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Neue Einblicke in die Geschichte der Gemäldefenster

Die Bischof-Rudigier-Stiftung hat einen bedeutenden Archivbestand der Tiroler Glasmalerei erworben und nach Linz geholt. Die Unterlagen umfassen unter anderem historische Skizzen, Entwürfe, Porträts, Fotoplatten und Schriftverkehr zur Entstehung der

Die Bischof-Rudigier-Stiftung hat einen bedeutenden Archivbestand der Tiroler Glasmalerei erworben und nach Linz geholt. Die Unterlagen umfassen unter anderem historische Skizzen, Entwürfe, Porträts, Fotoplatten und Schriftverkehr zur Entstehung der Gemäldefenster des Mariendoms. Sie ergänzen die bereits vorhandenen Bestände des Planarchivs, schließen eine wichtige Lücke in der Dokumentation der Kunstwerke und eröffnen neue Möglichkeiten, ihre Geschichte zu erzählen.

 

 

Die 42 Gemäldefenster des Lang- und Querhauses sowie die drei beeindruckenden Rosetten stellen die umfangreichste und berühmteste Fenstergruppe des Mariendoms dar. Sie wurden im Zeitraum zwischen 1910 und 1924 geschaffen und prägen aufgrund ihrer Größe und Gestaltung maßgeblich das Erscheinungsbild des Bauwerks. Die Darstellungen und Inhalte dieser Fenster wurden ganz wesentlich von Bischof Rudolph Hittmair entwickelt. Sie umfassen neben sakralen Motiven auch bedeutende Persönlichkeiten, Orte und Landschaften Oberösterreichs, historische Begebenheiten und erzählen aus der Geschichte des Dombaus und seinen Unterstützerinnen und Unterstützern. Gefertigt wurden diese Fenster in der Tiroler Glasmalerei. Ein bedeutender Archivbestand, der neue Einblicke in die künstlerische Entstehungsgeschichte der Fenster gibt, konnte nun nach Linz geholt werden.

 

 

Die Übernahme wurde unter anderem durch die Unterstützung der Stiftung Denkmalwerkstatt ermöglicht. Deren Vorstand, Dr. Georg Spiegelfeld, sieht darin einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes: „Die Stiftung Denkmalwerkstatt bemüht sich sowohl um den Erhalt gefährdeter Baudenkmäler als auch um die Sicherung beweglicher Kulturgüter. Unser Ziel ist es, bedeutende Zeugnisse unserer Geschichte nicht nur zu bewahren, sondern sie wieder in die öffentliche Wahrnehmung zu bringen. Der Mariendom ist ein zentraler Bestandteil der oberösterreichischen Identität. Dass wir einen Beitrag dazu leisten konnten, diesen Bestand nach Linz zu holen und langfristig zu sichern, freut uns sehr.“

 

 

Von der ersten Idee bis zum fertigen Fenster

Die wertvollen Dokumente und Unterlagen machen den Weg von den ersten Überlegungen und Bildideen über die Auswahl der dargestellten Personen bis zur fertigen Ausführung und künstlerischen Umsetzung der Fenster nachvollziehbar. Der Bestand umfasst Skizzen, Entwurfszeichnungen, kolorierte Finalentwürfe, Werkszeichnungen, Postkarten, Fotografien und Fotoplatten sowie umfangreichen Schriftverkehr zwischen Bischoff Hittmair, dem Dombaukomitee und der Tiroler Glasmalerei. Dadurch wird sichtbar, wie die Gemäldefenster Schritt für Schritt entstanden sind.

Von nacktem Kaiserknie und einem „nicht freundlichen dreinschauenden“ Landeshauptmann

Der Bestand enthält nicht nur Skizzen und Entwürfe, sondern auch zahlreiche persönliche und zeitgeschichtlich interessante Einblicke. Der umfangreiche Schriftverkehr - größtenteils von Bischof Hittmair persönlich - zeigt, mit welcher Genauigkeit und Leidenschaft die Gestaltung der Fenster abgestimmt wurde. Diskutiert wurden nicht nur Bildprogramme und künstlerische Details, sondern auch die Darstellung einzelner Personen.

 

So findet sich in Briefen etwa die Anmerkung, ein Landeshauptmann habe auf der als Vorlage verwendeten Fotografie nicht besonders freundlich geschaut. Im Zusammenhang mit dem Kaiserfenster beschäftigte man sich wiederum ausführlich mit Änderungswünschen von Erzherzog Franz Ferdinand, der mit seiner Darstellung nicht vollständig einverstanden war. Sogar die Frage, ob er mit sichtbaren Knien dargestellt werden sollte, wurde zwischen Auftraggebern und Künstlern eingehend erörtert. Als Lösung wurde schließlich ein Wappenschild vor seinen Beinen platziert. Solche Dokumente vermitteln heute einen lebendigen Eindruck davon, wie die Gemäldefenster vor mehr als hundert Jahren entstanden sind.

