Sie schilderte den Vorfall der Wochenzeitschrift ‚La Difesa del Popolo‘: „Unmittelbar nachdem Alberto für tot erklärt worden war, wurden wir vom Transplantationsteam auf die Intensivstation gerufen. Es war ein bewegendes und bedeutsames Gespräch, an dessen Ende wir uns zur Organspende entschlossen. Und so kann dank dieser kleinen, aber großen Geste vielleicht jemand gerettet werden.“
Der zweifache Vater und Großvater von vier Enkelkindern lebte in Rubano, nahe der Friedensstadt Padua, wo er 2012 die Ehrenbürgerschaft erhielt.
Mit seinem konsequenten Eintreten für den Frieden leistete er einen entscheidenden Beitrag dazu, dass Italien 1972 die Kriegsdienstverweigerung gesetzlich anerkannte.
Schon während seiner Gymnasialzeit interessierte sich Alberto für die Theorie und Methodik der Gewaltfreiheit und studierte das Leben und Werk prägender Persönlichkeiten wie Gandhi, Martin Luther King, Aldo Capitini, dem Gründer des ‚Movimento Non-Violento‘, sowie Giorgio La Pira und Giuseppe Dossetti, Don Lorenzo Milani, Pater Ernesto Balducci und nicht zuletzt Franz Jägerstätter.
Nach seinem Masterabschluss in Sozialarbeit arbeitete er fast 40 Jahre im Sozial- und Gesundheitsbereich, davon 25 Jahre in der Psychiatrie.
In seiner „sozialen" Arbeit versuchte er stets, die Würde der Person zu respektieren, die „Mauern“ niederzureißen und die „Ketten“ an Menschen zu lösen, die jahrelang in „totalitären Institutionen“ eingesperrt waren, oft ohne gültige Begründung. Dieselben Institutionen hatten zuvor auch sein Leben geprägt.

Alberto Trevisan (Mitte) beim Jägerstätter-Gedenken 2017 in St. Radegund. Foto: Elisabeth Jungmeier
Getragen vom Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils zweifelte er nicht an seiner Entscheidung für den langen und steinigen Weg der Wehrdienstverweigerung. In ‚Gaudium et Spes‘ wurde erstmals die rechtliche Anerkennung der Verweigerung aus Gewissensgründen gefordert.
Am 9. Juni 1970 reiste Alberto mit der Postkarte ab, die als einzige immer pünktlich an jedem Ort des Landes ankam: die Postkarte für die Einberufung zum Wehrdienst. Nach seiner Verweigerung kam er vor ein Militärgericht und wurde fast 20 Monate lang eingesperrt. Im Gefängnis schrieb er das Buch „Ho spezzato il mio fucile“ – „Ich zerbrach mein Gewehr“.
Es erfüllte ihn mit tiefer Genugtuung, als die Wehrdienstverweigerung im Dezember 1972 in Italien endlich gesetzlichen Status erhielt.
Viele Jahre war er fortan für die freiwilligen Zivildiener als Trainer an der Universität von Padua und in anderen öffentlichen Einrichtungen tätig.
Alberto Trevisan gehörte auch zu den Gründern von ‚Associazione per la Pace‘ und von ‚Tavola della Pace‘, einer Gemeinschaft, die alle zwei Jahre den Friedensmarsch von Perugia nach Assisi organisiert.
Das wichtigste Vorbild für seine Militärdienstverweigerung war zweifellos Franz Jägerstätter.
Seit 1997 nahm er mit der Organisation ‚Franz Jägerstätter Italia‘ regelmäßig am alljährlichen Gedenken in St. Radegund teil.
Elisabeth Jungmeier
Mitglied im Jägerstätter Beirat der Diözese Linz
16.03.2026