Donnerstag 21. Juni 2018

Was unserem Haus widerfährt

„Veränderung ist etwas Wünschenswertes“ (18), aber sie muss uns beunruhigen, wenn sie unsere Umwelt zerstört und die Lebensqualität auf unserem Planeten beeinträchtigt. Im ersten Kapitel von Laudato si analysiert Papst Franziskus die Auswirkungen von Umweltverschmutzung und Klimawandel auf unseren Planeten und unsere sozialen Strukturen. Er spart dabei nicht mit umfassender Kritik an den Machtstrukturen in der Welt und betont die Verantwortung, die vor allem die Industrieländer trifft.

Mit drastischen Bildern müssen wir uns vor Augen führen, was unsere Wegwerfkultur unserem Planeten antut. „Die Erde, unser Haus, scheint sich immer mehr in eine unermessliche Mülldeponie zu verwandeln.“ (21) Vor allem die enorme „Geschwindigkeit, die das menschliche Handeln ihr heute aufzwingt“ (18) steht im Gegensatz zur Langsamkeit der Evolution und fördert den Klimawandel und die soziale Desintegration. Am Schlimmsten treffen diese Veränderungen die Ärmsten in den Entwicklungsländern. Doch ihr Leid und ihre Verzweiflung sind meist nur ein kleiner Nebenschauplatz auf den ergebnislosen Weltklimakonferenzen. Für Papst Franziskus sind die Auswirkungen des Klimawandels vielschichtig und dringen tief in die sozialen, politischen und auch wirtschaftlichen Systeme des Menschen ein.

 

Großflächige Zerstörung

 

In den verschiedensten Bereichen können wir die Folgen des Klimawandels und der Umweltzerstörungen erkennen. In der Verunreinigung von Trinkwasserreserven, im Verlust der Artenvielfalt und in der Auslöschung ganzer Ökosysteme. Massive Kritik muss dabei an den internationalen Konzernen geübt werden, die Gewinnmaximierung und Eigeninteressen über das Gemeinwohl stellen. Am Beispiel von Wasserprivatisierungen wird das besonders deutlich. „Während die Qualität des verfügbaren Wassers ständig schlechter wird, nimmt an einigen Orten die Tendenz zu, diese knappe Ressource zu privatisieren;“ (30). Dabei ist für Franziskus der Zugang zu sauberem Wasser ein fundamentales Menschenrecht und „diese Welt lädt schwere Schuld gegenüber den Armen auf sich, die keinen Zugang zum Trinkwasser haben, denn das bedeutet, ihnen das Recht auf Leben zu verweigern.“ (30).

 

Entwicklung, aber wohin?

 

Der Kernpunkt einer ehrlichen Bestandsaufnahme ist die Erkenntnis, dass sich die Entwicklungsländer gar nicht auf den Weg der Industrienationen machen dürfen. „Wir wissen sehr wohl, dass es unmöglich ist, das gegenwärtige Konsumniveau der am meisten entwickelten Länder und der reichsten Gesellschaftsschichten aufrecht zu erhalten.“ (27) Der gegenwärtige Ressourcenverbrauch des Westens und Nordens bräuchte drei Planeten. Es wird immer klarer, dass das globale Wirtschaftssystem keinen Weg zu einer menschenwürdigen und nachhaltigen Verbesserung der Lebenssituation von Milliarden Menschen findet. Ein absurdes Beispiel dafür ist für Franziskus der Einsatz von Klimaanlagen. Es wird wärmer und wir kühlen mithilfe von Strom aus Öl und Gas, die ein wesentlicher Grund für die globale Erwärmung sind. „Die Märkte, die davon profitieren, regen die Nachfrage immer noch mehr an.“ (55)

 

Schwache Reaktionen

 

Obwohl das Bewusstsein global zunimmt, scheint die Politik keinen Weg in eine positive Richtung zu finden. „Die Unterwerfung der Politik unter die Technologie und das Finanzwesen“ (54) führt dazu, dass wirtschaftliche Interessen allzu leicht den Blick auf das Gemeinwohl verdrängen. Dabei bräuchte es eine entschiedene Reaktion. Starke gesetzliche Schranken müssten die Zerstörung der Demokratie, der Freiheit und der Gerechtigkeit verhindern. (vgl. 53) Und eine „Ethik der internationalen Beziehungen“ müsste zwischen Nord und Süd als neuer Rahmen dienen.

 

Hoffnung ist angebracht

 

Bei all den düsteren Zeichen der Zeit, bei all den Verwundungen die unser gemeinsames Haus zu ertragen hat, scheint doch Hoffnung angebracht zu sein. In einigen Ländern gibt es Erfolge bei der Verbesserung von Umweltstandards, bei der Reinigung und Renaturierung von Flüssen und Wäldern. Der Mensch ist nach wie vor in der Lage, ein liebevoller Gärtner für unser gemeinsames Haus zu werden. „Da er erschaffen ist, um zu lieben, keimen inmitten seiner Begrenztheiten unweigerlich Gesten der Großherzigkeit, der Solidarität und der Fürsorge auf.“ (58)

 

 

Die Zahlen in der Klammer beziehen sich auf die Abschnitte der Enzyklika Laudato si von Papst Franziskus.

 

Den Volltext der Enzyklika finden sie hier.

 

 

Stefan Kaineder
T.: 0732/7610-3274
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KonsR Mag. Franz Schrittwieser
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Martin Stöbich
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