Mittwoch 19. September 2018

Gegen den Strom

Es ist unbestritten, dass sich die Zeiten ändern, deshalb ist auch der Weg zum Himmel nicht gleichbleibend, er wird zwar nie bequem zu gehen gewesen sein, aber dass er in der jetzigen Zeit, in der wir uns gerade befinden, bedeutend schwieriger zu finden und zu gehen ist, als vor mehreren Jahren, wo wir noch in einem Lande lebten, wo volle Religionsfreiheit herrschte.

Ein großer Strom hat uns alle erfasst, in dem wir deutsche Katholiken alle schwimmen und zu kämpfen haben, ob wir in diesen Strom selbst hineingesprungen oder durch andere hineingerissen wurden, bleibt sich solange wir uns darin befinden, so ziemlich gleich. Um glücklich wieder ans Ufer zu kommen, bleibt uns nichts andres übrig, als gegen den Strom zu schwimmen, schwerer wird jedenfalls ein solcher gut herauskommen, welcher selbst hineingesprungen und vielleicht auch noch andre mit hineingerissen hat, weil ihm ja das schlechte Gewissen seine Kraft schwächt und ohne Kraft wird einer den Kampf mit den Wellen bald aufgeben müssen, ein solcher wird sich zwar noch eine Zeitlang auf dem Wasser halten können, denn von den Wellen sich mitspülen zu lassen beansprucht ja nicht so viele Kräfte, wird einem solchen nicht vom Ufer aus ein Rettungsring zugeworfen, wo eins auch nicht gerade langsam sein darf um ihn zu erfassen, wird ein solcher ob kurz oder lang rettungslos in den Wellen untergehen und tot ans Ufer gespült werden...

 

Sind es jetzt wohl viele, die sich aus diesem Strom retten wollen und stramm gegen den Strom schwimmen? Wohl wird die Kirche schon lange diese schwere Situation, in der wir uns heute befinden, geahnt haben. Sie war auch in letzter zeit stark bemüht ihren Mitgliedern Bekräftigungsmittel zu geben oder anzuraten zwar durch Verbreitung vieler katholischer Zeitschriften und Bücher, und eines der größten und besten Stärkungsmittel zu diesem Kampfe war die Anempfehlung zum oftmaligen Kommunionempfang. Aus diesem wertvollsten Stärkungsmittel haben sich auch die Christen in den ersten Jahrhunderten, die ja auch kaum einen viel leichteren Kampf zu bestehen hatten wie wir, ihre Kraft geholt. Die Worte, das Himmelreich leidet Gewalt, und nur wer Gewalt gebraucht, wird es an sich reißen, hat halt Christus bis heute noch nicht zurückgenommen. Sehr traurig ist natürlich heute, dass so viele die gefährliche Lage, in der wir uns befinden, nicht erkennen oder auch nicht erkennen wollen. Viele wollen halt immer die Unschuldigen spielen, wie weit sie’s sind, wird einmal Gott beurteilen.

 

Aus: Franz Jägerstätter: Gefängnisbriefe und Aufzeichnungen, Erna Putz (Hg.), Passau – Linz, Veritas Verlag, 1987, 121 ff

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