Saturday 22. February 2020

Oberösterreich-Premiere des Jägerstätter-Films „Ein verborgenes Leben“

Am 21. Jänner 2020 luden der Jägerstätter-Beirat der Diözese Linz und das Franz und Franziska Jägerstätter Institut an der KU Linz zur Oberösterreich-Premiere des Jägerstätter-Films „Ein verborgenes Leben“ ins Linzer Moviemento. Der Film läuft ab 31. Jänner in den heimischen Kinos.

Bei den 72. Filmfestspielen in Cannes im Mai 2019 mit dem ökumenischen Filmpreis ausgezeichnet, war der Film „A Hidden Life“ von US-Starregisseur Terrence Malick am 4. Juni 2019 in St. Radegund in der Originalfassung für ein ausgewähltes Publikum vorab in einer privaten Vorführung zu sehen gewesen. Am 21. Jänner 2020 konnten etwa 350 BesucherInnen in Linz die deutschsprachige Version des Drei-Stunden-Epos unter dem Titel „Ein verborgenes Leben“ vorab sehen. Der Film zeichnet auf berührende Weise Leben und Haltung des seligen Franz Jägerstätter und seiner Frau Franziska und deren große Liebe zueinander nach. Die Produktion basiert auf einem Skript von Elisabeth (Lizzie) Bentley, das sich an der Jägerstätter-Biografie von Erna Putz orientiert. Ab 31. Jänner 2020 ist der Film in den heimischen Kinos zu sehen.

 

Zur Premiere am 21. Jänner luden der Jägerstätter-Beirat der Diözese Linz und das Franz und Franziska Jägerstätter Institut an der KU Linz. Medienpartner waren die KirchenZeitung Diözese Linz und die Oberösterreichischen Nachrichten. Zu den Premieren-Gästen gehörten unter anderen die Jägerstätter-Töchter Maria Dammer und Aloisia Maier, Enkel, Urenkel und andere Angehörige, Jägerstätter-Biografin Dr.in Erna Putz, VertreterInnen diözesaner Ämter und Einrichtungen, Landeshauptmann a. D. Dr. Josef Pühringer, Vizebürgermeisterin Karin Hörzing, Landtagsabgeordneter Peter Binder in Vertretung von Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer, MBA, Landeskulturdirektor Mag. Reinhold Kräter, Mitglieder des Jägerstätter-Beirats und dessen Vorsitzender Bischofsvikar Mag. Maximilian Mittendorfer, die Vorsitzende der Regionalkonferenz der Frauenorden in der Diözese Linz Sr. Michaela Pfeiffer-Vogl sowie aus St. Radegund Bürgermeister Simon Sigl und Vizebürgermeister Josef Esterbauer.

 

Auch alle drei Linzer Bischöfe waren zur Oberösterreich-Premiere gekommen. Bischof Dr. Manfred Scheuer und seine Vorgänger Bischof em. Dr. Ludwig Schwarz SDB und Bischof em. Dr. Maximilian Aichern OSB haben einen persönlichen Bezug zu Jägerstätter und dessen Seligsprechung. Ab 1989 wurden im Auftrag des damaligen Linzer Diözesanbischofs Maximilian Aichern Personen, die Franz Jägerstätter gekannt haben, als Zeugen einvernommen. Der Seligsprechungsprozess wurde 1997 offiziell eröffnet und ab 1998 vom heutigen Linzer Bischof Manfred Scheuer (damals Bischof von Innsbruck) als Postulator geleitet. Am 1. Juni 2007 bestätigte Papst Benedikt XVI. das Martyrium, woraufhin die Seligsprechung am 26. Oktober 2007 in der Amtszeit von Bischof Ludwig Schwarz im Linzer Mariendom stattfinden konnte.

 

V. l.: Bischof em. Ludwig Schwarz SDB, Bischof em. Maximilian Aichern OSB, Bischof Manfred Scheuer und die Jägerstätter-Töchter Maria Dammer und Aloisia Maier im Moviemento Linz.

