Thursday 4. March 2021

Altarweihe in Jägerstätters Heimat St. Radegund: Treue zum eigenen Gewissen bis in den Tod

   Bischof Manfred Scheuer bei der Altarweihe in St. Radegund

Am Samstag, 21. Mai 2016 um 16.00 Uhr wurde in der Pfarrkirche von St. Radegund, dem Heimatort des seligen Franz Jägerstätter, der neue Altar durch Bischof Manfred Scheuer geweiht.

Der Altar enthält die sterblichen Überreste des oberösterreichischen Märtyrers, der seiner Glaubensüberzeugung bis in den Tod treu blieb.

 

Ein ganz besonderes Fest feierte am 21. Mai die Pfarrgemeinde von St. Radegund: Zum Abschluss der Renovierungsarbeiten und der künstlerischen Neugestaltung des Altarraums weihte Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer in einem feierlichen Gottesdienst den neuen Altar. Im Altar sind die Reliquien des seligen Franz Jägerstätter eingebettet, der nun zweiter Patron der Pfarrkirche ist. Sein Hochfest wird jährlich an seinem Tauftag, am 21. Mai, gefeiert.

 

 

Glaubwürdiges Zeugnis für den Gott des Lebens

 

Er hat seine Entscheidungen aus einer inneren Gottverbundenheit heraus getroffen und ist seinem Gewissen gefolgt bis zur letzten Konsequenz: der Landwirt Franz Jägerstätter aus St. Radegund, der 1943 von den Nazis als Kriegsdienstverweigerer hingerichtet und 2007 seliggesprochen wurde. In einem Brief an seine Frau Franziska schrieb Franz Jägerstätter einmal: „Hätte Gott mir nicht die Gnade und Kraft verliehen, für meinen Glauben auch zu sterben, wenn es verlangt wird, so würde ich halt vielleicht dasselbe tun, wie die Mehrzahl es tut.“ Franz Jägerstätter blieb seinem Glauben treu bis in den Tod. Es grenzt an ein Wunder, dass seine Urne und seine sterblichen Überreste erhalten sind und identifiziert werden konnten – für zum Tode Verurteilte war eine anonyme Bestattung vorgesehen. Dennoch wurde die Urne von der Friedhofsverwaltung mit Namen, Geburts-, Todes- und Kremationsdatum beschriftet; auch Schamottestein mit der Verbrennungsnummer zur eindeutigen Identifikation der Brandleichenreste wurde dazugegeben.

 

© Baumann

 

Über einige Umwege gelangten die sterblichen Überreste von Franz Jägerstätter wieder in seine Heimat. Seit Freitag ruhen sie im neuen Altar seiner Heimatpfarre St. Radegund. In einer feierlichen Zeremonie mit Bischofsvikar Mag. Maximilian Mittendorfer, dem Prorektor der Katholischen Privat-Universität Linz, Univ.-Prof. Dr. P. Ewald Volgger OT und etwa 70 Mitfeiernden wurde am Freitag, 20. Mai 2016 – am Geburtstag Jägerstätters – die Reliquie in den kreuzförmigen Hohlraum des Altars eingesetzt. Danach wurde der dreiteilige Altar von den Künstlern und Mitarbeitern der Firma Reichel zusammengefügt und fertiggestellt.

 

Reliquiar aus Glas
Einbettung der Reliquien und Zusammenfügung des Altars
Einbettung der Reliquien und Zusammenfügung des Altars

© Baumann

 

In seinen einführenden Worten betonte Bischofsvikar Maximilian Mittendorfer, die Gräber der christlichen Märtyrer seien seit den Anfängen der Kirche Orte der Erinnerung und des Gebetes. So etwa die Gräber der Apostel Petrus und Paulus in Rom, deren Gedächtnis durch Zeiten der Verfolgung bewahrt wurde, sodass im 4. Jahrhundert über den Gräbern Altäre und Kirchen errichtet werden konnten. Mittendorfer wörtlich: „Christliche Märtyrer sind Christus nachgefolgt im Zeugnis für den Gott des Lebens. Auf den Altären feiern und verkünden wir bis heute den Erlösertod Jesu und preisen seine Auferstehung. Der selige Franz Jägerstätter hat in seinem Glauben an den Erlösertod Jesu Christi die Kraft gefunden, seinem Gewissen treu zu bleiben bis in den Tod. Neben der hl. Radegundis wird Franz Jägerstätter nun der zweite Patron seiner Pfarrkirche sein. Hier wurde er getauft, hier empfing er oft die heilige Kommunion, hier hat er den Mesnerdienst verrichtet. Hier werden im Altar seine Reliquien beigesetzt.“

