Lichtblick: Endlich wieder Kerzenziehen in Linz
Wenn man in diesen Tagen in die Krypta hinuntersteigt, duftet es schon nach warmem Bienenwachs. Gedämpftes Licht legt sich über den Raum und an großen Töpfen stehen Kinder, die ihre Dochte vorsichtig ins flüssige Wachs tauchen. Die anderen wuseln zwischen den Gewölbebögen hindurch, in den Händen halten sie die frischgezogenen Kerzen, sorgfältig in Seidenpapier eingewickelt.
Alte Tradition neu im Dom
Kerzenziehen hat in Linz Tradition. Es wurde 1991 als erstes öffentliches Kerzenziehen in Österreich ins Leben gerufen. Zuerst in einem Zelt, später im Hotel Wolfinger auf dem Linzer Hauptplatz. Als es 2022 eingestellt wurde, entdeckte Ingrid Karniek ihre Leidenschaft für die Kerzen. „Ich mag einfach den Bienenwachsduft", sagt die selbstständige Musikpädagogin. Sie schaffte große Schmelzgefäße an, goss im Sommer rund 2000 Kerzen und fand den perfekten Ort für ihr Vorhaben – den Mariendom. Nach zweijähriger Pause findet die traditionelle Veranstaltung deshalb nun wieder statt und ist heuer ein beliebter Programmpunkt bei Advent am Dom.
Tauchen und Warten
Das Ganze ist ein Geduldsspiel. Beim ersten Mal taucht man den Docht für fünf bis zehn Sekunden ins flüssige Wachs, danach nur noch eine Sekunde. Zwischen den einzelnen Tauchvorgängen gibt es nichts zu tun, außer zu warten. Am besten vier bis fünf Minuten, dann ist die Kerze abgekühlt. „Deshalb ist das Kerzenziehen auch so gemütlich", sagt Ingrid Karniek. Nicht nur Kinder, auch Erwachsene würden sich daran erfreuen.
Für eine 2,5 Zentimeter dicke Kerze brauche man rund eineinhalb Stunden. 25 Mal wird die Kerze eingetaucht – dann ist sie fertig. Wer sich künstlerisch betätigen möchte, kann seine Kerze anschließend noch verzieren: mit Rillen, ausgestochenen Wachsformen oder mit einer Wachskordel, die sich um die Kerze schlängelt.
Vom Advent bis Maria Lichtmess
Seit Jahrtausenden begleitet uns die Kerze als Lichtspender durch dunkle Stunden. Ihr Ursprung reicht bis ins antike Ägypten zurück, wo schon frühe Bienenwachskerzen hergestellt wurden. Vieles hat sich verändert – doch die Bedeutung ist gleich geblieben: Kerzen schaffen Wärme, Licht und Entspannung. Vor allem in der dunklen Jahreszeit und bei Festen sind sie fixer Bestandteil unserer Kultur.
Besonders umweltfreundlich sind die Kerzen aus Bienenwachs. „Deshalb gibt es bei mir auch nur diese“, sagt Karniek. Das Wachs kommt aus dem Mühlviertel von „Bienenglück“, die auch bei Advent am Dom ihre duftenden Produkte anbieten.
„Für mich gehören Kerzen einfach dazu, besonders im Advent“, sagt Ingrid Karniek. Und am 2. Februar, 40 Tage nach Weihnachten, wird dann Maria Lichtmess gefeiert. An diesem Tag wird traditionell der Jahresbedarf an Kerzen für die Kirchen geweiht und auch die Gläubigen bringen ihre Kerzen mit, um sie segnen zu lassen. Am besten eine, die sie selbst gezogen haben.
Info:
Kerzenziehen in der Krypta ist noch bis 21. Dezember 2025 möglich
Mittwoch bis Sonntag, jeweils von 11.00 bis 17.00 Uhr
Keine Voranmeldung nötig