Donnerstag 21. Juni 2018

Gedenkfeiern am Fest des seligen Franz Jägerstätter

Pfingstvesper am Fest des seligen Franz Jägerstätter mit Copy Art von Peter Huemer

Dass der Pfingstmontag 2018 mit dem Gedenktag des seligen Franz Jägersätter zusammen auf den 21. Mai fiel, nahm die Pfarre Bad Ischl zum Anlass, die Pfingstvesper dem Seligen zu widmen. Auch im Linzer Mariendom fand eine Gedenkfeier statt.

Der Tauftag von Franz Jägerstätter jährte sich am 21. Mai 2018 zum 111. Mal. Der Tauftag ist auch der kirchliche Gedenktag des Seligen. In der Stadtpfarrkirche Bad Ischl wurde das Abendlob am Pfingstmontag um 19 Uhr im Gedenken an Franz Jägerstätter gefeiert.

 

 

„Die Wahrheit lässt sich auf Dauer nicht verdrängen“

 

Pfarrer Christian Öhler wies in seiner Predigt auf Aufzeichnungen Franz Jägerstätters hin, in denen dieser sich auf den Brief des Apostels Paulus an die Römer bezog, wenn er schrieb: „Nicht Kerker, nicht Fesseln, auch nicht der Tod sind imstande, einen von der Liebe Gottes zu trennen, ihm seinen Glauben und seinen freien Willen zu rauben. Gottes Macht ist unbesiegbar.“ Dass Gott mit jedem einzelnen Menschen in Beziehung sei, dass er „sozusagen jedes Menschenherz bewohnt“, sei die tiefste Begründung für die Würde der menschlichen Person unabhängig von Geschlecht, Rasse, politischer Gesinnung, so Öhler. Die Täter von damals hätten versucht, ihren Opfern die Persönlichkeit, die Würde, ihren Namen zu rauben und aus ihnen Nummern zu machen. Sie seien bestrebt gewesen, sämtliche Spuren ihres mörderischen Tuns zu verwischen: So wurden etwa Akten vernichtet und Gaskammern demontiert. Der Pfarrer wörtlich: „Dass die Urne des Seligen geborgen und nach St. Radegund überführt werden konnte, verdankt sich glücklichen Umständen. Ich folgere daraus, dass sich die Wahrheit auf Dauer nicht verdrängen lässt, dass sie anwesend bleibt, auch noch in ihrer totalen Abwesenheit. Als Instanz, die das Gewissen attackiert und es dazu herausfordert, ja geradezu zwingt, sich zu rechtfertigen.“ Die Anerkennung einer unbedingten Wahrheit, etwa der universalen Geltung der Menschenrechte, sei Voraussetzung dafür, dass Gericht gehalten und Recht gesprochen werden könne, so Öhler weiter. Eine Frage bleibe: „Wenn Gott wirklich in uns Wohnung bezogen hat, wo war er dann damals? Wo ist er heute dort, wo Menschen den Krieg und seine schrecklichen Folgen erleiden müssen oder auf andere Weise ihrer Würde beraubt werden?“ Diese Frage, auf die es keine schlüssige Antwort gebe, führe mitten hinein in das „Epizentrum des Bebens unserer Glaubensgeschichte“, zitierte Öhler den Theologen Johann Baptist Metz.

 

Predigt von Pfarrer Christian Öhler zum Nachlesen

 

Bei der Vesper wurden auch die Namen von 147 Personen verlesen, die allein aus Bad Ischl während der NS-Zeit verfolgt, inhaftiert und zum Teil getötet wurden. Jägerstätter-Biografin Dr.in Erna Putz hatte die Namen in mühevoller Kleinarbeit recherchiert und an die Pfarre weitergegeben.

 

 

Heinz Fischer: „Franz Jägerstätter ist ein leuchtendes Beispiel“

 

Bundespräsident a. D. Heinz Fischer übermittelte eine Grußbotschaft. Darin heißt es unter anderem: „Franz Jägerstätter ist ein leuchtendes Beispiel, ein Christ, der zu Recht selig gesprochen wurde. Er war es, der die bis weit in die Zweite Republik hineinreichende Verachtung für die Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen durchbrochen hat, der wesentlich zu einer Neubewertung der Verweigerung des Kriegsdienstes aus Gewissensgründen beigetragen hat.“ Heinz Fischer dankte der Pfarre Bad Ischl für ihre Initiative und bat die Mitfeiernden, „das Andenken an diesen beispielhaften, mutigen und gewissenhaften Menschen hochzuhalten“. 

 

Grußwort von Bundespräsident a. D. Heinz Fischer zum Nachlesen

 

Pfingstvesper am Fest des seligen Franz Jägerstätter mit Copy Art von Peter Huemer

Vitrine in der Kirche im Gedenken an Franz Jägerstätter. © Pfarre Bad Ischl

 

Jägerstätter Entscheidungsphasen: Ein Prozess in Bildern

 

In den Kirchenbänken der Stadtpfarrkirche Bad Ischl lagen Kopigrafien von Franz Jägerstätters bekanntestem Porträt auf.

 

Pfingstvesper am Fest des seligen Franz Jägerstätter mit Copy Art von Peter Huemer
Pfingstvesper am Fest des seligen Franz Jägerstätter mit Copy Art von Peter Huemer
Pfingstvesper am Fest des seligen Franz Jägerstätter mit Copy Art von Peter Huemer

Pfingstvesper am Fest des seligen Franz Jägerstätter mit Copy Art von Peter Huemer © Pfarre Bad Ischl; Peter Huemer

 

Angefertigt hat sie der Copy-Art-Künstler Peter Huemer. Die Idee, Jägerstätters persönlichen Prozess der Entscheidungsfindung mit Hilfe von Fotokopieren nachzuspüren, kam dem Künstler viele Jahre zuvor bei Malertagen in St. Radegund. Damals waren die Vorarbeiten zur Seligsprechung voll im Gange. Bei fast jeder Diskussion in der Gemeinde stand Jägerstätter automatisch im Mittelpunkt, erinnert sich Peter Huemer. Ihn interessierte vor allem der Mensch. Deshalb habe er versucht, Jägerstätters psychische und physische Belastung bis zu seiner Verurteilung und Hinrichtung zu visualisieren. Die Arbeiten entstanden 1994, 1996 und 2001.

 

Mehr zu den Kopigrafien von Peter Huemer

 

 

Gedenkfeier auch im Linzer Mariendom

 

Auch im Linzer Mariendom wurde am 21. Mai 2018 des seligen Franz Jägerstätter gedacht: bei einer Messe um 10.00 Uhr mit anschließender Statio bei der Jägerstätter-Stele.

 

Jägerstätter-Stele im Linzer Mariendom

Jägerstätter-Stele im Linzer Mariendom. © Diözese Linz

 

(be) / (ma)

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