 

 

Neugestaltung als „Raumerzählung“

 

Der Altarraum der Pfarrkirche St. Radegund wurde nach dem Liturgieverständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils neu gestaltet. Mit der Neugestaltung wurden der in Berlin lebende oberösterreichische Künstler Christoph Mayer (CHM.) und der Berliner Architekt Petr Barth (bfp&r) beauftragt. Altar, Ambo und Taufbecken wurden aus Stein geformt. Er ist Urmaterial in der Symbolik der Kirche und des christlichen Glaubens und zugleich das Material der tragenden Elemente von Konstruktion und Boden der St. Radegunder Kirche.

Es war die Idee von Mayer und Barth, die Kirche als „Gedanken- und Entscheidungsraum“ zu gestalten. Die St. Radegunder Kirche ist der Ort einer umstrittenen Gewissensentscheidung. Räumlich verbunden mit den sterblichen Überresten im Altar sind Gedankenfragmente von Franz Jägerstätter, der einmal in diesem Raum gesessen, gebetet und nachgedacht hat, sowie Gedanken aus seiner Umgebung. Diese wurden in die Mauern der Kirche gestickt, laufen weiter auf den Bänken und am Boden der Kirche. Ausgehend von Dokumenten und Interviewrecherchen wurden für diese Schriftkomposition Gedanken gesucht und weitergeführt, die auch heute so gedacht oder gesagt werden könnten. Bewegen sich BesucherInnen durch den Kirchenraum, werden einzelne Sätze wahrnehmbar und verschwinden wieder. Die Gedanken lauten etwa: „wenn wir das Gegenteil von dem tun, was wir beten“ oder „weil man sich am ganzen Weltgeschehen für schuldlos hält“.

 

Kirche St. Radegund - Wandstickerei
Kirche St. Radegund - Wandstickerei
Gedankenraum
Kirche St. Radegund - Wandstickerei
Kirche St. Radegund - Wandstickerei

© Baumann

 

Künstler Christoph Mayer zum Konzept der Neugestaltung: „Alte Kirchengebäude sind wie Organismen, geschaffen für Rituale. Petr Barth und ich haben die Arbeit an der Neugestaltung der Kirche in St. Radegund als eine Raumerzählung verstanden. Beginnend mit der Frage ‚Wovor hast du Angst?‘ auf der Eingangstür betritt man den Kirchenraum. Im Inneren stehen die neu gestalteten liturgischen Orte in einem Zusammenspiel mit einer Rauminstallation.“

 

 

Der Name „Christ“ – Markenzeichen oder Kainsmal?

 

Am Samstag, 21. Mai, dem Tauftag Jägerstätters, nahm Diözesanbischof Manfred Scheuer die feierliche Altarweihe vor und segnete auch Ambo und Taufbecken. Mit Bischof Scheuer zelebrierten u. a. der Pfarrer von St. Radegund, Josef Steinkellner, und der Prorektor der Katholischen Privat-Universität Linz, Univ.-Prof. Dr. P. Ewald Volgger OT. Etwa 400 Gläubige nahmen am berührenden Festgottesdienst teil, der in Bild und Ton auch ins Freie übertragen wurde. Unter den Mitfeiernden waren auch die drei Töchter des Ehepaars Jägerstätter, weitere Verwandte und Jägerstätter-Biografin Erna Putz. Nichte Waltraud Eder und Neffe Hubert Sigl waren in den Gottesdienst eingebunden.

