Sunday 20. October 2019

Gedenken in St. Radegund: Jägerstätter ist „wichtiges Hinweisschild“ für heutige ChristInnen

Am Samstag, 8. August und Sonntag, 9. August 2015 fand in St. Radegund das jährliche Internationale Treffen im Gedenken an den 2007 seliggesprochenen Franz Jägerstätter statt. Rund 100 Gäste aus Österreich, Italien und von Bayern bis Berlin nahmen daran teil.

Der aus St. Radegund stammende Jägerstätter hatte sich aus Glaubensgründen geweigert, für das Nazi-Regime in den Krieg zu ziehen. Daraufhin wurde er vom Reichskriegsgericht in Berlin wegen "Wehrkraftzersetzung" zum Tod verurteilt und am 9. August 1943 hingerichtet. Anlässlich seines Todestags laden alljährlich die katholische Friedensbewegung Pax Christi Österreich und die Pfarre St. Radegund zu einem Gedenken ein.

 

 

Messe mit Bischof Benno Elbs
Grabstätte Mayr-Nusser
Jägerstätter-Grab
Vortragender Francesco Comina und Bischof Benno Elbs
Gedenken beim Grab Jägerstätters
Gedenken beim Grab Jägerstätters
Gedenken im Jägerstätter-Haus

 

Vortrag über „Südtiroler Jägerstätter“

 

Beim informellen Beginn der Gedenkveranstaltung am 8. August im Jägerstätterhaus in St. Radegund bei Kaffee und Kuchen hielt Francesco Comina, Journalist sowie Gründer und Koordinator des Zentrums für den Frieden der Stadt Bozen, einen Vortrag über Josef Mayr-Nusser (1910–1945), den „Jägerstätter“ aus Südtirol. Josef Mayr-Nusser hatte sich aus religiösen Gründen geweigert, den Eid auf das nationalsozialistische Regime abzulegen. Er wurde zum Tode verurteilt und starb im Waggon auf dem Weg nach Dachau. Josef Mayr-Nusser war in der katholischen Kirche stark verankert: Er war Mitglied des Katholischen Jungmännerverbands, einer der letzten katholischen Verbände, die im Nationalsozialismus gleichgeschaltet wurden, und der Vinzenzkonferenz. Er hatte erkannt, dass das „Neu-Heidentum“, wie er den Nationalsozialismus nannte, mit seinem Glauben nicht vereinbar war. Seit 2005 läuft in Südtirol ein Seligsprechungsprozess.

 

Nach einer Vesper vor dem Jägerstätter-Haus wurde im Feuerwehrhaus St. Radegund der Jägerstätter-Film „Einer von uns“ in Anwesenheit von Produzent Peter Schierl aus Washington DC und Regisseur Lothar Riedl aus Salzburg gezeigt.

 

„Gott auf radikale Weise die erste Stelle gegeben“

 

Den Festgottesdienst am Sonntag um 10 Uhr hielt Diözesanbischof Benno Elbs aus Feldkirch/Vorarlberg in der in Renovierung begriffenen Kirche in St. Radegund. Märtyrer wie Jägerstätter könnten auch für das Leben heutiger Christen „ganz wichtige Hinweisschilder“ sein. Ihre wichtigste Eigenart sei es gewesen, Gott auf radikale Weise die erste Stelle zu geben – durch ein Leben im Augenblick und das Füllen jedes Lebensmoments mit Liebe und Dankbarkeit, so Bischof Elbs. Charakteristisch sei weiters der Verzicht auf Hass und Gewalt selbst in der verzweifeltsten Lage und das Ausstrahlen einer „versöhnenden Energie“, die man als „Herzensgüte“ umschreiben könne. „Die Güte des Herzens ist die einzige Kraft, die Menschen im Innersten verwandeln kann. Die Liebe vermag alles“, betonte Elbs.

 

Möglich sei den Glaubenszeugen eine derartige Haltung nur deshalb gewesen, da sie ihr Leben „unter den großen Bogen des Vertrauens“ gestellt hätten, was auch in den Gebeten des jeweiligen Menschen zum Ausdruck komme. Gebet sei eine „Haltung, die Dinge in einer Perspektive zu betrachten, dass sie potenziell wieder einen Sinn haben können, trotz der Schrecklichkeit“, zitierte Elbs den Psychiater Viktor Frankl. Das Gebet spanne ein „Netz des Vertrauens aus, dass Gott unser Leben trägt“ und habe Menschen wie Jägerstätter oder den Vorarlberger Märtyrer Carl Lampert (1894-1944) daraus „schier unermessliche Kräfte“ schöpfen lassen.

 

Die Andacht in der Kirche um 15.30 Uhr zur Stunde der Hinrichtung von Franz Jägerstätter vor 72 Jahren beschloss das Treffen.

 

Veranstaltet wurde das Gedenktreffen von der Pfarre St. Radegund und Pax Christi Österreich.

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