Mittwoch 19. September 2018

10 (11) Fragen (Auswahl)

Wer kann und will mir diese 10 Fragen, die ich stelle, beantworten? 

Handschrift Franz Jägerstätters, 10(11) Fragen. © Erna Putz

 

  1. Wer gibt uns die Garantie, dass es nicht im geringsten mehr sündhaft ist, einer Partei beizutreten, deren Bestreben es ist, das Christentum auszurotten?

  2. Wann hat das kirchliche Lehramt die Entscheidung und Gutheißung gegeben, dass man jatz alles tun und befolgen darf, was die Nationale Partei oder Regierung uns befiehlt oder von uns wünscht?

  3. wenn das alles jetzt für recht und gut befunden wird, wenn man der d. Volksgemeinschaft als Mitglied abgehört, für sie sammelt oder opfert, muss nicht dann jedes, das da nicht mittut, für schlecht oder ungerecht erklärt werden, denn beides kann doch nicht gut sein?

  4. Welcher Katholik getraut sich, diese Raubzüge, die Deutschland schon in mehreren Ländern unternommen hat und noch immer weiterführt, für einen gerechten und heiligen Krieg zu erklären?

  5. Wer traut sich zu behaupten, dass vom deutschen Volk in diesem Kriege nur einer die Verantwortung trägt, weshalb mussten dann noch so viele Millionen Deutscher ihr „Ja“ oder „Nein“ hergeben?

  6. Seit wann können auch die Verführten, welche ohne Reue und Besserung ihrer begangenen Sünden und Fehler, die sie durch verführung begangen haben, dahinsterben, denn auch in den Himmel kommen?

  7. Warum feiert man die Kämpfer für den Nationalsozialismus heute auch in den Kirchen Österreichs als Helden? hat man denn nicht solche bei uns vor fünf Jahren noch völlig verd...?

  8. Wenn also die deutschen Soldaten, die im Kampfe für den nationalsozialistischen Sieg ihr Leben lassen müssen, für Helden und Heilige erklärt werden können, um wieviel besser muss es dann noch für die Soldaten in den anderen Ländern bestellt sein, die von den Deutschen überfallen wurden und hinausziehen um ihr Vaterland zu verteidigen, kann man da den Krieg noch als Strafe Gottes ansehen, ist es dann nicht besser, zu beten, dass der Krieg fortdauere bis ans Ende der Welt, als zu beten, dass er bald aufhöre, wenn doch soviele Helden und Heilige daraus hervorgehen.

  9. Wie kann man denn heute seine Kinder noch zu Katholiken erziehen, wenn man ihnen auch das, was früher schwer sündhaft war, für gut oder wenigstens nichts Sündhaftes erklären soll?

  10. Warum soll denn jetzt das für gerecht und gut befunden werden, was die Masse schreit und tut? Kann man jetzt auch glücklich ans andere Ufer gelangen, wenn man sich stets wehrlos vom Strom mitreißen lässt?

  11. Wer bringt es fertig, zu gleicher Zeit Soldat Christi und Soldat für den Nationalsozialismus zu sein, für den Sieg Christi und seiner Kirche und zugleich auch für den Nationalsozialistischen Sieg zu kämpfen?

 

Aus: Franz Jägerstätter: Gefängnisbriefe und Aufzeichnungen, Erna Putz (Hg.), Passau – Linz, Veritas Verlag, 1987, 177f

 

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