Samstag 24. Juni 2017

Verleihung der Päpstlichen Auszeichnung

Jägerstätterbiografin Dr.in Erna Putz erhält Silvesterorden.

Papst Franziskus ernannte die Jägerstätterbiografin Dr.in Erna Putz zur „Komturdame des Päpstlichen Ordens vom Hl. Papst Silvester“. Am Montag, 23. Dezember 2013 übergab ihr Bischof Dr. Ludwig Schwarz in einem Festakt im Linzer Priesterseminar den Orden.

 

Bischof Schwarz drückte seine Freude über diese hohe Auszeichnung an Dr.in Putz aus und gratulierte auch im Namen der Diözese Linz dafür. 

 

Verleihung des Silvesterordens an Dr.in Erna Putz. © Diözese Linz
Verleihung des Silvesterordens an Dr.in Erna Putz. © Diözese Linz
Laudator Bischofsvikar Mittendorfer. © Diözese Linz
Festgemeinschaft im Linzer Priesterseminar. © Diözese Linz
Landeshauptmann Pühringer und Diözesanbischof Schwarz gratulierten. © Diözese Linz


Er hob in einem kurzen Überblick die Bedeutung der Forschungsarbeit und des Engagements der Theologin, Politik- und Kommunikationswissenschafterin Dr.in Erna Putz für die Jägerstätterrezeption hervor: 


„Durch einen eher zufälligen Besuch bei der Witwe Franziska Jägerstätter im Jahre 1979 stießen Sie auf die Gefängnisaufzeichnungen von Franz Jägerstätter. Die Nachforschungen in der Biografie und im Umfeld Jägerstätters führten Sie zur wissenschaftlichen Aufarbeitung in einer Dissertation und weiteren wissenschaftlichen Publikationen. Auf Ihre Initiative hin wurde der Todestag von Franz Jägerstätter am 9. August alljährlich feierlich begangen. Dazu veranstalteten Sie Wallfahrten und Studientage, zu denen jeweils Referenten von Rang gewonnen werden konnten. Friedensbewegte und andere interessierte Menschen aus ganz Österreich, aber auch aus dem Ausland, nahmen daran teil.


Ohne Ihr umfangreiches Engagement wäre es kaum zur Seligsprechung von Franz Jägerstätter gekommen. Aber damit endet nicht Ihr Einsatz, denn Sie arbeiten weiter mit an Symposien und Wallfahrten im Gedenken an den Sel. Franz. Zudem werden Sie in Österreich, aber auch in Deutschland und der Schweiz eingeladen zu Vorträgen anlässlich von Gedenkfeiern zu Franz Jägerstätter oder anderen Opfern des NS-Regimes.“


Bischofsvikar Mag. Maximilian Mittendorfer hielt die Laudatio für Erna Putz und streicht vor allem ihrEngagement und die Beharrlichkeit in Sachen Jägerstätter hervor. „Du bist beharrlich dran gegangen, das vorhandene Bild Franz Jägerstätters zu korrigieren und zu ergänzen. Du hast begonnen, seine Geschichte und sein Umfeld im Spannungsfeld zwischen Kirche und Nationalsozialismus zu erforschen. Das war auch im Sinne von Franziska, die ebenso beharrlich das Andenken an ihren Mann bewahren wollte und Deine Arbeit unterstützte.“ Mittendorfer wies auch darauf hin, dass Dr.in Putz ihr jahrelanges Engagement auch den eigenen Glauben vertieft habe, der ihr zu einer Quelle der Kraft geworden ist.

Dr.in Erna Putz dankte anschließend allen Mitfeiernden aus der Diözese Linz und ihrer Familie: „Nach der Reportage zur Familie Jägerstätter für die Linzer Kirchenzeitung habe ich gespürt, das verbrennt mir die Hände, wenn ich nicht weitermache. So habe ich meine Arbeit und mein Engagement in den Dienst Jägerstätters gestellt und es freut mich, dass die Jägerstätters mehr und mehr verstanden wurden.“ Besonders schön war es für Erna Putz, dass Franziska Jägerstätter die Seligsprechung ihres Mannes 2007 miterleben konnte.

