24. Benefizsuppenessen im Linzer Landhaus: „Beteiligung kommt von Teilen“
Die Aktion Familienfasttag ist die entwicklungspolitische Aktion der Katholischen Frauenbewegung in Oberösterreich (kfb oö). Sie setzt sich seit über 65 Jahren in rund 65 Projekten in Ländern des globalen Südens für Zugang zu Bildung, Sicherung der Lebensgrundlagen und Wahrung der Menschenwürde ein.
Das traditionelle Benefizsuppenessen fand heuer bereits zum 24. Mal statt. Unter dem Titel „Beteiligung kommt von Teilen“ wurde über den Kampf um Gleichstellung und Teilhabe von Frauen an einem Beispiel aus Indien diskutiert. Michaela Leppen, Leiterin des Teams Frauen in der Diözese Linz/kfb oö, führte durch das Programm. Die musikalische Gestaltung des Benefizsuppenessens übernahm das Ensemble „Folk and Pepper“.

V. l.: Fachlehrerin Andrea Ertl, Direktorin Adelheid Burtscher-Zauner (Fachschule Mauerkirchen), Landeshauptmann Thomas Stelzer, Margit Schmidinger (ehrenamtliche Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung in OÖ), Bischof Manfred Scheuer und Michaela Leppen (Leiterin des Teams Frauen in der Diözese Linz/kfb oö) © Thomas Markowetz
Stärkung von indigenen Frauen in Indien
In der Entwicklungszusammenarbeit des Vereins Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung rückt im Jahr 2026 Indien in den Fokus. Frauen – insbesondere indigene Frauen – sind in dem Land massiv von Gewalt, Armut und Ausgrenzung betroffen. Doch immer mehr Frauen organisieren sich selbstbestimmt, schaffen sichere Räume und stellen die bestehenden Machtverhältnisse infrage – dekolonial und feministisch.
Im ostindischen Bundesstaat Jharkhand, in dem rund ein Viertel der Bevölkerung indigener Abstammung ist, arbeitet die Organisation SEEDS – seit 2006 Projektpartnerin der Aktion Familienfasttag – an Gleichstellung, Frieden und Gerechtigkeit. SEEDS (Socio Economic and Education Development Society) wurde 1995 von einer Gruppe von Sozialaktivist:innen in der Industriestadt Jamshedpur gegründet, um gezielt in ländlichen Gebieten Nordindiens soziale Transformation zu ermöglichen – insbesondere durch die Stärkung benachteiligter Frauen. Die Vision von SEEDS ist es, durch Ermächtigung, Mitgestaltung und Einbeziehung indigener Gemeinschaften an einer gerechten, inklusiven und emanzipierten Gesellschaft zu arbeiten.
Mit SEEDS lernen indigene Frauen in Osten Indiens ihre Rechte kennen, wehren sich gegen Männergewalt, fordern Mitsprache in Gemeinderäten ein und gestalten neue Realitäten. Auch durch die Unterstützung der kfb ist es möglich, Bildungsprojekte, landwirtschaftliche Initiativen und politische Schulungen umzusetzen. Da viele Frauen Analphabetinnen sind, setzt SEEDS auf niederschwellige Bildungsarbeit und auf Frauen aus den Gemeinden selbst, sogenannte Barefoot Counselors, die Wissen weitergeben und Vertrauen schaffen.
In Modelldörfern wird Gleichberechtigung gelebt
Die NGO SEEDS startet ihre Arbeit 1995 in 50 Dörfern, mittlerweile werden von den Mitarbeiter:innen Tausende Menschen in mehr als 750 Dörfern erreicht. In den mittlerweile acht Modelldörfern, (Violence Free Villages) wird Gewalt gegen Frauen aktiv bekämpft und Gleichberechtigung praktisch gelebt: Männer werden in die Arbeit miteinbezogen. Sie übernehmen etwa auch Aufgaben im Haushalt. Frauen wirken in Entscheidungsprozessen mit und Kinder – unabhängig vom Geschlecht – erhalten gleiche Bildungschancen. Auch Lohngleichheit wird aktiv gefördert und umgesetzt. Zudem versammeln sich in 131 Dörfern regelmäßig mehr als 3.000 Frauen, um ihre Stimmen zu erheben. Sie fordern nicht nur eine neue Balance der Macht, sondern setzen sich auch für einen nachhaltigen und gerechten Umgang mit der Natur ein.
kfb-Vorsitzende Schmidinger: „Gerechtigkeit ist eine dauerhafte Aufgabe!“
Margit Schmidinger, ehrenamtliche Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung in Oberösterreich, drückte ihre Freude darüber aus, dass das Projekt SEED in diesem Jahr im Zentrum der Unterstützung der Aktion Familienfasttag steht, denn: „Als Katholische Frauenbewegung Oberösterreich setzen wir uns für echte Teilhabe und Partizipation von Frauen in allen Bereichen des Lebens ein. Wir wollen gesehen und gehört werden. Wir wollen mitgestalten. Wir wollen nicht mehr – wir wollen das Gleiche: die gleichen Rechte, die gleiche Aufmerksamkeit, die gleichen Gehälter“, betonte sie.
