An Herausforderungen wachsen
Was gefällt euch besonders an der kfb?
Erika: Ich bin vor 32 Jahren Mitglied geworden, weil ich angesprochen wurde. Die Angebote der kfb haben mich über die Jahre begleitet, haben mich gefordert und gefördert. Ich habe erlebt, dass meine persönliche Erfahrung gefragt ist, und ich konnte neue Erfahrungen machen.
Die zehn Jahre in der Diözesanleitung waren geprägt von vielen Begegnungen über die Pfarre und auch über die kfb hinaus. Die kfb zeichnet sich durch eine Weite in ihrer Spiritualität aus, die es ermöglicht, in die eigene Tiefe zu gehen und aus diesem festen Grund heraus Visionen zu entwickeln.
Angela: Als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal die Leitlinien gelesen habe, war ich von der Größe und Weite der kfb überrascht. Mir gefällt, dass wir als Christinnen gemeinsam unterwegs sind, und die Aufmerksamkeit auf die vielen unterschiedlichen Lebensrealitäten von Frauen.
Edith: Die kfb war für mich schon in der Kindheit attraktiv. Durch meine Oma habe ich wahrgenommen, dass die kfb eine Gemeinschaft ist, in der du als Person gefragt und in der du getragen bist. Mich fasziniert die Vielfalt der Frauen und dass jede ihren Platz hat. Ich selber durfte in der kfb wachsen und mich als Frau weiterentwickeln.

Was waren Höhepunkte während eurer Zeit als (stellvertretende) Vorsitzende?
Erika: Die Auseinandersetzung mit der Heiligen Katharina von Siena. Besonders ihr mutiges Aufzeigen von herrschenden Missständen beeindruckt mich. Unvergesslich ist die kfb-Reise nach Siena, als 250 Frauen pilgernd auf ihren Spuren unterwegs waren. Ich freue mich, dass unser Katharinentor nun einen fixen Platz im Mariendom bekommen hat, als Zeichen und Mahnung für ein geschwisterliches Miteinander von Männern und Frauen auf allen Ebenen der Kirche.
Ein Schwerpunkt war für mich auch der Einsatz für eine gerechte Gesellschaft und die Vernetzung mit Frauen aus unterschiedlichen Organisationen in Oberösterreich. Der absolute Höhepunkt war für mich aber die Reise nach Indien zu Projektpartnerinnen der Aktion Familienfasttag. Zu erleben, wie diese starken Frauen in den Projekten aus tiefster Not aufstehen und sich einsetzen für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen, das hat mich zutiefst berührt.
Edith: Die Begegnungen mit den Frauen in den Regionen, zB bei Pfarrbegleitungen und Schulungen. Es ist schön zu sehen, wenn viele kleine Schritte zu einer Weiterentwicklung in die Zukunft führen, und wenn meine und unsere Arbeit Wirkung zeigt.
Angela: Die große ökumenische Feier am Schulterberg in der Nähe von Pram im Herbst 2010, die von katholischen und evangelischen Frauen gemeinsam vorbereitet worden ist, war mir persönlich wichtig, weil ich selber in einer ökumenischen Ehe lebe. Sehr berührt hat mich auch, dass ich in Ried bei der Weihe einer altkatholischen Priesterin dabei sein durfte. Ich hoffe, dass war ein Blick in die Zukunft meiner eigenen Kirche!
Was waren die Schwerpunkte eures Engagements in der kfb?
Erika: Meine Hauptaufgabe als Vorsitzende habe ich in der Vertretung der kfb in der Öffentlichkeit gesehen. Die Positionierung der kfb im gesellschafts- und frauenpolitischen Bereich war mir ein großes Anliegen. Man kann aber nur hinausgehen in die Öffentlichkeit, wenn man in der eigenen Organisation gut verankert ist. Deshalb war der Kontakt mit den kfb-Frauen in den Pfarren so wichtig.
Das vorherrschende Thema in den letzten zehn Jahren war aber die Weiterentwicklung der kfb. Das ging nur durch ein gutes Miteinander von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen.
Angela: Besonders wichtig ist mir das Image der kfb und wie wir mit Blick auf jüngere Frauen gut in die Zukunft gehen können. Außerdem beschäftigt mich die Frage, wie sich das Ehrenamt weiterentwickelt und ob wir von der kirchlichen Leitungsebene auch in Zukunft gehört werden.
Edith: Mein Schwerpunkt war die Regionalarbeit, das Hinausfahren in die Pfarren. Es war mir ein großes Anliegen, die Unterstützung der ehrenamtlich tätigen Frauen in den Pfarren und Dekanaten weiterzuentwickeln.

