Dienstag 18. Dezember 2018

Was ist ein Diakon?

 

Die Geschichte des Diakonats lässt sich sehr kurz wie folgt darstellen: In der frühen Kirche waren die Diakone vor allem in der Sorge um die Armen und Benachteiligten tätig. Ihre Aufgabe war es, die im biblischen Sinn Armen in den Mittelpunkt der Gemeinde zu stellen, konkrete Hilfe zu organisieren und so das Evangelium greifbar, d. h. konkret erfahrbar zu machen. In einer frühen syrischen Kirchenordnung werden Diakone als „Ohr, Mund, Herz und Seele des Bischofs“ bezeichnet. Das Amt des Diakons hat - in unserer heutigen Sprache ausgedrückt - etwas mit der Option [= Wahl] für die Armen („arm“ im biblische Sinn, also verschiedene Formen von Armut, nicht unbedingt nur materiell) zu tun und gehört gleichzeitig in das kirchliche Amt, das auf den eigentlichen Amtsträger aller kirchlichen Ämter verweist: auf Jesus Christus. Der Diakon ist also der amtliche Zeuge, dass die Kirche durch ihren Herrn zum Dienst verpflichtet ist und diesen Dienst auch wahrnimmt.


Im Laufe der Kirchengeschichte verkümmerte das Amt des Diakons. Es wurde als bloßer Durchgang zum Priestertum verstanden. Viele engagierte Christen wollten sich mit dieser Situation nicht abfinden. Im Vorfeld des II. Vatikanischen Konzils kam es vor allem im deutschen Sprachraum zu einer Diskussion darüber, wie man dieses Dienstamt wieder beleben könnte. Die Konzilsväter machten den ersten bedeutenden Schritt in diese Richtung und änderten die Zulassungsbedingungen. Es kam zu einer Rückbesinnung auf das ursprüngliche Amt und die konziliaren Bestimmungen ermöglichten von nun an verheirateten (d. h. in Ehe, Familie und Beruf bewährten) Männern wieder die Weihe zum Diakon. Dieses Amt wird von da an ständiges Diakonat genannt. Ein neues, eigentlich altes kirchliches Amt war (wieder)entdeckt.

Der bekannte Theologe, Bischof und jetzige Kardinal Walter Kasper, der in seiner Diözese vor seiner Berufung nach Rom sehr viele Diakone hatte, drückte dies einmal so aus: „Das II. Vatikanum sieht im Diakonat ein für die Kirche im höchsten Maße lebensnotwendiges Amt. Es hat — wie ausdrücklich gesagt wird — die Einführung des Ständigen Diakonates ermöglicht, weil die zum theologischen Wesen des Diakonates gehörenden Aufgaben in weiten Bereichen sonst nur schwer ausgeübt werden können.“ Einer der Schlüsselsätze des Konzils über das Wesen des Diakons lautet: der Diakon wird „nicht zum Priestertum, sondern zur Dienstleistung (ministerium)“ geweiht. Daraus lässt sich eine klare Unterscheidung des Priesteramt und Diakonenamt erkennen. Der Diakon ist kein „Minipriester“, kein Lückenbüßer für fehlende Priester. Damit stellt das Amt des Diakons auch keinen bloßen Durchgang auf dem Weg zum Priesteramt dar, sondern entfaltet das Weihesakrament zu seiner dreigliedrigen Ursprünglichkeit, als eigenständiges Amt. (Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Kirchenkonstitution: Lumen Gentium, 29).


Der Diakon hat Anteil an den bekannten drei Grundfunktionen der Kirche: 

 

  • an der Diakonie (= Dienst) als gelebte Caritas und Solidarität als die christliche Grundhaltung sowie als Auftrag;
  • an der Martyria (= Verkündigung, Zeugnis), die vor allem das Zeugnis für die Menschenfreundlichkeit und Liebe Gottes meint. Und schließlich
  • an der Liturgie (= gottesdienstliche Feiern) mit den verschiedensten Formen der Spiritualität. Der Gottesdienst soll als Feier aller Gläubigen, als Dank und Bitte - über den Alltag unseres Lebens hinaus - auf Gott unser Ziel verweisen. Mit der in der Liturgie erfahrenen Zuwendung Gottes können wir im Alltag unser Christsein für andere sichtbarer und fruchtbarer werden lassen.


Wie der Dienst eines Diakons im Idealfall aussehen sollte, formuliert die „Rahmenordnung für Ständige Diakone“ der Diözese Rottenburg – Stuttgart (Amtsblatt Nr. 16/1991,129) so: er vollzieht seinen Dienst „zugleich in der Mitte der Gemeinde und dort, wo Gemeinde noch nicht oder nicht mehr ist (RO 2). In der Gemeinde trägt der Diakon besonders Sorge dafür, dass der Geist der diaconia Christi geweckt, wachgehalten und im Leben der Gemeinde praktiziert wird, damit sie sich als geschwisterliche Gemeinde aufbaut (vgl. RO 1.2; 2.1).“

Zum Schluss möchte ich auf die wenig bekannte Tatsache hinweisen, dass der Hl. Franz von Assisi, nach heutigem Forschungsstand, Diakon war. Er kann uns allen ein Vorbild für eine Kirche der Diakonie, einer Kirche des Dienstes sein.

 

Diakon Anton Kimla

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