Exkursion Restaurierung, Wien, 24. April 2026
Bei strahlendem Kaiserwetter trafen sich angehende Kulturgutpflegende aus den Pfarren und Studierende der Katholischen Privatuniversität in den Werkstätten des Bundesdenkmalamtes in Wien. Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte der traditionsreichen Werkstatt durch Leiter Hans Nimmrichter führten uns die Amtsrestaurator*innen auf eine spannende Reise durch die unterschiedlichen Gewerke der Restaurierungen.
Zu Beginn wurden gotische Wandmalereien aus Kärnten besprochen, die in 1960er Jahren von der Wand abgenommen wurden. Hier hat man es bereits mit der Restaurierung einer Restaurierung zu tun, wo Themen der Oberflächenkorrosion, Klimaschwankungen und Materialität diskutiert wurden.
Danach ging es mit Andrea Hackel in die große Steinhalle, wo bereits die Terrakottafiguren aus Bad Ischl warteten. Dieser einzigartige Bestand solcher Figuren wird im Arsenal umfassend befundet und erforscht. In Folge kann ein Restauriervorschlag erstellt werden, der schließlich mit der Pfarre diskutiert wird.
Weiters wurden noch ein Jugendstil-Engel aus Metall mit einem historischen Kupfer-Ölanstrich, zwei gotische Steinpietàs sowie ein ungewöhnliches Kirchentor aus Metall und Holz präsentiert. Die nächste Station führte zu zwei Objekten aus der Bad Ischler Kaiservilla. Unter der Leitung der Amtsrestauratorin Ulrike Palm wurden zwei Sessel, auf denen Kaiserin Sissi ihre morgendliche Haarpflege durchführen ließ, rekonstruiert. Nach gründlicher Diskussion zwischen Eigentümer, Restaurator*innen und Denkmalamt entschied man sich für eine Vollrekonstruktion für den musealen Zweck.
Ein weiteres Highlight bekamen die Interessierten in der Gemäldehalle zu sehen: den Mozartvorhang des Salzburger Landestheaters. Ein verschollenes Prunkstück aus dem Jahr 1893, das gerade umfassende restauratorische Voruntersuchungen durchläuft.
Gleich nebenan tauchte man in die (Kunst)Geschichte der letzten Tage der Monarchie ein: Die Reste des von Eduard Lebiedzk für die Säulenhalle des Parlamentes geschaffenen Frieses waren zu sehen. Der in der Technik der Marouflage (an die Wand geklebte Leinwandbilder) ausgeführte Zyklus, wird unter der sachkundigen Aufsicht der Amtsrestauratorin Jessica Rossmann, bearbeitet.
Der Abschluss und Höhepunkt war ein Blick hinter die Kulissen des wissenschaftlichen Labors unter der Leitung von Robert Linke. Er erläuterte die breit gefächerten Fragestellungen der Bau- und Kunstdenkmalpflege, etwa welcher Anstrich der erste war bis hin zur chemischen Zusammensetzung des verwendeten Putzes.
Am Nachmittag wurden die Teilnehmenden noch durch die historische Dauerausstellung des Dommuseums geführt. Der kurzweilige und spannende Streifzug durch die Kunst- und Wiener Pfarrgeschichte krönte einen gelungenen Tag.
Ulrike Parzmair-Pfau
Diözese Linz
Rückmeldung einer Teilnehmenden:
“Bei der Exkursion Restaurierung einen Blick in die Werkstätten des Bundesdenkmalamtes zu machen war großartig. Es ist wichtig verschiedene Wertigkeiten zu verstehen, wenn man ein wenig Hintergrund erfahren kann. Ich hab gesehen was für ein Können und Wissen hinter den einzelnen Werkstätten steckt.”
Anna Kohler, Mesnerin und Kulturgutpflegerin