Wie lässt sich diese ehrenamtliche Funktion in der kfb gut lebbar gestalten?
Erika: Die Bedingungen für die kfb sind in Oberösterreich sehr gut. Als Ehrenamtliche muss ich selbst entscheiden können, wie ich die Funktion lebe. Es ist wichtig, die eigenen Prioritäten im Leben im Blick zu haben, um so ein Amt neben Beruf und Familie ausüben zu können. Mein Mann hat mir den Rücken gestärkt. Unterstützend waren das gute Miteinander mit den Hauptamtlichen, ein gutes Zeitmanagement und Weiterbildungen. Aus den Entwicklungsprozessen in der kfb habe ich auch für meine persönliche Weiterentwicklung wertvolle Impulse bekommen.
Edith: Dieses Ehrenamt war für mich lebbar, weil ich es aus meinem eigenen inneren Antrieb heraus machen wollte. Wichtig war mir, immer den eigentlichen Auftrag im Blick zu haben, vor allem wenn durch viele Veränderungen Unsicherheit entsteht. Der Rückhalt meiner Familie war toll, und es war auch schön zu spüren, dass sie stolz auf mich sind.
Angela: Den Partner und die Familie miteinzubeziehen war mir von Anfang an wichtig. Man muss behutsam mit den eigenen Ressourcen umgehen, und auch mit denen der anderen. Ich habe in die kfb viel Kraft, Energie und Lebenszeit investiert, ohne zu wissen, wie es ausgehen wird. Und es war eine große Bereicherung und Stärkung!

Was hat euch herausgefordert?
Erika: Wir leben in großen Umbruchszeiten. Veränderungen gehen sehr schnell. Frauenleben ändert sich stark. Die finanziellen Ressourcen für die kfb sind weniger geworden. Die Mitglieder werden weniger, die Übergänge in den Pfarren brauchen mehr Begleitung. Die Kirche hat in der Gesellschaft einen geringeren Stellenwert. Gemeinsam haben wir gute neue Wege gefunden.
Angela: Die vielen Prozesse, die wir gemeinsam durchgetragen haben, waren oft schmerzvoll und mühsam. Mittendrin ist es oft schwierig, manchmal fühlt man sich nicht verstanden. Aber wir haben gemeinsam Lösungen gefunden, und das finde ich sehr wertvoll.
Edith: Schwierig war, etwas loslassen und sich verabschieden zu müssen, zB das Haus Bad Dachsberg, das mich seit meiner Kindheit begleitet hat. Herausfordernd finde ich auch, dass die Bereitschaft geringer wird, ein Ehrenamt zu übernehmen.
Was wollt ihr euren Nachfolgerinnen mit auf den Weg geben?
Geht euren eigenen Weg. Stärkt euch gegenseitig. Gestaltet es so wie es euch entspricht. Die kfb ist eine starke und stärkende Frauengemeinschaft. Wir haben getan was uns möglich war und übergeben jetzt ohne Wenn und Aber. Tretet in aller Freiheit und auf eure Weise die ehrenamtliche Leitung in der kfb an.
Welchen Satz würdet ihr den kfb-Mitgliedern gerne ins Stammbuch schreiben?
Schaut auf euch! Nützt die Möglichkeiten, Räume in der Kirche für euch zu finden! Mischt euch in der Gesellschaft ein für ein gutes Leben für alle! Seid stolz auf die kfb, und stärkt der neuen Leitung den Rücken!
Autorin: Michaela Leppen
