Pfarrkirche Bad Goisern FENSTER HUNDERT Elisabeth Plank 2020
Im gotischen Chor der Pfarrkirche Bad Goisern wurden nach dem ersten
Weltkrieg zwei als Kriegerdenkmal ausgestaltete Glasgemälde in die zwei
seitlichen Polygonfenster eingesetzt. Das neu gestaltete mittlere Fenster
thematisiert nun eine konkrete historische Begebenheit aus der Geschichte
Bad Goiserns in der Folge des zweiten Weltkriegs.
- 1945/46 sind 113 Menschen an den Folgen des Konzentrationslagers Mauthausen, Außenlager Ebensee in Bad Goisern verstorben und
wurden hier begraben. 1948 und 1952 wurden 104 von ihnen aus dem
katholischen Friedhof Bad Goisern exhumiert. Zwanzig der Exhumierten
wurden in ihre Herkunftsländer überstellt und 84 wurden auf dem KZFriedhof
Ebensee neu bestattet. Bisher hat nichts außer den historischen
Quellen an diese Begebenheit erinnert.
Da die Quellen leicht heterogen sind, steht der Titel FENSTER DER
HUNDERT symbolisch für alle betroffenen Opfer.
- FENSTER DER HUNDERT: Um die vergessenen Ereignisse wieder zu erinnern, wurden im bestehenden mittleren Glasfenster 104
hexagonale Glasflächen in vier Farben (Vier als Zahlensymbol für das
Weltliche) stellvertretend für die 104 aus dem Friedhof exhumierten
KZ-Opfer eingesetzt. Die Verteilung der Farbflächen in der bestehenden
Fenstergliederung soll in abstrakter Form wie in einer Musikpartitur den
Opfern, die aus dreizehn verschiedenen europäischen Ländern stammen,
symbolisch wieder einen sichtbaren Platz in unserer Gesellschaft
einräumen. Der sichtbare Farbklang soll ein stilles Requiem für die Opfer
sein.
Das FENSTER DER HUNDERT wurde 2020 von Elisabeth Plank entworfen
und 2024 in der Glasmalerei Stift Schlierbach umgesetzt.
