Vom Leben erzählen
Unsere Kathedrale ist für mich weit mehr als ein Kirchenraum – sie ist meine Leidenschaft. Hier darf ich Diakon sein – mit Herz, Hand und Verstand. Ich begegne Menschen in den unterschiedlichen Lebenssituationen. Ich unterstütze Bedürftige, setze respektvoll Grenzen, sorge für Ruhe während der Gottesdienste und darf als Assistenzdiakon am Altar dienen und predigen. All das gehört für mich zusammen.
Unser Dom ist kein abgeschlossener Ort, sondern ein offenes Haus zum Dasein, Entdecken und Mitfeiern. Hier begegnen sich beeindruckende Architektur und Handwerkskunst, würdig gefeierte Liturgie und eine herausragende Dommusik – sie führen uns behutsam in Gottes Gegenwart. Viele öffnen ihr Herz, tragen Sorgen und Hoffnungen vor Gott und sagen mit einer Kerze oft mehr als mit Worten.
Der Dom ist nicht immer Liebe auf den ersten Blick. Manchmal braucht es den zweiten oder dritten. Nicht, weil er nicht beeindruckt, sondern weil seine Schönheit und seine Geheimnisse Zeit brauchen, sich zu entfalten. Erst nach Jahren entdeckte ich ein besonderes Detail unseres Kreuzes im Baldachinaltar: Aus dem Kreuz wächst ein kunstvoll gestalteter Weinstock. Das Kreuz bleibt Kreuz und wird doch zum Baum des Lebens. Genau darin liegt für mich das Geheimnis des Mariendoms: Wer innehält, entdeckt Gottes leises Wirken – unaufdringlich, behutsam und lebendig. Der Mariendom ist ein Ort zum Verweilen, Staunen und In-sich-Gehen; ein Feierort, der erdet, öffnet und im Herzen Dankbarkeit wachsen lässt.