 

Kirche St. Radegund
Festzug zur Kirche
Festzug zur Kirche
Festzug zur Kirche
Festzug zur Kirche
Segnung des Taufbrunnens durch Bischof Manfred Scheuer
Segnung des Ambo durch Bischof Manfred Scheuer
Mitfeiernde in der Kirche
Mitfeiernde in der Kirche

© Baumann

 

Bei der feierlichen Prozession in die Kirche wurde eine Fahnenstangenspitze mitgetragen, die ein Christus- und Marienmonogramm im Strahlenkranz darstellt. Mit dieser Fahnenstangenspitze brannte sich Franz Jägerstätter den Christus-Namen auf seine Brust. Das Christus- und Marienmonogramm im Strahlenkranz soll künftig als Segenszeichen für alle dienen, die in die Pfarrkirche von St. Radegund kommen und auf die Fürsprache des seligen Franz Schutz und Segen erbitten. Es wird gemeinsam mit den heiligen Ölen aufbewahrt und zu besonderen Anlässen auf den Altar gestellt.

In seiner Predigt nahm Bischof Scheuer auf dieses sogenannte Ostensorium mit dem Christus-Namen Bezug, das Jägerstätter-Neffe Hubert Sigl den Gläubigen zeigte. Mit Namen verbinde sich Identität, verbänden sich Erfahrungen und Geschichte. „Marken haben einen guten oder einen schlechten Klang. Namen sind Markenzeichen oder Brandmarke, Hoheitszeichen oder Kainsmale. Welchen Klang hat der Name ‚Jesus‘ oder ‚Christus‘? Welchen Klang hat der Name ‚Christ‘? Ist er ein Markenzeichen oder ein Kainsmal, mit positiven oder negativen Vorurteilen verbunden?“ Franz Jägerstätter habe nur Christus gehören wollen, er habe sich das Siegel seines Bekennerglaubens auf die Brust gebrannt. Scheuer weiter: „Als getaufte ChristInnen sind wir gerufen, den Namen Jesu und Mariens in unserem Herzen zu tragen. Taufe und Firmung bewirken ein geistliches und unverlierbares Prägemal in der Seele.“ Aus den Briefen zwischen Franz und Franziska Jägerstätter gehe hervor, dass Jägerstätter es als Gnade ansah, seinen Weg des Gewissens so konsequent gehen zu können. „Er traf seine Entscheidungen aufgrund einer inneren Beziehung zu Gott. Er hat die Endgültigkeit der Liebe Gottes und die Unwiderruflichkeit seiner Hingabe erfahren“, so Scheuer über den seliggesprochenen Märtyrer. Der Bischof zitierte einen bekannten Satz von Jägerstätter: „Nicht Kerker, nicht Fesseln, auch nicht der Tod sind imstande, einen Menschen von der Liebe Gottes zu trennen, ihm seinen Glauben und den freien Willen zu rauben.“ Die Taufe rufe alle ChristInnen dazu auf, Christus nachzufolgen und aus der Beziehung mit ihm das Gute zu suchen. „Die Folge ist: Mut, sich mit der ganzen Lebenszeit auf die Liebe Gottes einzulassen, Treue, wenn existentielle Schwierigkeiten das Leben erschüttern, und nüchterne Liebe.“

 

Fahnenstangenspitze (Christus- und Marienmonogramm im Strahlenkranz)
Bischof Scheuer bei seiner Predigt

© Baumann 

 

Bei der Altarweihe besprengte Bischof Scheuer den Altar zunächst mit Weihwasser, danach salbte er ihn und sprach die Salbungsformel. Danach verbrannte er Weihrauch auf dem Altar und sprach das Weihegebet. Nun wurde der Altar bereitet: mit Groblinnen, Altartuch und Kerzen. Jägerstätter-Neffe Hubert Sigl brachte das Ostensorium zum Altar.

 

Altarweihe St. Radegund
Salbung des Altars durch Bischof Manfred Scheuer
Weihrauch am Altar bei der Altarweihe
Bereitung des Altars
Bereitung des Altars
Bereitung des Altars
Bereitung des Altars
Hochgebet

© Baumann 

 

Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst vom Kirchenchor St. Radegund, unter anderem mit Teilen aus der „Jägerstätter-Messe“ von Leopold Sigl. Am Ende des Gottesdienstes folgten Ansprachen von Pfarrer Josef Steinkellner, Bürgermeister Simon Sigl, Diözesan-Ökonom Mag. Reinhold Prinz und Finanzausschuss-Obmann Josef Mayrhofer (Projektmanager der Pfarre für Renovierung und Neugestaltung).

