Wednesday 16. October 2019
Liturgiebörse

Baustein mit Texten aus dem Sozialwort - Besinnung für die Fastenzeit

Bibel

Die Besinnung und Gewissenserforschung mit Bibelworten und Texten des Sozialwortes der christlichen Kirchen Österreichs (veröffentlicht am 1. Adventsonntag 2003) wurden ursprünglich bei einer Messfeier im Advent verwendet. Die Vorlage wurde für die Fastenzeit adaptiert. 

Es empfiehlt sich, mit den vorhandenen Elementen einen selbstständigen Bußgottesdienst zu gestalten.

 

1. Lied
O Herr, nimm unsre Schuld (GL 168, 4 Str.)

2. Eröffnung und Begrüßung

3. Hinführung
Der Bußfeier liegen Gedanken aus dem Sozialwort des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich zugrunde. Darin werden gesellschaftliche Zusammenhänge aufgegriffen und die Kirchen formulieren dazu ihre Stellungnahmen. Dieses Sozialwort kann auch als Aufforderung an jeden Einzelnen von uns verstanden werden, uns mit diesen Themen wieder bewusst auseinander zu setzen und unsere Standpunkte zu klären. Jedem Kapitel des Sozialwortes sind zwei Bibelstellen vorangestellt. Eine davon hören wir heute sowie einen Ausschnitt aus den abschließenden Selbstverpflichtungen, denen sich die Kirchen stellen wollen. Diesem Text fügen wir einige Fragen an, die uns zur persönlichen Besinnung dienen sollen.

4. Gedanken und Impulse

Pr: Kapitel Lebensräume

Aus dem Buch der Psalmen:
Er führte mich hinaus ins Weite, er befreite mich, denn er hatte an mir Gefallen. (Ps 18,20)

L1: Kirchen eröffnen inmitten des Lärms und der Hektik Räume der Stille und Sammlung, der Geborgenheit und der Begegnung mit Gott. [58/124]

L2: - Gönne ich mir Zeiten des Ruhigwerdens, des Nachdenkens ohne äußere Ablenkung?
- Kann ich mich als von Gott gewollter und bejahter Mensch annehmen?
- Finde ich in der Hektik des Alltags Zeit zum Gebet, zum Dialog mit Gott?
Stille
Ruf „Bekehre uns, vergib die Sünde“ (GL 160), nur Kehrvers.

Pr: Kapitel Bildung

Brief des Apostels Paulus an die Epheser:
Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, … gebe euch den Geist der Weisheit …“. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid. (Eph 1,17–18)

L1: Die Kirchen wollen ihre Vielfalt positiv nützen. Sie wollen gruppenübergreifende Lernprozesse fördern – zwischen jungen und alten Menschen, zwischen Frauen und Männern. Die Kirchen wollen Raum bieten zur Integration von Menschen mit Behinderungen oder von Fremden. [24/33]
Die Kirchen laden in ihren Räumen zu Begegnung und Gemeinschaft ein. Sie wollen eine Kultur der Gastfreundschaft und der Toleranz pflegen. [43/78]

L2: - Bin ich oft in der Enge meiner eigenen Gedanken gefangen? Steht Egoismus oder Engstirnigkeit für mich manchmal im Vordergrund?
- Nutze ich meine Talente nur für eigene Bedürfnisse?
- Wie geht es mir, wenn sich Dinge nicht so entwickeln, wie ich es geplant habe? Kann ich zugestehen, dass auch andere Wege richtig sein können?
Stille
Ruf „Bekehre uns, vergib die Sünde“ (GL 160), nur Kehrvers.


Pr: Kapitel Lebensverbindungen

Evangelium des Johannes:
Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. (Joh 15,12–13)

L1: Die Kirchen suchen angesichts des Scheiterns von Beziehungen nach Versöhnung aller Beteiligten. Sie ermutigen zum Austragen von Konflikten. Wo Schuld entstanden und Verletzung geschehen ist, ermutigen sie zur Vergebung. [43/79]

L2: - Kann ich mich offen Konflikten stellen? Suche ich in solchen Situationen nach fairen Lö-sungen?
- Weiche ich direkten Konflikten lieber aus? Verstecke ich mich hinter anderen, ziehe ich Dritte hinein?
- Kann ich vermitteln oder trage ich durch meine Parteinahme zu einer Verschärfung der Situation bei?
Stille
Ruf „Bekehre uns, vergib die Sünde“ (GL 160), nur Kehrvers.

