Diplomprüfung Eleonora Hrybniak
Eleonora Hrybniaks Werk Gehen, ging, gegangen (2024/2026) verbindet Videos, Fotografien und textile Arbeiten zu einer persönlichen Auseinandersetzung mit Heimat, Erinnerung und dem Leben in der Ukraine während des Krieges.
Chronologisch dokumentierte Reisen, aufgezeichnete Wege zu Apotheken und Bilder der familiären Datscha erzählen von Wiederbegegnungen, Verlust und den Spuren der Vergangenheit.
Durch die Übertragung von Erinnerungen in Stickerei und Filethäkeltechnik werden alltägliche Wege und vertraute Orte zu künstlerischen Zeugnissen von Verbundenheit und Veränderung.
Hier die Werkbeschreibung mit den Worten der Künstlerin:
Gehen, ging, gegangen
Eleonora Hrybniak
Gehen, ging, gegangen, 2024/2026
Am 10. Februar 2024 sah ich meine Großmutter zum ersten Mal seit drei Jahren — es war mein erster Heimatbesuch in der Ukraine seit Beginn der großangelegten russischen Invasion. Dieses Video besteht aus allen Videoaufnahmen, die ich chronologisch während dieser zehn Tage auf dem Handy gedreht habe — von der Anrei se aus Linz bis zur Abreise. Zu sehen sind Spaziergänge durch die Stadt, Gespräche mit Freundinnen, meine Großmutter, Taxifahrten und Katzen. Im Video sind auch Geräusche der Luftabwehr sowie eine Luftalarmsirene zu hören.
Apothekenwege, 2026
Während desselben Aufenthalts erledigte ich den Auftrag meiner Großmutter, die an Diabetes leidet, ihre Medikamente zu besorgen — eine scheinbar alltägliche Aufgabe, die mir meine Heimatstadt aus einem neuen Blickwinkel zeigte. Diese Routen wurden von meiner Smartwatch aufgezeichnet und mit der Strava-App synchro nisiert. Später habe ich vier Fußwegen und die Standorte der Apo theken durch Handsticken auf einen sowjetischen Stramin über tragen, der ursprünglich als Schablone gedacht war und nach der Fertigstellung herausgezogen werden sollte.
Kleingartenverein „Budjatschky”, 2026
Dieses Video zeigt meine Fahrt im Mai 2026 zu der Datscha in der Oblast Odessa, die meiner Familie gehört und wo ich als Kind jeden Sommer mit meiner Großmutter verbracht habe. Zuletzt war ich 2019 dort.
12 Ar, 2026
Sechs Analogfotografien der Datscha, aufgenommen während des selben Besuchs im Mai 2026. Der Titel verweist auf die Größe des Grundstücks.
Tor, 2026
Von allem, woran ich mich erinnerte, war vor Ort nur noch das Tor übrig, das mein Großvater aufgestellt hatte — derselbe Rahmen, nur in einer anderen Farbe gestrichen. Einer der Fotografien aus der Serie „12 Ar” habe ich in ein Bild in Filethäkeltechnik übersetzt.