„Gleich unter der Domspitze ist unsere Werkstatt“
Die Schusterei Meister Atteneder in der Waltherstraße 23 ist ein Familienbetrieb. Hier arbeiten Willi und Christa Atteneder gemeinsam mit ihrem Sohn Johannes. Und auch das Zuhause ist nicht weit entfernt. „Diese Lebens- und Arbeitsqualität ist unbeschreiblich. Wir können uns alle nicht vorstellen zu pendeln“, sagt Willi Atteneder.
Christa ist für die Kundenbetreuung zuständig, während Willi und Johannes die Schuhe bearbeiten. Dass er einmal in den Familienbetrieb einsteigen würde, war für Johannes keineswegs ausgemacht. „Das war eigentlich gar nicht mein Plan.“ Er habe es einfach ausprobiert, die Lehre gemacht – und sei geblieben. Heute sind sich alle drei einig: „In dieser Konstellation als Familie macht die Arbeit einfach Spaß.“
Lange Familientradition
Das Schuhmacherhandwerk hat in der Familie Tradition. Schon der Ur- oder Ururgroßvater war Schuster – so genau weiß es heute niemand mehr. Bevor sich Willi Atteneder selbstständig machte, arbeitete er in der Lehrwerkstätte des Instituts für Hör- und Sehbildung in Linz. „Das hilft mir bis heute.“
Auch in der Waltherstraße 23 wurden schon vor ihm Schuhe repariert. Atteneders Vorgänger stammte wie er aus Unterweißenbach. „Ich habe lange gewartet, aber mit 67 ist er endlich in Pension gegangen und ich konnte die Werkstatt übernehmen“, erzählt er. Das war 1998. Die Atteneders erneuerten das Portal, später bauten sie auch innen um. „Wir haben immer weiter verfeinert, sodass es uns gefällt. Wir fühlen uns wirklich sehr wohl hier.“
Ein Luxus, dieser Blick auf den Dom
Dazu trägt auch der Mariendom bei, der für Willi Atteneder einfach „sensationell schön“ ist. Die Gegend rundherum habe beinahe etwas Dörfliches. Viele Kund:innen kennt die Familie seit Jahren, und auch für Menschen, die zum ersten Mal kommen, ist der Weg leicht zu erklären: „Der Mariendom ist ein guter Orientierungspunkt. Ich sage immer: Fahr bis zum Dom, dorthin, wo er seine Spitze hat – und genau darunter befindet sich unsere Werkstatt.“
Auch zu den Menschen rund um den Dom ist der Kontakt eng. „Die Steinmetze und der Dommeister – sie laufen hier oft geschäftig vorbei“, erzählt Atteneder. Er selbst ist Mitglied im Verein Pro Mariendom und Dompate. „Ich unterstütze den Dom, wo ich kann.“
Glocken zur Mittagspause
Das Glockengeläut gibt dem Tag in der Schusterei Struktur. „Speziell um 12 Uhr, weil dann weiß ich, dass es noch eine Stunde bis zur Mittagspause ist“, sagt Atteneder. Fehlen die Glocken, fällt es ihm sofort auf – besonders am Karfreitag und Karsamstag, wenn sie schweigen. „Dann fehlen sie mir richtig.“
Im Dom trifft man die Familie vor allem zu Weihnachten und bei besonderen Feiern. Erst kürzlich wurde dort die Tochter von Johannes getauft. Ob damit vielleicht schon die nächste Schuhmacherin heranwächst? „Das steht in den Sternen. Sie darf natürlich tun, was sie möchte“, sagt Johannes.
Willi Atteneder ist gerade 60 geworden. Ans Aufhören denkt er noch nicht. Solange er gesund ist und sein Sohn die Werkstatt weiterführen möchte, will auch er bleiben. „Das ist schließlich mein Leben.“
Text: Claudia Riedler-Bittermann