Im Projekt von SEED gehe es um Empowerment und um echte Beteiligung von Frauen. „Als wir im November des vergangenen Jahres Projektleiterin Dr.in Shubhra Dwvidey kennenlernen durften, wurde uns bewusst, wie viele Themen uns Frauen weltweit verbinden“, so Schmidinger weiter. Auch in Österreich seien Gleichstellung und Teilhabe noch nicht vollständig erreicht: Ungleiche Bezahlung, stereotype Rollenbilder und geringe Repräsentation von Frauen in Führungspositionen zeigten das deutlich. „Gerechtigkeit ist kein Zustand, sondern eine dauerhafte Aufgabe. Sie braucht Strukturen, die Beteiligung ermöglichen, und den Mut, Macht zu teilen.“ Diese gesellschaftlichen Strukturen zu verbessern, sehe die Katholische Frauenbewegung in Oberösterreich als ihre zentrale Aufgabe, so deren Vorsitzende: „Ob bei uns in Österreich oder im Globalen Süden – Empowerment der Frauen schafft gerechtere Lebensbedingungen für alle Menschen!“
Schmidinger dankte Landeshauptmann Thomas Stelzer für die Gastfreundschaft und dem Land Oberösterreich, das auch heuer wieder den Spendenbetrag verdoppelt, sowie allen Spender:innen für die großzügige Unterstützung.
Landeshauptmann Stelzer: „Solidarität ist ein starkes Zeichen“
Landeshauptmann Thomas Stelzer stellte die Frage nach der Motivation des Spendens. „Wir spenden, weil wir wollen, dass es anderen besser bzw. so gut wie uns geht“, betonte er. Am Beispiel der Ukraine-Hilfe lobte er das Engagement der Oberösterreicher:innen. Hier habe sich gezeigt, dass „ganz viel direkt aus der Bevölkerung kommt; aus Vereinen, aus Pfarren, Institutionen“. Der Landeshauptmann dankte der kfb: Diese mache immer wieder auf schlechte Lebenssituationen aufmerksam, die andernfalls nicht bekannt würden oder nicht im vollen Umfang wahrgenommen würden.
„Das Benefizsuppenessen erinnert uns daran, dass Zusammenhalt mit einfachen Gesten beginnt“, sagte LH Thomas Stelzer. Teilen heiße hinschauen, Verantwortung übernehmen und dort helfen, wo Unterstützung dringend gebraucht werde. „Gerade Familien, die unter schwierigen Bedingungen leben, brauchen faire Chancen und Perspektiven.“ Stelzer dankte für das Engagement der Katholischen Frauenbewegung, das zeige, wie aus Bewusstsein konkrete Hilfe werde: „Diese Solidarität ist ein starkes Zeichen – auch über Oberösterreich hinaus!“
Bischof Scheuer: Ermächtigung als Basis für gesellschaftliches Veränderungspotenzial
In seinem Grußwort bedankte sich Bischof Manfred Scheuer bei allen Oberösterreicher:innen, die sich am Familienfasttag beteiligen – „für ihre Bereitschaft zu teilen und für den Beitrag, den sie leisten, damit Menschen in anderen Ländern jene Entwicklungsmöglichkeiten erhalten, die ihnen zustehen“.
Das heurige Modellprojekt SEEDS in Indien habe das Ziel, Frauen dabei zu unterstützen, ihre Rechte zu kennen, einzufordern und aktiv an gesellschaftlichen Entscheidungen teilzuhaben. „Em-power-ment oder auf Deutsch Er-mächt-igung sind Begriffe, die auf den ersten Blick schnell Zustimmung erwecken – sie klingen ‚soft‘“, so der Bischof. Beide Wörter enthielten die Begriffe Power und Macht. „Diese Begriffe sind nicht ‚soft‘, sondern bilden die Basis für gesellschaftliches Veränderungspotenzial. Wer Power hat, wer Macht hat, die bzw. der kann entscheiden, die bzw. der hat Autorität. Empowerment und Ermächtigung haben es buchstäblich eingeschrieben, dass mit ihnen Veränderung, Verantwortung und Gestaltung geschieht“, betonte Scheuer. Die Ermächtigung, die durch das Projekt SEEDS ermöglicht werde, bewirke genau diese Veränderung, Verantwortung und Gestaltung – „und das kann nur zum Guten sein“. Frauenrechte zu stärken sei die Antithese zu einer Haltung der Abschottung und der Fokussierung auf das Eigene, auf die Mehrung des eigenen Profits, so der Bischof.
