Sternenkinder
„Wenn du bei Nacht in den Himmel schaust, wird es dir sein,
als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne,
weil ich auf einem von ihnen lache!“
Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz (1943)
Als Sternenkinder bezeichnet man Kinder, die in der Schwangerschaft, während oder kurz nach
der Geburt sterben. Davon sind in Österreich jährlich etwa 13.000 Kinder betroffen. Medizinisch
wird von Abort bzw. Fehlgeburt (unter 500 Gramm Geburtsgewicht) oder Totgeburt (über 500
Gramm Geburtsgewicht) bzw. von einem Schwangerschaftsabbruch gesprochen.
Etwa jede dritte Frau ist in ihrem Leben davon betroffen und doch wird nur ganz wenig darüber
gesprochen. Das Stillschweigen und die Sprachlosigkeit machen den Familien in vielen Fällen sehr
zu schaffen und vertiefen den Schmerz des Verlusts eines sich ankündigenden Familienmitglieds.
Meist können nur Totgeborene und Kinder, die während oder unmittelbar nach der Geburt
sterben, im klassischen Sinne in Einzelgräbern bestattet werden. Bei Fehlgeburten stehen
die Angehörigen in ihrer Trauer mit leeren Händen da. Umso mehr besteht in vielen Fällen
das Bedürfnis, diesen Kindern ein Zeichen zu setzen und ihnen einen bleibenden Gedenkort
zu geben. Es kann auch sein, dass erst im Zuge der Aufarbeitung der Trauer Jahre später das
Bedürfnis wächst, ein entsprechendes Zeichen zu setzen.
Sternenkinder-Gedenkstätten sind eine Ausdrucksform dafür, dass ein Mensch vermisst wird,
der Teil eines Beziehungsnetzes ist.
In der Diözese Linz wurden in den letzten Jahrzehnten bereits mehrere Sternenkinder-Gedenkstätten
errichtet und die Nachfrage der Pfarren/Pfarrgemeinden wächst. Der vorliegende
Leitfaden ist Einladung und vorgegebener Gestaltungsrahmen der Diözese Linz, sowohl was
die Entwicklung und Errichtung von Sternenkinder-Gedenkstätten anbelangt als auch deren
pastorale Begleitung. Ziel ist es, das Gespräch in den Pfarren/Pfarrgemeinden mit wichtigen
Hintergründen anzureichern und zu einer den Betroffenen und dem Thema angemessenen
inhaltlichen Auseinandersetzung anzuregen.