Vom Himmel berührt: Pride Month 2026 in Linz
In der Diözese Linz wurde 1989 der „Diözesane Arbeitskreis Homosexuellenpastoral (DAHOP)“ gegründet, der mittlerweile als „Arbeitskreis Regenbogenpastoral“ bekannt und aktiv ist. „Wir sind in Linz eine Konstante in der queeren Community“, freut sich Agnes Schützenhofer, die dieses Frühjahr zur neuen Vorsitzenden gewählt wurde. „Bei der Vorbereitung zur Pride Parade heißt es dann: ‚Seid ihr eh wieder dabei mit dem Segen für Menschen unter dem Regenbogen?‘ Dass die katholische Kirche als verlässliche, unterstützende Partnerin für queere Menschen gesehen wird, ist keine Selbstverständlichkeit.“
Die katholische Regenbogenpastoral ist gut mit der evangelischen Kirche A.B., der evangelisch-methodistischen Kirche und der altkatholischen Kirche in Linz vernetzt. Das konfessionsübergreifende Pride Prayer fand am 10. Juni 2026 in der Martin-Luther-Kirche statt. Die schützende Gemeinschaft sowie die schützende Geborgenheit bei Gott standen dabei im Mittelpunkt. „Durch die Entwicklungen in den USA verschiebt sich auch bei uns die Grenze des Sagbaren“, konstatiert Agnes Schützenhofer. „Diese Entwicklung beobachten wir mit Sorge. Es ist ein beklemmendes Gefühl, an den Rand gedrängt zu werden.“
Der Höhepunkt des Pride Month stellt die große Parade dar, die heuer aufgrund der europaweiten Hitzewelle mancherorts abgesagt werden musste. In Linz fand sie unter besonderen Hitzevorkehrungen am 27. Juni auf einer verkürzten Route statt. Eine beeindruckende Menge von über 10.000 Menschen setzte ein buntes Zeichen der Lebensfreude. „Sichtbar wird bei der Pride eine Kirche, die Menschen in ihrer Verschiedenheit achtet und ihnen offen begegnet“, freut sich Franz Harant, Leiter der katholischen Regenbogenpastoral Österreich. Die Linzer Regenbogenpastoral war unter dem Motto „Vom Himmel berührt“ dabei, passend geschmückt mit Engelsflügeln, und sorgte mit Wassersprayflaschen für willkommene Erfrischung.
Neben dieser spielerischen Form des Engagements formulieren sie auch handfeste politische Forderungen: „Die sogenannte Konversionstherapie ist medizinisch klar widerlegt und wird von sämtlichen psychologischen Fachgesellschaften abgelehnt“, betont Agnes Schützenhofer. „Wir fordern endlich ein entsprechendes Verbot in Österreich.“ Im April 2026 befürwortete das Europäische Parlament wie bereits 2018 parteiübergreifend (mit Ausnahme der rechten Fraktionen), Therapien zur „Heilung“ von Homosexualität gesetzlich in allen EU-Mitgliedsstaaten zu verbieten.
In der Diözese Linz wird mit dem neuen Arbeitsjahr die Arbeit für die Zielgruppe ausgebaut: Sophie Mayr, Jugendseelsorgerin in der Pfarre Linz-Süd, startet zusätzlich das innovative Projekt „Seelsorge queer über den Regenbogen“. Was genau haben sie sich in Linz-Süd dafür vorgenommen? „Wir möchten, dass sich queere Menschen bei uns in der Pfarre willkommen und gesehen fühlen“, führt Sophie Mayr aus. „Dazu gehört es unter anderem, Veranstaltungen konkret für diese Zielgruppe zu schaffen, sich mit Kooperationspartner:innen gut zu vernetzen und Aufklärungsarbeit zu leisten.“ Der Arbeitskreis Regenbogenpastoral freut sich sehr auf die wertvolle Unterstützung der ansonsten überwiegend ehrenamtlich getragenen Arbeit. Für interessierte haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter:innen bietet das IDF in Zusammenarbeit mit der Katholische Aktion Oberösterreich zudem einen dreitägigen Workshop zum Thema Queere Menschen. Queere Kirche. Queere Pastoral. an (5.-7. Oktober 2026, Bildungshaus Schloss Puchberg) - am besten gleich anmelden!
Text: Magdalena Welsch
Fotos: Regenbogenpastoral Diözese Linz