V. l.: Bischof em. Ludwig Schwarz SDB, Bischof em. Maximilian Aichern OSB, Bischof Manfred Scheuer und die Jägerstätter-Töchter Maria Dammer und Aloisia Maier im Moviemento Linz. © Diözese Linz / Kraml

 

Extra aus den USA eingeflogen war Produzent Josh Jeter, der im Juni 2019 den Film in St. Radegund gezeigt hatte. Auch die in Wels geborene und in Bad Schallerbach aufgewachsene Schauspielerin Valerie Pachner (32), die im Film Franziska Jägerstätter verkörpert, und Karl Markovics – er spielt den Bürgermeister von St. Radegund – waren zur Premiere gekommen und gaben in einer Interviewrunde vor dem Filmstart Einblicke in die Dreharbeiten und die von ihnen verkörperten Charaktere.

Im Film wirken neben Valerie Pachner und Karl Markovics zahlreiche weitere heimische Schauspielgrößen mit, etwa Tobias Moretti (Pfarrer Fürthauer) und Sophie Rois. Die Rolle Franz Jägerstätters übernahm der deutsche Schauspieler August Diehl, der in Quentin Tarantinos Oscar-Film „Inglorious Basterds“ einen SS-Sturmbannführer mimte. Der im Februar 2019 verstorbene Bruno Ganz spielt einen NS-Richter. Gedreht wurde 2016 – damals noch unter dem Arbeitstitel „Radegund“ – in Südtirol (Brixen, Franzensfeste und Bergdörfer in den Dolomiten), in den Filmstudios Babelsberg in Potsdam, in der ostsächsischen Kreisstadt Zittau und – im August 2016 –auch zwei Tage lang im Jägerstätter-Haus in St. Radegund.

 

 

„Der Film macht Jägerstätter fast der ganzen Welt zugänglich“

 

Eingeleitet wurde die Filmvorführung durch eine hochkarätig besetzte Interviewrunde mit Bischof Dr. Manfred Scheuer, Jägerstätter-Tochter Maria Dammer, Jägerstätter-Biografin Dr.in Erna Putz, Franziska-Jägerstätter-Darstellerin Valerie Pachner und Schauspieler Karl Markovics. Es moderierten Dr. Andreas Schmoller, Leiter des Franz und Franziska Jägerstätter Instituts (FFJI) an der Katholischen Privat-Universität Linz, und OÖN-Kulturredakteurin Mag.a Nora Bruckmüller.

 

Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer hat sich in vielen wissenschaftlichen Artikeln und Büchern mit Franz Jägerstätter auseinandergesetzt und war Postulator im Seligsprechungsverfahren. Ihm wurde Franz Jägerstätter „durch viele Gespräche und Begegnungen“ vermittelt, wie er erzählte: etwa mit dem St. Radegunder Pfarrer Fürthauer, mit Mithäftlingen, vor allem auch mit Franziska Jägerstätter und der Familie. Im Zuge des Seligsprechungsverfahrens habe ihn, Scheuer, auch die Rolle von Bischof Fließer ausdrücklich beschäftigt, den Jägerstätter nach langem Ringen um die richtige Entscheidung um Rat fragte (und der Jägerstätter sagte, es stehe ihm als Familienvater nicht zu, zu entscheiden, ob der von Hitlerdeutschland geführte Krieg gerecht oder ungerecht sei, Anm.). „Hat die Kirche Franz Jägerstätter im Stich gelassen oder war die Kirchlichkeit bzw. war der Glaube für ihn letztlich das Fundament seiner Entscheidung? Auf die Frage, warum er diesen Weg gegangen ist, hat er Franziska einmal gesagt: ‚Weil sie – die Nazis – den Pfarrer so verfolgt haben.‘ In diesem Sinn war Kirche durchaus Lebensraum für Franz und auch für Franziska.“ Franz Jägerstätter habe mit seiner Entscheidung ganz grundlegende Fragen gestellt, betonte Scheuer: „Hast du in deinem Leben etwas gefunden, wofür es sich zu leben lohnt – vielleicht sogar groß genug, um dafür zu sterben?“ Jägerstätter habe das Leben und seine Familie sehr geliebt, sei aber dennoch in eine radikale Entscheidungssituation hineingeraten. Scheuer wörtlich: „Was heißt es da, Gott und auch der Wahrheit den Vorzug zu geben und damit vielen wehzutun? Hinter einer solchen Entscheidung stehen ja konkrete Menschen und Schicksale. Menschen, die vielleicht ein Leben lang daran zu tragen haben und vielleicht später einmal die Kostbarkeit dieser Entscheidung entdecken.“

