Frühjahrstagung der Diakone 2026
Über 70 Diakone und ihre Ehefrauen waren am 6. und 7. März 2026 ins Bildungshaus Schloss Puchberg gekommen, um sich an zwei Tagen über die Dimensionen von „Spiritueller Gewalt“ auseinanderzusetzen. Referent*innen waren u. a. die Leiterin der diözesanen Fachstelle Gewaltprävention, Dagmar Hörmandinger-Chusin, die langjährige Ombudsfrau, Christiane Sauer und der emeritierte Universitätsprofessor für Dogmatik, Franz Gruber.
Was passiert, wenn Glaube nicht stärkt, sondern kontrolliert? Wenn Spiritualität nicht Freiheit bringt, sondern Angst erzeugt? Genau hier setzt das Thema spirituelle Gewalt an.
Christiane Sauer, die maßgeblich am Aufbau der Ombudsstelle beteiligt war und diese viele Jahre leitete, spricht über die Entwicklung des Verständnisses von spirituellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Österreich. Im Mittelpunkt ihres Vortrags steht die Aktualisierung der Rahmenordnung „Die Wahrheit wird euch frei machen“ (2021) sowie die Frage, welche Konsequenzen sich daraus für Prävention, Aufarbeitung und kirchliche Praxis ergeben.
Anschließend referiert Franz Gruber zum Thema „Theologische Grundlagen verantworteter geistlicher Autorität: Macht, Verantwortung und Schutz – geistliche Autorität im diakonischen Dienst“.
Er fragt, wie geistliche Autorität so verstanden und gelebt werden kann, dass sie dem Evangelium entspricht und Menschen schützt. Dabei betont er den diakonischen Charakter kirchlicher Autorität – als Dienst, Verantwortung und Schutz der anvertrauten Menschen. Dr. Franz Gruber ist bekannt für seine kritische Theologie und seine hohe Bereitschaft, sein Wissen und seine Überlegungen, uns auf Augenhöhe zur Verfügung zu stellen.
In der Workshopphase mit den ReferentInnen: Christiane Sauer, Birgit Detzlhofer, Karin Mühlbacher, Helmut Eder, Willi Seufer-Wasserthal stand die persönliche Auseinandersetzung mit den gehörten Inhalten im Mittelpunkt. Gemeinsam wurde der Frage nachgegangen, was die besprochenen Begriffe und Definitionen für den eigenen Alltag bedeuten und wie ein konkreter Transfer in die Praxis gelingen kann. Dabei spielte auch die persönliche Reflexion eine wichtige Rolle: Wie kann eine Kultur des achtsamen Hinsehens entstehen und im beruflichen Umfeld gelebt werden?
Die Teilnehmenden setzten sich mit dem Thema spirituelle Gewalt auseinander und reflektierten, an welchen Stellen Unachtsamkeiten beginnen können – von subtilen Grenzüberschreitungen bis hin zu schweren Übergriffen. Auf dieser Grundlage wurden gemeinsam konkrete Handlungsschritte für den Arbeitsalltag entwickelt. Ziel war es, diese Schritte nicht nur zu benennen, sondern sie auch konsequent in der Praxis umzusetzen.