 

 

Wichtiger Lückenschluss

In den vergangenen Jahren wurden die Bestände des Planarchivs des Mariendoms systematisch gesichtet, aufgearbeitet, digitalisiert und fachgerecht gesichert. Der nun nach Linz geholte Bestand ergänzt diese Sammlung um wesentliche Quellen zur Entstehung der Gemäldefenster.

 

Während bislang vor allem die eingebauten Fenster selbst als Grundlage für Forschung und Dokumentation dienten, stehen nun auch zahlreiche Dokumente zu ihrem Entstehungsprozess zur Verfügung. Dadurch können künstlerische Entscheidungen, historische Zusammenhänge und die Entwicklung einzelner Fenster künftig noch umfassender erforscht werden.

 

Der neu erworbene Bestand wird nun schrittweise in das bestehende Planarchiv eingegliedert und wissenschaftlich aufgearbeitet. Er bildet eine wertvolle Grundlage für weitere Forschungsarbeiten rund um die Gemäldefenster des Mariendoms.

 

 

Die Geschichte der Fenster neu erzählen

Die Übernahme des Bestands ist mehr als die Sicherung historischer Unterlagen. Gemeinsam mit den umfangreichen Digitalisierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre eröffnet sie neue Möglichkeiten, die Geschichte der Gemäldefenster zeitgemäß und lebendig zu vermitteln.

 

Dabei entstehen interessante Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Während zu Beginn des 20. Jahrhunderts Personen eigens fotografiert wurden, um als Vorlagen für Figuren in den Gemäldefenstern zu dienen, können die Besucherinnen und Besucher des Mariendoms heute selbst Teil dieser Geschichte werden. An einer Station zum Fenster „Grundsteinlegung“ lassen sie sich fotografieren und virtuell in die historische Darstellung integrieren. So wird sichtbar, dass der Mariendom einst wie heute von vielen Menschen getragen wird. Kuratierte Blicke bieten die Möglichkeit, die detailreichen Darstellungen auf den Kunstwerken aus der Nähe zu betrachten und gleichzeitig interessante Informationen zu den Inhalten zu erfahren.

 

 

Bischof Manfred Scheuer über die Gemäldefenster und ihre Bedeutung

„Die Gemäldefenster des Mariendoms zählen zu den kostbarsten Kunstschätzen unseres Landes. Sie sind weit mehr als ein architektonisches Schmuckstück. In ihnen verdichten sich Glaubensgeschichte, Landesgeschichte und die Geschichte des Domes selbst.

Meine Vorgänger haben dieses Fensterprogramm entwickelt und persönlich verantwortet. Insbesondere Bischof Rudolf Hittmair hat die Entstehung der Fenster intensiv begleitet und damit einen bleibenden Beitrag zum Erscheinungsbild des Domes geleistet. Die erhaltenen Briefwechsel des Bischofs mit der Tiroler Werkstatt sind sehr aufschlussreich und haben auch die eine oder andere Anekdote parat.

 

Die Fenster erzählen Geschichten. In einer Zeit, in der es weder Fernsehen noch digitale Medien gab, waren sie ein Bilderbuch der Glaubensgeschichte. Sie machten religiöse Inhalte und wichtige Ereignisse anschaulich und halfen den Menschen, ihren Glauben und ihre Geschichte tiefer zu verstehen.

Zugleich zeugen die Fenster von einer außergewöhnlichen Kunstfertigkeit. Die Präzision der Glasmalerei, die Farbgestaltung und das Zusammenspiel mit dem Licht machen sie zu Meisterwerken sakraler Kunst.

 

Als Bischof erfüllt es mich mit großer Freude und auch mit einem gewissen Stolz, in diesem Dom Gottesdienst feiern zu dürfen, der einen solchen Schatz beherbergt. Die Gemäldefenster prägen die besondere Atmosphäre des Mariendoms und verbinden Generationen von Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher mit ihrer Diözesan- und Landesgeschichte und mit ihrem Glauben.“

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Mariendom Linz


Domplatz 1
4020 Linz
Telefon: 0732/946100
domcenter@dioezese-linz.at
https://www.mariendom.at

Öffnungszeiten des Mariendoms

Montag bis Samstag: 8.00 bis 19.00 Uhr 

Sonn- und Feiertage: 8.00 bis 19.15 Uhr 

 

Besichtigungen sind während der Gottesdienste und Veranstaltungen nicht möglich

Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

Herrenstraße 19
4020 Linz
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