 

Bischof Manfred Scheuer mit Jägerstätter-Biografin Erna Putz, Andreas Schmoller (Leiter Jägerstätter Institut KU Linz) und und Nora Bruckmüller (OÖN).

Bischof Manfred Scheuer mit Jägerstätter-Biografin Erna Putz (l.), Andreas Schmoller (Leiter Jägerstätter Institut KU Linz, 2. v. l.) und Nora Bruckmüller (OÖN, r.). © Diözese Linz / Kraml

 

Jägerstätter-Biografin Dr.in Erna Putz beschäftigt sich seit über 40 Jahren mit der Person Franz Jägerstätter. Ihre Arbeit hat wesentlich zur Seligsprechung Franz Jägerstätters beigetragen; der Briefwechsel zwischen Franz und Franziska, den sie in Buchform herausgegeben hat, war wichtige Grundlage für Malicks Film. Putz erinnerte sich im Interview an die Anfänge ihrer Auseinandersetzung mit Jägerstätter: „Franziska hat mir damals ein Heft gezeigt mit seinen Gefängnisaufzeichnungen – da ist mir der Gläubige, der Intellektuelle begegnet und aus dem Gespräch mit Franziska auch der Charmante und Liebenswürdige. Ich hab gedacht: Das war kein Narr. Er hatte eine Erfahrung mit Gott gemacht, das wollte ich weitergeben – und die Beziehung zu Franziska deutlich machen. Dass sie die Seligsprechung ihres Mannes noch erlebt hat, hat mich besonders gefreut – das hat ihr Auftrieb gegeben und noch glückliche Jahre geschenkt.“ Mit einem Film wie jenem von Terrence Malick habe sie nicht gerechnet, so Putz: „Ich freue mich sehr darüber und entdecke, welch große Kreise der Film zieht, wie viele Menschen dadurch auf Jägerstätter aufmerksam gemacht werden und in wie vielen Sprachen jetzt Interesse an seinen Schriften besteht. Der hervorragende Film macht Jägerstätter fast der ganzen Welt zugänglich. Und ich habe auch das Gefühl, er bewirkt etwas bei den Menschen. Es ist ein neues, ein spannendes Kapitel.“ Erna Putz streut Valerie Pachner Rosen für deren schauspielerische Leistung: „Franziska war ein besonderer Charakter: Sie war liebenswürdig, eher ruhig, stark und hat sich gut auf ihre Weise durchgesetzt. Ich freue mich sehr, dass Valerie Franziska nach meiner Einschätzung so gut ‚erwischt‘ hat – im Charme, in der Liebenswürdigkeit, in der Stärke.“

 

Andreas Schmoller (Leiter Jägerstätter Institut KU Linz, 2. v. l.) und Nora Bruckmüller (OÖN, r.) mit Bischof Manfred Scheuer und Jägerstätter-Biografin Erna Putz.