 

Ansprache von Pfarrer Josef Steinkellner
Ansprache von Bürgermeister Simon Sigl
Ansprache von Ökonom Mag. Reinhold Prinz
Ansprache von Finanzausschuss-Obman Josef Mayrhofer

© Baumann  

 

 

Details zur Neugestaltung des Altarraums

 

Altar mit Reliquiar

 

Der Altar steht im Zentrum des neuen, erweiterten Altarraums. Er symbolisiert Christus, der die eigentliche Mitte der Gemeinde ist. Der Altar besteht aus zwei ineinander greifenden Sandsteinblöcken, in deren Mitte sich ein kreuzförmiger Hohlraum befindet. Dieser ist der Ort für die Reliquien – Brandreste und Reste der Urne – eines Menschen, dessen Gewissensentscheidung bis zur äußersten Konsequenz geführt hat: Franz Jägerstätter wurde für seine Glaubensüberzeugung hingerichtet und teilt so das Schicksal Jesu.

 

Das Reliquiar ist ein geschlossener, komplexer Glaskörper, der sich exakt in den Hohlraum zwischen den beiden Sandsteinblöcken des Altars einfügt und sich in die vier Öffnungen des Kirchengebäudes öffnet. Die Brandreste und die Reste der originalen Urne bedecken den Boden dieses kreuzförmigen Körpers. Jede Seite des Altars erlaubt Einblicke in diesen Raum. Von der vorderen Öffnung ist der Deckel der originalen Urne mit den Inschriften gut lesbar zu sehen.

 

© Baumann  

 

Ambo

 

Dem Altar zugeordnet ist der Verkündigungsort (Ambo), der Tisch des Wortes Gottes. Vom Ambo aus spricht Gott selbst zur Gemeinde, wenn die Heiligen Schriften vorgelesen werden. Durch eine unterschiedliche Neigung der vier Außenkanten, zusammengeführt in der Lesefläche des Wortes Gottes, erscheint der Ambo aus jeder Perspektive in einer anderen Form – so wie der Text des Evangeliums oder auch eine Situation, in der ein Mensch handelt, aus verschiedenen Perspektiven anders erscheint. Die Gläubigen kommunizieren das „Wort“, so wie sie auch den Leib des Herrn in Brotgestalt „kommunizieren“ – in beiden Vorgängen wird Beziehung geschenkt. Der Tisch des Brotes (und des Weines, der Altar) und der Tisch des Wortes (der Ambo) gehören eng zusammen und stellen die gestalterische Mitte des Raumes dar. Die Gemeinschaft wird betont und deutlicher um die beiden Tische versammelt.

 

Taufbecken

 

Neu und prominent positioniert ist auch das Taufbecken. Es unterstreicht, dass das Hochfest des seligen Märtyrers Franz Jägerstätter, des nun zweiten Patrons der Pfarrkirche, auf seinen Tauftag fällt. Durch die Taufe geschieht die Eingliederung in die Christusgemeinschaft und zugleich in die Kirche. Wer in der Taufe wiedergeboren ist in Christus, erwartet den leiblichen Tod als „dies natalis“, den Geburtstag zum ewigen Leben. Das Taufbecken ist aus einem eiförmigen Stein erarbeitet (Symbol von Beginn, Geburt, Wandlung, Auferstehung). Dieser Stein ist zu einem Drittel in den Boden der Kirche eingelassen und verbindet das Wasser mit der Erde. Vier kreisförmige Ausnehmungen im Grundriss können als freigelassener Raum für die Taufenden verstanden werden.

 

© Baumann  

 

Tür

 

Die Tür ist wie ein Blatt Papier mit einer Frage. Der vertikale Spalt und der rechteckige offene Raum zwischen den Doppelflügeln beziehen sich in ihrer Form auf den Altar. Sie ist der Beginn der Raumerzählung, wie die Künstler sie verstehen.

 

© Baumann   

 

Die Künstler

 

Christoph Mayer CHM.

