Thursday 2. February 2023
Liturgiebörse

Ansprache zur Mitternachtsmette

Kind in Krippe

Warum Gott ein Kind wird

Auch in der Kirche gibt es viel für Weihnachten vorzubereiten. So hatte in irgendeiner Pfarre die Mesnerin in der Hektik vergessen, das Jesuskind in die Krippe zu legen.
In der Mette will der Pfarrer auf das Kind in der Krippe zu sprechen kommen, er zeigt schon darauf hin und merkt plötzlich, dass das Kind fehlt. Er muss nun schnell überlegen, wie er das nun sinnvoll deuten kann. Er sagt: Wie ihr seht, ist das Jesuskind heute nicht in der Krippe.
Wo wird es wohl sein? Die Mesnerin sagt halblaut: Es ist noch am Dachboden!
Nein, nein, sagt er: Das Kind ist in euch drinnen! - - Ein frommer Spruch, könnte man denken.


Jedoch die Psychologie spricht vom inneren Kind im Erwachsenen. In jedem ist sowohl das verletzte Kind (weil jeder Defizite erlebt hat), wie auch das göttliche Kind (das Ideal - wie wir zutiefst sein möchten).


Gerade zu Weihnachten schaut das göttliche Kind deutlicher aus uns heraus. Alle sind wir irgendwie anders gestimmt. Dieses gute, göttliche Kind in uns möchte wachsen, um diesem Jesus immer ähnlicher zu werden.

  • Wenn wir ein Kind betrachten, können wir vom Wesen Gottes manches erahnen: ein Kind zeigt sehr vieles von dem, wie Gott selber ist:
  • ein Kind lebt im Augenblick, grübelt nicht über gestern nach. So sagt auch das Kind von Bethlehem: deine Vergangenheit ist nicht mehr wichtig; heute begleite und segne ich dich!
  • ein Kind denkt auch nicht an morgen (darum sprechen wir von der unbeschwerten Kindheit). So wird der erwachsene Jesus sagen: Sorgt euch nicht um das Morgen, der Vater weiß,was ihr braucht!
  • Kinder spielen gern, z.B. verstecken. Manchmal spielt Gott mit uns vestecken. Aber er ist ein guter Spielpartner, der Spuren hinterlässt, um ihn leichter zu finden. Im geringsten meiner Brüder und Schwestern ...

Dieses Kind von Bethlehem stellt der Evangelist Lukas provokant dem römischen Kaiser gegenüber. Oktavianus Augustus, Herrscher des Weltreiches vom heutigen Frankreich bis in den Nahen Osten. Die griechische Bevölkerung hatte ihm den Namen SOTER gegeben, Retter. Dasselbe Wort verwendet Lukas für den Säugling. Damit wird den Herrschern ein Spiegel vorgehalten: wenn der Kaiser das Zepter in der Hand hält, macht er eine Faust; das Kind jedoch hat mit seinen offenen Händen die einzig richtige Haltung, um Frieden zu bewirken...

19.12.2002, Pfarrer Mag. P. Arno Jungreithmair

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