Erna Putz: "Dieser Film zieht Kreise." © Diözese Linz / Kraml

 

Die oberösterreichische Schauspielerin Valerie Pachner verkörpert in „A Hidden Life“ Franziska („Fani“) Jägerstätter auf sehr eindrückliche Art und Weise. Was ist für sie das Besondere an der Liebe zwischen Franz und Franziska Jägerstätter? „Bei den Dreharbeiten, ganz speziell in diesem Moment, wo sich die beiden im Gefängnis zum letzten Mal sehen, ist mir klar geworden, dass sie das jeweils allein nicht hätten machen können. Durch dieses Zusammensein, durch dieses Zu-zweit-Sein und in dieser Gemeinsamkeit ist eine ungeheure Kraft entstanden, die es ihnen ermöglicht hat, durchzugehen. Da ist mir wirklich bewusst geworden, wie viel so eine Art von Liebe bewirken kann und wie sehr das für die Herausforderungen, durch die sie gehen mussten, hilfreich war.“ Die Zusammenarbeit mit August Diehl, der Franz Jägerstätter spielt, hat Pachner sehr positiv in Erinnerung: „Meine Rolle war schon besetzt und dann haben wir fast ein halbes Jahr den Franz gesucht. Verschiedene Männer kamen zum Casting – und in dem Moment, als August hereinkam und wir zum ersten Mal eine gemeinsame Szene gespielt haben, war sofort klar: Er ist es. Diese Beziehung war plötzlich da. Bei dieser Arbeitsweise, die von sehr viel Freiheit und von sehr viel Improvisation geprägt war, musste man sich sofort hineinstürzen in diese Beziehung, in diese Situation. Das war das Tolle mit August Diehl: dass das ganz einfach und unkompliziert war und man gar nicht groß nachdenken musste. Das habe ich sehr geschätzt.“

 

Schauspielerin Valerie Pachner mit Schauspieler Karl Markovics, Nora Bruckmüller (OÖN) und Andreas Schmoller (Leiter Jägerstätter Institut KU Linz).

Schauspielerin Valerie Pachner: "Mir ist bewusst geworden, wie viel so eine Art von Liebe bewirken kann." © Diözese Linz / Kraml

 

Schauspieler Karl Markovics verkörpert im Film den Bürgermeister von St. Radegund. Während der „echte“ Bürgermeister Jägerstätter gedeckt und ihm geholfen habe, sei der Filmcharakter „viel expliziter auf der Seite der Nationalsozialisten, viel expliziter ideologisch gefärbt“, wie Markovics betonte. Der Bürgermeister sei ein „Beispiel eines Menschen, der auf der einen Seite überzeugt ist, dass es die richtige Entscheidung ist, und der auf der anderen Seite auch ein Nutznießer ist, weil es plötzlich wieder Arbeit gibt, weil es plötzlich wieder Fortschritt gibt, weil es plötzlich wieder etwas gibt, woran man glauben kann, weil der alte, traditionelle Glaube verlorengegangen ist.“ In diesem Konflikt spiele sich der Film ab: auf der einen Seite der wahre, der göttliche Glaube, auf der anderen Seite der Glaube an etwas Materielles, Politisches „und wie sehr man sich zwischen diesen beiden Polen bewegt oder jeder seine Stelle bekennen muss“, erläuterte Markovics.

 

Schauspieler Karl Markovics, Nora Bruckmüller (OÖN), Franziska-Darstellerin Valerie Pachner und Andreas Schmoller (Leiter Jägerstätter Institut KU Linz)

Schauspieler Karl Markovics, im Film der Bürgermeister von St. Radergund. © Diözese Linz / Kraml

 

Jägerstätter-Tochter Maria Dammer hat den Film mit ihren beiden Schwestern Aloisia Maier und Rosalia Sigl schon mehrfach gesehen. Sie hat auch die Dreharbeiten im Jägerstätterhaus in St. Radegund besucht, wie sie sich erinnert: „Da haben sie gerade die Szene im Schlafzimmer gedreht. Und da hab ich die Valerie frisiert und ihr einen Knoten gemacht, wie ihn die Mutter immer gehabt hat.“ Diese Begegnung war der Beginn einer Beziehung, deren Innigkeit auch bei der Oberösterreich-Premiere des Films spürbar wurde. Für Maria Dammer ist der Film „sehr gut gemacht“. Manche Szenen anzuschauen sei für sie und ihre Schwestern sehr schlimm – „die Liebesgeschichte am Anfang des Films ist natürlich erfreulicher“, so Dammer mit einem Lächeln.