 

Christoph Mayer wurde 1975 in Linz geboren und ist in St. Georgen an der Gusen aufgewachsen. Studium an der Universität der Künste Berlin (bei Rebecca Horn) sowie an der Akademie der Bildenden Künste Wien (bei Michelangelo Pistoletto). Im Zentrum seiner Arbeit stehen orts- und situationsspezifische Untersuchungen und Interventionen, in denen Christoph Mayer das Publikum zu teilnehmender Beobachtung und aktiver Auseinandersetzung einlädt.

 

Zahlreiche Projekte und Ausstellungbeteiligungen im In und Ausland u.a. Audioweg Barnimstrasse Berlin, Audioweg Gusen Österreich, Kunst + Museumsprojekt Zschadraß Deutschland, SECESSION Wien, ARS ELECTRONICA Linz, Shanghai Spring Art Salon, Szamzie Space Seoul Korea, Living History Forum Stockholm, Konsthall C Stockholm, Bilmuseet Umea, Galerie Aedes Berlin, Gemäldegalerie am Kulturforum Berlin, Sophiensäle Berlin, Frankfurter Positionen, Hessischer Rundfunk, Deutschlandfunk.

 

PETR BARTH / bfp&r

 

Petr Barth wurde 1965 in Sokolov (ehem. ČSSR) geboren. Nach drei Jahre Kunststudium an der Städelschule in Frankfurt/Main (u.a. bei Gerhard Richter) führte ihn sein Weg über den Ausbildungsberuf des Steinmetz/Steinbildhauers zu einem Architekturstudium in Berlin, wo er seit 1996 als freiberuflicher Architekt arbeitet. 1999 gründete er das Büro bfp+r, dessen Schwerpunkt im Umgang und der Weiterentwicklung von Vorhandenem liegt.

www.pbfp-r.de

 

 

Petr Barth (l.) und Christoph Mayer. © Baumann  

 

Zur Geschichte der Urne und der sterblichen Überreste (Reliquien) von Franz Jägerstätter

 

Nach der Hinrichtung von Franz Jägerstätter am 9. August 1943 in Brandenburg an der Havel wurde der Leichnam am 11. 8. im Krematorium verbrannt. Entgegen den Bestimmungen zur anonymen Bestattung, wie sie für zum Tode Verurteilte vorgesehen war, beschriftete die Friedhofsverwaltung die Urne mit Namen, Geburts-, Todes- und Kremationsdatum und gab auch noch den Schamottestein mit der Verbrennungsnummer zur eindeutigen Identifikation der Brandleichenreste dazu. Bestattet wurde die Urne auf dem städtischen Friedhof, wo Schwestern der Franziskanerinnen Blumen am Bestattungsort pflanzten, nachdem ihnen der Friedhofsverwalter den Ort angezeigt hatte. Sr. Balda brachte die Urne im Juni 1946 auf Wunsch von Franziska Jägerstätter nach Vöcklabruck, wo sie im Juli von Pfarrer Karobath abgeholt werden konnte. Am 9. August 1946 wurde sie an der Kirchenmauer bestattet. Pfarrer Karobath schrieb in die Pfarrchronik: „Meine Nachfolger bitte ich, dieses Grab zu erhalten.“ (Quelle: Pfarrarchiv St. Radegund, Sch. 1, Fasz. 1, Pfarrchronik Bd. 2, 1918–1985, 153.)

 

Sr. Gilberta Lainer berichtet am 21. März 1991, dass sich Frau Anni Fleischer, Seelsorgehelferin von Pfarrer Albrecht Jochmann, „häufig um die Erdbestattung von hingerichteten Priestern bemühte“, und sagt, dass

sie als Krankenschwester die Tochter des damaligen Friedhofsverwalters Göde lange gepflegt habe. Sie litt an einer schweren Osteomylitis (Knochenmarksvereiterung). Durch diese Verbindung mit dem Friedhofsverwalter war es möglich, daß ich jeweils Nachricht bekam, wenn Priester hingerichtet und eingeäschert wurden. Ich fragte auch, ob er garantieren könne, daß es sich jeweils wirklich um die Asche des betreffenden Hingerichteten handele. Er versicherte das. Auf diese Weise habe ich auch erfahren von der Begräbnisstätte der Urne des Franz Jägerstätter. Ich ging sehr oft in der Mittagszeit – weil man da am wenigstens entdeckt wurde – auf den Urnenfriedhof zur Gräberpflege. Der Friedhofsverwalter ließ mich durch die Hintertür in den Friedhof. Ich habe auch einmal nachgegraben bei der Urne von Pater Franz Reinisch, weil ich wissen wollte, ob seine Urne dort bestattet sei. Sie war tatsächlich an diesem Ort.