Scheuer betonte unter Bezugnahme auf die Enzyklika „Fratelli Tutti“ von Papst Franziskus, dass gegenseitige Hilfe zwischen Ländern letztlich allen zugutekomme und dass die aktuellen Probleme nur gemeinsam zu bewältigen seien. Die Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung zeige jedes Jahr aufs Neue, „dass es hier in Oberösterreich viele Menschen gibt, die bereit sind, einen kleinen, aber wichtigen Beitrag zu leisten: für eine gerechtere Welt; für eine Welt, in der auch global benachteiligte Regionen Entwicklungschancen haben.“ Dieses entwicklungspolitische Engagement bringe Menschen hierzulande die Lebensrealitäten von Menschen im globalen Süden näher – ein Wissenstransfer nach Oberösterreich, der von großer Bedeutung sei.
Grußwort von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen
Gaumenfreuden aus Mauerkirchen für die Gäste des Benefizsuppenessens
Unterstützt wurde das Benefizsuppenessen 2026 von Schüler:innen der Fachschule Mauerkirchen. Auf dem Speiseplan standen eine Erdäpfelsuppe, eine traditionelle Innviertler Brotsuppe und eine Linsensuppe, wahlweise vegetarisch oder mit Speckwürfeln. Dazu wurde Hausbrot gereicht. Die Schüler:innen bereiteten nicht nur die Suppen zu, sie konnten auch zahlreiche Unternehmer:innen aus der lokalen Braunauer Wirtschaft als Unterstützer:innen gewinnen: Hofladen Gast, Huemer Mühle, Obstkultur Kasinger, Lagerhaus, LEADER Oberinnviertel-Mattigtal, LFM – Leben für Metall, Weiss Reisen, Mode Maier, Bäckerei Sailer und Expert Wimmer. Das dazu passende Fastenbier wurde auch heuer wieder von der Stiftsbrauerei Schlägl beigesteuert. Als langjährige Sponsoren waren erneut die Stiftsbrauerei Schlägl, die EZA Fairer Handel GmbH sowie Welt der Frauen mit dabei. Den Blumenschmuck stellte Floristik Blumenwiese aus Linz zur Verfügung. Die Spenden kommen der Aktion Familienfasttag zugute.
Aktion Familienfasttag: „Teilen spendet Zukunft“
Bereits seit 1958 lädt die Katholische Frauenbewegung (kfb) alljährlich österreichweit zum Familienfasttag. Die vorösterliche Fastenzeit ist der Aktions- und Sammelzeitraum der Initiative; der „Familienfasttag“ ist der zweite Freitag in der Fastenzeit (27. Februar 2026). Die Sammlungen in den Pfarren finden meist am darauffolgenden Sonntag (1. März 2026) statt. Unter dem Motto „Teilen spendet Zukunft“ werden ausgewählte Projekte der Aktion Familienfasttag der Öffentlichkeit vorgestellt, um zum solidarischen Teilen sowohl ideell als auch finanziell aufzurufen.
Die Aktion Familienfasttag fördert auch 2026 wieder mithilfe ihrer Spendengelder weltweit um die 65 Projekte. Jenes in Indien ist nur eines davon.
Suppensonntag – eine Institution in Oberösterreich
Getragen wird die Aktion von ehrenamtlich tätigen kfb-Frauen in den Pfarren in ganz Österreich. Zahlreiche kfb-Gruppen laden zu Fastensuppenessen in die Pfarrheime ein, bieten Suppe im Glas zum Mitnehmen an und gestalten Gottesdienste mit. Allein in Oberösterreich sind rund 3.000 Frauen rund um den Familienfasttag im Einsatz. Sie verlassen immer öfter das pfarrliche Umfeld, kooperieren mit örtlichen Betrieben und Vereinen und kommunizieren so das Anliegen der Aktion Familienfasttag weit über die Pfarrgemeinden hinaus. Jährlich werden von rund 250 kfb-Gruppen in OÖ durchschnittlich je 150 Liter Suppe – insgesamt also rund 37.500 Liter Suppe – angeboten.
Veranstaltungen und Termine: www.dioezese-linz.at/kfb
Spendenkonto:
Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung Österreichs
IBAN: AT83 2011 1800 8086 0000; BIC: GIBAATWWXXX
Die Aktion Familienfasttag trägt das österreichische Spendengütesiegel. Spenden sind steuerlich absetzbar.
www.kfb-ooe.at/familienfasttag
Aktion Familienfasttag: www.teilen.at