 

Innig verbunden: Schauspielerin Valerie Pachner, die im Film Franziska Jägerstätter verkörpert, und Jägerstätter-Tochter Maria Dammer (mit Andreas Schmoller, Leiter Jägerstätter Institut KU Linz).

Innig verbunden: Schauspielerin Valerie Pachner, die im Film Franziska Jägerstätter verkörpert, und Jägerstätter-Tochter Maria Dammer (mit Andreas Schmoller, Leiter Jägerstätter Institut KU Linz). © Diözese Linz / Kraml

 

Besser die Hände gefesselt als der Wille

 

Der 173 Minuten dauernde Film zeigt in bewegenden und poetischen Bildern das Ringen des Landwirts und Familienvaters Franz Jägerstätter (geboren am 20. Mai 1907 in St. Radegund) um die richtige Entscheidung aus dem Glauben in der NS-Zeit: Er liebt seine Frau Franziska und seine drei Töchter Rosalia (*1937), Maria (*1938) und Aloisia (*1940) über alles, kann aber nicht gegen sein Gewissen handeln. Viele wollen Jägerstätter davon überzeugen, seinen Widerstand gegen das Nazi-Regime aufzugeben und im Krieg zu kämpfen – von wohlmeinenden Freunden bis zum Dorfpfarrer, dargestellt von Tobias Moretti („Unseren Gott interessiert nicht, was du sagst, sondern nur, was du im Herzen trägst. Leg den Eid ab.“). „Denk an deine Familie. Dein Opfergang würde für niemanden gut sein“, hört Jägerstätter im Film immer wieder. Der Bürgermeister, gespielt von Karl Markovics, schleudert ihm wutentbrannt entgegen: „Du bist ein Verräter!“

 

Sein innerer Kampf und sein Ringen, das er mit Franziska teilt, führt Franz Jägerstätter schließlich zu einer Gewissensentscheidung, die ihn das Leben kostet. „Besser die Hände gefesselt als der Wille“ – dieses Zitat aus einem seiner letzten Briefe aus dem Gefängnis an seine Frau, das auch im Film vorkommt, bringt die Haltung Franz Jägerstätters auf den Punkt: Gott hat dem Menschen einen freien Willen gegeben, damit er die richtige Entscheidung trifft und Gut von Böse unterscheidet. Franz weigert sich aus Glaubensgründen, mit der Waffe für das Nazi-Regime in den Krieg zu ziehen – Christentum und Nationalsozialismus sind für ihn unvereinbar. Seine Frau Franziska bestärkt ihn bis zuletzt in dieser Entscheidung – und erhält dafür zunehmend den Vorwurf, sie sei schuld daran, dass er sich so verändert habe, so religiös geworden sei. Beide werden dafür von der Dorfgemeinschaft angefeindet und zunehmend isoliert, was im Film auf schmerzhafte Weise spürbar wird. Franz Jägerstätter wird vom Reichskriegsgericht in Berlin wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tod verurteilt und am 9. August 1943 in Brandenburg/Havel enthauptet. Franziska am Ende des Films: „Es wird eine Zeit kommen, in der wir wissen, wofür das alles gut ist. Es wird keine Rätsel mehr geben. Wir werden wissen, warum.“

 