Wir haben die dort bestatteten Priester und Franz Jägerstätter als Märtyrer betrachtet und vertrauten auf ihren Schutz. Wir empfanden sie als Schutz für das ganze Krankenhaus. Wir haben am Ende des Krieges nicht wenige Wunder erlebt, z.B. bei der Belagerung Brandenburgs lag unser Spital direkt im Zielgebiet der sogenannten Stalinorgel. Das Krankenhaus wurde von 26 Volltreffern der Stalinorgel beschädigt. Schwester Kallista und Schwester Otwina befanden sich einmal im Refektorium, weil sie dort schlafen wollten. Ich sagte ihnen noch, sie sollten sich mit einer Matratze gegen Granatsplitter schützen. Unmittelbar darauf explodierte eine Granate im Refektorium, die den Fensterstock und die Heizung in den Raum gerissen hatte. Das ganze Refektorium war voller Splitter, die beiden Schwestern waren unverletzt. Franz Jägerstätter ist mir in irgendeiner Weise immer nachgegangen. Ich und auch die anderen Schwestern haben in schwierigen Situationen einfach zu ihm unsere Zuflucht genommen. (Quelle: DHL Franz Jägerstätter, Schachtel 7, Fasz. 5c: Zeugenaussage der Sr. Gilberta Lainer.

 

Im Jahre 2009 wurde das Grab geöffnet und die Urne gehoben. Anschließend wurden die Inhalte im anthropologischen Institut des Naturhistorischen Museums (NHM) bzw. der Universität Wien untersucht und für die endgültige Einbringung in den Altar vorbereitet. Ein kleiner Teil der Reliquien wurde auf deren Wunsch hin in das Grab von Franziska Jägerstätter gegeben, da sie „mit ihrem Franzl“ bestattet sein wollte. Einige weitere Reliquien kamen in den Bischofshof für weitere Altäre.

 

© Baumann  

 

Im Zuge der liturgischen Neugestaltung der Pfarrkirche gestalteten Christoph Mayr CHM. und Petr Barth ein neues Reliquiar, das nunmehr unter die Altarmensa des neuen Altares eingesetzt wird. Mit der Depositio (Einbettung) der Reliquien in den neuen Altar wird der selige Franz Jägerstätter zum zweiten Patron der Pfarrkirche, gefeiert als Hochfest jährlich am 21. Mai.

 

 

Christus- und Marienmonogramm im Strahlenkranz als Segenszeichen

 

Franz Jägerstätter wollte ganz und nur Christus gehören. Franziska Jägerstätter berichtet:

An einem Waschtag 1941. Ich wusch das Hemd von meinem Mann mit der Bürste (damals hatten wir keine Waschmaschine). Auf der Vorderseite war das Hemd voll Blut und Eiter. Auf meine Frage wie er sich verletzt hat erzählte er mir folgendes: Von einer Fahnenstange nahm er sich die eiserne Spitze ab, die war mit den hl. Namen verziert. Diese Verzierung machte er glühend und drückte sie auf seine Brust, er wollte die hl. Namen für immer in seinem Körper eingeprägt haben. (Notiz von Franziska Jägerstätter, datiert am 16. Juni 1989).

 

Franz Jägerstätter brannte sich mit der Fahnenstangenspitze den Christus-Namen auf seine Brust. Dieses Christus- und Marienmonogramm im Strahlenkranz soll künftig als Segenszeichen für alle dienen, die in die Pfarrkirche von St. Radegund kommen und auf die Fürsprache des seligen Franz Schutz und Segen erbitten. Die Monstranz der hl. Namen wird gemeinsam mit den heiligen Ölen aufbewahrt, sie wird zu besonderen Anlässen auf den Altar gestellt. Allen Getauften ist das Siegel-Kreuz des Glaubens auf die Stirn gezeichnet; der selige Franz hat sich das Siegel seines Bekennerglaubens auf die Brust gebrannt.

 

© Baumann 


 

 

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