50 Jahre Bildungshaus Greisinghof
Rund 300 Gäste feierten am vergangenen Wochenende das 50-jährige Bestehen des Bildungshauses Greisinghof. Zwei Tage lang wurde zurückgeblickt und vorausgedacht, diskutiert, gesungen und gelacht – und vor allem ein Ort gefeiert, der seit fünf Jahrzehnten von Bildung, Spiritualität und Begegnung lebt.
Unter dem Motto „Wurzeln bewahren. Zukunft gestalten.“ feierte das Bildungshaus Greisinghof am 12. und 13. September sein 50-jähriges Bestehen. Was 1976 als mutiges Projekt der Marianisten begann, ist über fünf Jahrzehnte zu einem besonderen Ort der Erwachsenenbildung geworden. Wie lebendig dieser Ort heute ist, zeigte ein Jubiläumswochenende, das zahlreiche Wegbegleiter:innen, Gäste, Freunde und Neugierige an den Greisinghof nach Tragwein führte.


Bildung feiern – mit Bildung
Bereits am Samstagnachmittag nutzten rund 200 Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, den Greisinghof und seine thematische Vielfalt näher kennenzulernen. Neun Workshops spannten einen weiten Bogen von Bibel und Spiritualität über Lebenswege, kreatives Schreiben und marianistische Bildung bis hin zu Tanz, Musik und dem Bibelgarten.
Damit wurde das Jubiläum bewusst mit dem gefeiert, was seit 50 Jahren zur DNA des Hauses gehört: mit Bildung, Weiterentwicklung und der Möglichkeit, Neues zu entdecken. Für manche Gäste war es eine Gelegenheit, vertraute Themen zu vertiefen, für andere ein erstes „Hineinschnuppern“ in den Greisinghof.



Eröffnet wurde am Nachmittag auch die Fotoausstellung von Franz Oppenauer im ersten Stock des Bildungshauses. Oppenauer begleitet den Greisinghof seit vielen Jahren und hält mit seiner Kamera besondere Motive, Lichtstimmungen, Formen und oft unscheinbare Details rund um das Haus fest. Seine Ausstellung ist auch nach dem Jubiläumswochenende weiterhin im Greisinghof zu besichtigen.
Von starken Wurzeln und einem Haus mit Herz
Zum Festakt am späten Nachmittag füllte sich die Greisinghof-Kirche bis auf den letzten Platz. Rund 300 Gäste feierten gemeinsam das halbe Jahrhundert Bildungshaus.
Unter den Festgästen waren Bischof Dr. Manfred Scheuer, Bürgermeister LAbg. Josef Naderer, der auch Landeshauptmann-Stellvertreterin und Bildungslandesrätin Christine Haberlander vertrat, P. Mag. Hans Eidenberger SM, geistlicher Leiter des Bildungshauses, sowie zahlreiche Vertreter:innen aus Kirche, Erwachsenenbildung, Politik und dem Orden der Marianisten.
Bildungshausleiter Berthold Tauber erinnerte an jene Menschen, die vor 50 Jahren den Mut hatten, aus dem Greisinghof ein Bildungshaus zu machen.



Besonders P. Alois Leitner und Siegfried Klein, der das Haus von 1976 bis 2010 leitete und prägte, hätten entscheidend dazu beigetragen, dass aus dem damaligen Wagnis ein Ort wurde, an dem sich seither unzählige Menschen mit spirituellen, sozialen, kreativen und gesellschaftlichen Fragen sowie intensiv mit der Bibel auseinandersetzen konnten.
P. Hans Eidenberger SM schlug in seinen Gedanken zum Fest einen Bogen vom Jubiläumsmotto zu den tieferen Wurzeln des Hauses. Für ihn liegt gerade in der Verwurzelung die Kraft für Entwicklung und Wachstum. Bildung verstehe sich am Greisinghof nicht ausschließlich als Wissensvermittlung, sondern als ganzheitlicher Prozess, der Kopf, Herz und Geist miteinander verbindet. Er bezeichnete den Greisinghof dabei treffend als ein „Herzens-Bildungs-Haus“ – einen Ort, an dem die Würde des Menschen, Respekt, Glaube und Menschlichkeit einen besonderen Platz haben.
Auch MMag. Dr. Magdalena M. Holztrattner, MA rückte in ihrer Festrede die Vielfältigkeit und gesellschaftliche Bedeutung der Erwachsenenbildung in den Mittelpunkt. Bildung endet nicht mit Schule oder Ausbildung, sondern begleitet Menschen durch unterschiedliche Lebensphasen und eröffnet bis ins hohe Alter neue Perspektiven.