Einen kurzen Besuch stattete am Schluss der Feier auch Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer ab. Er gratulierte Dr.in Erna Putz für die hohe kirchliche Auszeichnung mit einem Blumenstrauß und drückte auch für das Land OÖ die Wertschätzung und den Dank für die geleistete wissenschaftliche Arbeit und das große Engagement aus.

 

 

Lebens- und Forschungsdaten von Dr.in Erna Putz

Dr.in phil. Erna Putz, geb. am 3. Mai 1946, wohnhaft in Ohlsdorf, hat nach Mitarbeit in der Landwirtschaft ihrer Eltern eine Ausbildung zur Seelsorgehelferin und Religionslehrerin absolviert und diese Berufe mehrere Jahre ausgeübt. Daneben hat sie durch die Maturaschule Roland die Studienberechtigung erworben und an der Universität Salzburg Theologie sowie Politik- und Kommunikationswissenschaft studiert.

Durch einen eher zufälligen Besuch bei der Witwe Franziska Jägerstätter im Jahre 1979 ist sie auf die Gefängnisaufzeichnungen von Franz Jägerstätter gestoßen. Die bekannte Publikation des amerikanischen Soziologen und Pazifisten Gordon C. Zahn „Er folgte seinem Gewissen. Das einsame Zeugnis des Franz Jägerstätter“, Graz 1967, bedurfte einer Ergänzung und Korrektur.

 

Die Nachforschungen in der Biografie und im Umfeld Jägerstätters führten Frau Putz zur wissenschaftlichen Aufarbeitung in einer Dissertation, die 1985 veröffentlicht wurde: Erna Putz, Franz Jägerstätter. „... besser die Hände gefesselt ...“, Veritas Verlag Linz 1985. Es folgten noch weitere Publikationen wie zum Beispiel „Franz Jägerstätter. Der gesamte Briefwechsel mit Franziska. Aufzeichnungen 1941-1943.“ Hrsg. von Erna Putz. Mit einem Geleitwort von Manfred Scheuer. Styria Verlag 2007.

Dr.in Putz unterstützte die Familie Jägerstätter bei Anfragen durch Presseleute, Filmemacher oder Künstler, die sich mit Franz auseinandersetzen wollten. Sie nahm sich bereitwillig Zeit für StudentInnen, die wissenschaftlich zu Jägerstätter forschen wollten.


Auf wissenschaftlicher Grundlage aufbauend hat sie initiiert, den Todestag von Franz Jägerstätter am 9. August alljährlich zu begehen. Dazu veranstaltete sie in ihrer zwischenzeitlichen Wohnpfarre Ostermiething Studientage, zu denen sie jeweils Referenten von Rang gewinnen konnte. Friedensbewegte und andere interessierte Menschen aus ganz Österreich, aus Deutschland, Italien, der Schweiz und USA nahmen daran teil. Dem Studienteil folgte jeweils die Gedächtnisfeier zur Todesstunde um 16.00 Uhr, die Fußwallfahrt nach St. Radegund und die Abendmesse in der dortigen Pfarrkirche mit abschließender Lichterprozession zum Grab von Franz Jägerstätter. So hat Frau Dr.in Putz ein Netzwerk von Jägerstätter-FreundInnen und Interessierten über die ganze Welt gespannt.


Erna Putz leistete somit wissenschaftliche Grundlagenarbeit, trug wesentlich bei zur öffentlichen Auseinandersetzung mit den Themen, zu denen Franz Jägerstätter herausforderte, und entwickelte eine Kultur der Verehrung Franz Jägerstätters.

Dr.in Putz beendete ihr Engagement auch nach der Seligsprechung 2007 nicht. Sie veranstaltet weiterhin Symposien und Wallfahrten im Gedenken an den Sel. Franz. Sie wird in Österreich, aber auch in Deutschland und der Schweiz eingeladen zu Vorträgen anlässlich von Gedenkfeiern zu Franz Jägerstätter oder anderen Opfern des NS-Regimes. Sie forscht weiter zu der „Wolke der Zeugen“ - Menschen, die ihren Widerstand aus dem Glauben heraus mit dem Leben bezahlt haben. Sie ist Mitglied im „Jägerstätter-Beirat“ der Diözese Linz, der alle diesbezüglichen Aktivitäten koordiniert.

 

Laudatio von Bischofsvikar Mittendorfer für Dr.in Erna Putz

 

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