser kümmerten und sie vor dem Verfall bewahrten.

Nach einem Zwischenhalt in Dolní Dvořiště (Unterhaid) führte die Reise zurück in Richtung österreichisch-tschechischer Grenze. In Leopoldschlag überquerten wir diese zu Fuß und setzten unseren Weg nach Cetviny (Zettwing) fort. Das einst bedeutende Dorf, dessen Geschichte eng mit der Grenzregion verbunden ist, beeindruckt durch seine eindrucksvolle gotische Wallfahrtskirche. Sie erinnert an die religiöse Bedeutung des Ortes und ist zugleich ein eindrucksvolles Zeugnis der Bau- und Glaubensgeschichte dieser Region. Das wurde in den Ausführungen von Hubert Roiss deutlich. Er widmet sich nicht nur dem Erhalt des Kulturguts, sondern auch der Versöhnungsarbeit zwischen Österreicher und Tschechien und trägt damit bei, dass eine christliche Kirche nicht nur ein liturgischer und spiritueller Raum ist, sondern ebenso zu einem Ort biografischer Arbeit und politischen Bewusstseins wird.
 

Gotische Kunst als verbindendes Erbe

In Cetviny fand der Tag bei einer gemeinsamen Agape einen stimmungsvollen Ausklang. Die Begegnung und das gemeinsame Innehalten boten Gelegenheit, die vielfältigen Eindrücke noch einmal nachklingen zu lassen. Anschließend ging es über die Maltschbrücke zurück nach Leopoldschlag und von dort nach Linz.

Die zweite Kunstreise auf der Gotikstraße zeigte einmal mehr, dass historische Kirchen, Klöster und Kunstwerke weit mehr sind als steinerne Zeugen vergangener Zeiten. Gerade im grenzüberschreitenden Miteinander wird deutlich, dass dieses Erbe verbindet und neue Perspektiven auf die gemeinsame Geschichte eröffnet.
 

Die vier gotischen Kirchen hinterließen vielfältige bleibende Eindrücke. Die Übersetzung ihrer Ikonographie in unsere Gegenwart gelang Hubert Nitsch auf sehr inspirierende Weise. Die Kunstreise machte spürbar, wie lebendig das Zusammenspiel von Kunst, Spiritualität und Geschichte sein kann – und wie wertvoll es ist, sich gemeinsam auf den Weg zu machen, um diese Schätze neu zu entdecken.
 

Dr.in Maria Reitter-Kollmann, Obfrau Diözesankunstverein Linz

    Gotikstraße in Tschechien: Diözesankunstverein Linz und Kunstpastoral der Diözese Linz gemeinsam auf Entdeckungsreise
    Gotikstraße in Tschechien: Diözesankunstverein Linz und Kunstpastoral der Diözese Linz gemeinsam auf Entdeckungsreise
    Gotikstraße in Tschechien: Diözesankunstverein Linz und Kunstpastoral der Diözese Linz gemeinsam auf Entdeckungsreise
    Gotikstraße in Tschechien: Diözesankunstverein Linz und Kunstpastoral der Diözese Linz gemeinsam auf Entdeckungsreise
    Gotikstraße in Tschechien: Diözesankunstverein Linz und Kunstpastoral der Diözese Linz gemeinsam auf Entdeckungsreise
    Gotikstraße in Tschechien: Diözesankunstverein Linz und Kunstpastoral der Diözese Linz gemeinsam auf Entdeckungsreise
    Gotikstraße in Tschechien: Diözesankunstverein Linz und Kunstpastoral der Diözese Linz gemeinsam auf Entdeckungsreise
    Gotikstraße in Tschechien: Diözesankunstverein Linz und Kunstpastoral der Diözese Linz gemeinsam auf Entdeckungsreise
    Gotikstraße in Tschechien: Diözesankunstverein Linz und Kunstpastoral der Diözese Linz gemeinsam auf Entdeckungsreise
    Gotikstraße in Tschechien: Diözesankunstverein Linz und Kunstpastoral der Diözese Linz gemeinsam auf Entdeckungsreise
    Gotikstraße in Tschechien: Diözesankunstverein Linz und Kunstpastoral der Diözese Linz gemeinsam auf Entdeckungsreise
    Gotikstraße in Tschechien: Diözesankunstverein Linz und Kunstpastoral der Diözese Linz gemeinsam auf Entdeckungsreise
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