Zum internationalen Frauentag
Ein Frauenleben im Mittelalter
Katharina von Siena zählt zu den wichtigsten Frauenfiguren der Kirchengeschichte. Als Catarina Benincasa erblickte sie 1347 in Siena das Licht der Welt. Es war eine Zeit, die von Unruhen, Krieg, der Pest und dem Rückgang des Glaubens an die katholische Kirche geprägt war. Die Päpste dieser Zeit hatten ihren Sitz nach Avignon, Frankreich, verlegt und verloren allmählich ihr Ansehen und ihre Macht. Innerhalb Italiens herrschten überall Kriege und Unruhen – Städte bekämpften Städte, der Adel unterdrückte das Volk und beutete es aus – besonders auch in der Toskana, der Heimat Katharinas. Mit bereits 12 Jahren sollte sie auf Wunsch ihrer Eltern heiraten, was sie jedoch ablehnte. Mit 18 Jahren trat sie schließlich dem Orden der Dominikaner-Terziarinnen bei und pflegte in den folgenden Jahren aufopferungsvoll Kranke und Sterbende. Selbst schwer erkrankt starb Katharina 1380 im Alter von nur 33 Jahren.
Theologie und Politik
Katharina stand in intensivem Briefkontakt mit wichtigen führenden Persönlichkeiten der damaligen Zeit. So soll sie 1376 die Rückkehr des Papstes Gregor XI. von Avignon nach Rom bewirkt haben. Weiters war sie bemüht, im Krieg zwischen Florenz und dem Papst in Rom zu vermitteln. Gleichzeitig wuchs ihr Engagement gegen den Verfall und für die Reform der Kirche – wie beispielsweise die Stärkung der Seelsorge.
Katharinas Wirken und Einfluss sind insbesondere durch ihr umfangreiches, theologisches Werk und insgesamt 381 erhaltene Briefe sichtbar. Sie beweist, dass eine weibliche Stimme vieles bewegen kann, selbst in einer Zeit, in der Frauen nicht als vollwertige Rechtspersonen galten.
Frühe Verehrung
1461, weniger als hundert Jahre nach ihrem Tod, wurde sie von Papst Pius II heiliggesprochen. 1970 ernannte Papst Paul VI. Katharina von Siena zur Kirchenlehrerin. Sie war damit die erst zweite Frau in der Geschichte, die diesen ehrwürdigen Titel erlangte, der bis heute nur an vier Frauen verliehen wurde. Katharina ist die Hauptpatronin Italiens, die zweite Patronin Roms sowie die Schutzheilige der Dominikaner-Terziarinnen. 1999 wurde sie von Papst Johannes Paul II. zusammen mit Birgitta von Schweden und Edith Stein zur Schutzheiligen Europas erklärt. Im Volksglauben gilt Katharina als Patronin der Sterbenden und Wäscherinnen und wurde angerufen gegen Kopfschmerzen und die Pest. Ihr Gedenktag ist der 29. April.
Sichtbar im Kirchenraum
In der bildenden Kunst wird Katharina von Siena im schwarz-weißen Ordensgewand der Dominikaner-Terziarinnen dargestellt. Ihre individuellen Attribute sind die Stigmata Christi, eine Dornenkrone, ein Buch, das Kreuz oder ein flammendes Herz.
Innerhalb Österreichs gibt es nur eine Pfarrkirche, die das Patrozinium Katharinas trägt. Es ist die katholische Kirche „Katharina von Siena“ in der Kundratstraße 5 im Wiener Bezirk Favoriten. Sie wurde in den 1960er Jahren nach Plänen des Architekten Ottokar Uhl erbaut.
In Oberösterreich sind in rund 50 Pfarrgemeinden sowie im kulturGUTspeicher der Diözese Linz Kunstwerke zu Katharina von Siena zu finden: von Ölgemälden und Plastiken bis hin zu liturgischem Gerät und der Stickerei auf einer Kasel.
Die folgenden Beispiele können jederzeit besichtigt werden:
- Pfarrkirche Helpfau: Skulptur am rechten Seitenaltar, 1780-1783
- Pfarrkirche Kirchdorf am Inn: Ölgemälde am rechten Seitenaltar, Rosenkranzübergabe an die Heiligen Dominikus und Katharina, Mitte 18. Jh.
- Pfarrkirche Naarn: Buntfenster aus der OÖ Glasmalerei, 1912
- Pfarrkirche Oberneukirchen: Skulptur am linken Seitenaltar, Anf. 20. Jh. aus der Werkstatt Simon Raweder in Ottensheim
- Pfarrkirche Pichl bei Wels: Ölgemälde am linken Seitenaltar, Rosenkranzübergabe an die Heiligen Dominikus und Katharina, von Bartolomeo Altomonte, 1761
- Pfarrkirche Pollham: Skulptur am linken Seitenaltar, 1908-1920
- Pfarrkirche Rohrbach, Seitenkapelle links: Rosenkranzübergabe an die Heiligen Dominikus und Katharina, Ölgemälde um 1700
- Steyr Marienkirche: „Amplexus der hl. Katharina“, Ölgemälde, 3. Viertel 18. Jh.
- Stadtpfarrkirche Linz: Skulptur am Marienaltar, 1770er Jahre
Für Rückfragen: Theresa Eschelbeck
Fachbereich Kunst der Diözese Linz