Pr: Kapitel Medien und Kapitel Arbeit – Wirtschaft – Soziale Sicherheit

Buch des Propheten Jesaja:
Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, … an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen. (Jes 58,6–7)

L1: Die Kirchen wollen mit ihrer Medienarbeit auch den Stimmlosen, den Minderheiten eine Stimme geben. [34/59]
Die Kirchen wenden den Armen besondere Aufmerksamkeit zu. Sie engagieren sich zugunsten der Benachteiligten und gemeinsam mit ihnen. [84/226]

L2: Bin ich hellhörig auf die Bedürfnisse der Menschen um mich herum?
Schließe ich mich aus Bequemlichkeit der Meinung anderer an, obwohl ich es besser wüsste?
Bin ich bereit die Not und Sorgen anderer zu teilen und ihnen nach meinen Möglichkeiten Hilfe zukommen zu lassen?
Verhalte ich mich Benachteiligten gegenüber manchmal unempfindlich und hart?
Versuche ich mich aus der Verantwortung meinen Mitmenschen gegenüber wegzuschleichen?
Stille
Ruf „Bekehre uns, vergib die Sünde“ (GL 160), nur Kehrvers.

Pr: Kapitel Zukunftsfähigkeit

Brief des Apostels Paulus an die Römer:
Die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. (Röm 8,21)

L1: Die Kirchen setzen sich für Dritte-Welt-Produkte, fairen Handel und ökologische Land-wirtschaft ein. [78/199]
Die Kirchen bekennen sich zur nachhaltigen Wirtschaft, sodass die Ressourcen der Erde geschont werden und für die nächsten Generationen erhalten bleiben. [109/290]

L2: - Hört mein Horizont am gedeckten Tisch meiner eigenen Bedürfnisse auf?
- Lasse ich mich von der Fülle des Konsums überschwemmen?
- Macht mich die ungerechte Verteilung von Arbeit und wirtschaftlichen Mitteln betroffen oder habe ich mich daran gewöhnt?
- Trage ich nach meinen Möglichkeiten dazu bei, dass wirtschaftliche Ungerechtigkeiten beseitigt werden?
Stille
Ruf „Bekehre uns, vergib die Sünde“ (GL 160), nur Kehrvers.

5. Schuldbekenntnis
Das Leben in unserer Gesellschaft fordert uns täglich heraus; Problembereiche anzusprechen soll nicht Schuldzuweisungen in den Vordergrund stellen. Doch ist es wichtig aufmerksam zu bleiben und das eigene Denken, Handeln und Fühlen immer wieder auszurichten am Maßstab eines engagierten christlichen Lebens, so wie es die christlichen Kirchen Österreichs im gemeinsamen Sozialwort formuliert haben.

Einladung zum gemeinsamen Schuldbekenntnis: Ich bekenne Gott dem Allmächtigen …

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6. Weihrauch
Ein Weihrauchfass (-schale) mit Kohlen und etwas Weihrauch sind vorbereitet. Nach dem folgenden Text legt der Priester einige Weihrauchkörner auf die Kohlen.

Pr: Unser Leben mit allem, was uns gelingt, und allem, was uns misslingt,
mit unseren Stärken und Schwächen, mit Licht und Schatten,
legen wir vor dich hin, Gott des Lichtes.

Im Einlegen von Weihrauch geben wir
unserem Gebet Ausdruck:
Die Körner unserer Mühe
vertrauen wir der Glut deiner Liebe an.
Auch die Steine des Versagens,
unsere Hartherzigkeit und Friedlosigkeit,
unsere fehlende Sensibilität
legen wir in das Feuer deines Erbarmens.

Nimm an dieses Gebet in Wort und Zeichen
und forme es um zum Gebet unseres Lebens,
das zu dir aufsteigt wie Weihrauch.
Amen.

7. Lied
Meine engen Grenzen (Liederquelle 222)

8. Gebet
Pr: Menschenliebender Gott,
nimm unsere Gebete an, die wie der Weihrauch zu dir aufsteigen.
Gewähre uns Vergebung und Verzeihung
und einen neuen Anfang in deinem Licht,
das unserem Leben Richtung und Freude schenkt,
du Gott der Liebe und Versöhnung, Vater, Sohn und Geist.
Der Friede Gottes sei allzeit mit euch.
Geben wir einander ein Zeichen dieser Versöhnung und des Friedens.

19.01.2004, Pfarre Linz-Christkönig,

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