Durch den Festakt führte Dr. Christian Pichler pointiert und souverän. Für die musikalischen Akzente sorgten Ewa und Bohdan Hanushevsky von Kohelet 3, die den Abend gewohnt schwungvoll und zugleich berührend begleiteten.
Mit starken Wurzeln in die Zukunft
Dass das Jubiläum nicht nur Rückschau, sondern ganz bewusst auch ein Blick nach vorne war, wurde beim Festakt ebenfalls deutlich. Die Zusammenarbeit zwischen dem Orden der Marianisten und der Diözese Linz als Partner des Trägervereins soll auch über das Jahr 2030 hinaus fortgeführt werden – ein wichtiges Signal für die Zukunft des Bildungshauses.
Dabei wurde an diesem Wochenende immer wieder sichtbar, dass der Greisinghof nicht allein von seinem Programm oder seinen Räumlichkeiten lebt. Es sind Menschen, Beziehungen und oft auch ehrenamtliches Engagement, die das Haus seit Jahrzehnten tragen. Zahlreiche Referent:innen hatten die Workshops anlässlich des Jubiläums unentgeltlich gestaltet, ebenso trugen viele Helfer:innen, Nachbarn, Freunde und die Freiwillige Feuerwehr Mistlberg zum Gelingen des Festes bei.
Besonderer Dank galt auch dem Team des Bildungshauses, das neben dem laufenden Betrieb in den vergangenen Wochen intensive Vorbereitungen und umfangreiche Arbeiten rund um das Jubiläum bewältigt hatte.

„z’fleiß katholisch“ – und z’fleiß im Greisinghof
Dass ein Jubiläum neben Tiefgang auch eine gute Portion Humor verträgt, bewiesen am Samstagabend Günther Lainer und Ernst Aigner. Mit ihrem Kabarettprogramm „z’fleiß katholisch“ sorgten sie für einen ebenso pointierten wie vergnüglichen Abschluss des ersten Festtages.
Dabei schloss sich ein besonderer Kreis: Das Programm der beiden Kabarettisten ist eng mit dem Greisinghof verbunden – hier wurde daran geschrieben und gearbeitet. Umso passender, dass es zum 50-Jahr-Jubiläum an seinen Entstehungsort zurückkehrte.


Ein volles (Kirchen-)Haus auch am Sonntag
Am Sonntag setzte sich das Jubiläum mit einem feierlichen Festgottesdienst fort. Bischofsvikar Dr. Hans Hintermeier und P. Hans Eidenberger SM feierten mit den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern in einer wiederum voll besetzten Kirche.


Einen besonderen musikalischen Rahmen schuf der Chor des Adalbert Stifter Gymnasiums Linz mit der Messe der Barmherzigkeit. Die jungen Sängerinnen und Sänger verliehen dem Gottesdienst eine eindrucksvolle musikalische Atmosphäre und machten ihn zu einem weiteren Höhepunkt des Jubiläumswochenendes.

Danach verlagerte sich das Fest ins Festzelt. Bei kulinarischen Schmankerln, Musik des Musikvereins Tragwein und vielen angeregten Gesprächen klangen zwei intensive Festtage aus.
50 Jahre – und viele Menschen dahinter
Das Jubiläumswochenende machte vor allem eines sichtbar: Der Greisinghof ist in seinen 50 Jahren von unzähligen Menschen geprägt worden – von Gästen und Referent:innen, Mitarbeitenden und Ordensleuten, Nachbar:innen, Freunden, Partnern und Wegbegleiter:innen.


Viele von ihnen kamen an diesem Wochenende wieder zusammen. Es wurde erinnert und erzählt, Bekanntschaften wurden aufgefrischt und neue Begegnungen entstanden. Damit wurde das Jubiläum selbst zu dem, wofür das Bildungshaus seit fünf Jahrzehnten stehen möchte: Rückzug. Begegnung. Beginn.
Und vielleicht liegt darin auch die schönste Übersetzung des Jubiläumsmottos: Wurzeln geben Halt – aber sie halten nicht fest. Sie geben die Kraft, weiterzuwachsen.