Dialoge werden im Film sparsam eingesetzt, aus dem Off erklingen markante Zeilen aus dem Briefwechsel von Franz und Franziska Jägerstätter, die die innige Beziehung des Ehepaares verdeutlichen. Die oft verzweifelten, aber vertrauensvollen Gebete der beiden zu Gott in vielen Szenen bringen zum Ausdruck, dass ihre Liebe zueinander von einem tiefen Glauben getragen ist, der ihnen die Kraft gibt, die Entscheidung gemeinsam durchzuhalten. So betet Franziska einmal sehr berührend: „Du liebst ihn mehr als ich. Gib ihm Mut, Weisheit, Kraft.“ Und Franz schreibt vor seiner Hinrichtung in seinem letzten Brief an die Familie: „Mit Gottes Gnade werden wir uns bald wiedersehen. Ich bete für euch von der anderen Seite.“

 

Der Film wurde bei den 72. Filmfestspielen in Cannes im Mai 2019 von der Jury mit dem „Ökumenischen Filmpreis“ ausgezeichnet. Dieser Preis wird seit 1974 an einen Film aus dem Wettbewerbsprogramm vergeben, der sich in besonderer Weise den christlich-spirituellen Dimensionen menschlicher Existenz verpflichtet weiß. In ihrer Preisbegründung lobte die Jury nicht nur die differenzierte Darstellung des menschlichen Dramas von Franz und Franziska Jägerstätter, sondern hob auch den Umgang mit dem Gewissensthema hervor. Der Film vermittle eine Ahnung davon, dass die innere Richtschnur im Extremfall keine Rücksicht auf konkrete materielle oder gesellschaftliche Bedingungen nehme, so die Jury.

 

Szene aus 'Ein verborgenes Leben' mit Valerie Pachner und August Diehl

Szene aus "Ein verborgenes Leben" mit Valerie Pachner und August Diehl. © Iris Productions

 

Ein Leben, das nicht verborgen blieb

 

Im Film wollen Nazi-Schergen Jägerstätter immer wieder klarmachen, dass seine Verweigerung sinnlos ist, dass von seinem Akt des Widerstands keine Wirkung ausgehen wird, dass niemand von seinen Taten erfahren wird. Auch der NS-Richter im Reichskriegsgericht in Berlin – gespielt von Bruno Ganz – fragt Jägerstätter: „Bilden Sie sich ein, dass etwas, was Sie tun, den Lauf des Krieges ändern wird? Dass außerhalb dieses Gerichts jemand von Ihnen hören wird?“ Darauf spielt auch der Titel des Films an: „A Hidden Life“ – „Ein verborgenes Leben“. Der Filmtitel ist einem Text der britischen Autorin George Eliot entnommen:

 

„Das Wachstum des Guten in der Welt hängt in gewissem Grade von unhistorischen Taten ab, und dass die Dinge für dich und mich nicht so schlecht bestellt sind, wie sie es hätten sein können, verdanken wir zum großen Teil jenen, die getreulich ein Leben im Verborgenen gelebt haben und in Gräbern ruhen, die niemand besucht.“

 

(„The growing good of the world is partly dependent on unhistoric acts; and that things are not so ill with you and me as they might have been, is half owing to the number who lived faithfully a hidden life, and rest in unvisited tombs.“)

 

Jägerstätters Leben und seine Geisteshaltung blieben nicht verborgen. Am 7. Mai 1997, 54 Jahre nach Jägerstätters Hinrichtung, wurde vom Landgericht Berlin das Todesurteil gegen Jägerstätter aufgehoben. Die Aufhebung kommt einem Freispruch gleich und bedeutet moralische und juristische Rechtfertigung seiner Handlung. Ab 1989 wurden im Auftrag des damaligen Diözesanbischofs Maximilian Aichern Personen, die Jägerstätter kannten, als Zeugen einvernommen. Nach Unterstützung durch die Österreichische Bischofskonferenz, eine historisch-theologische Kommission und das Linzer Domkapitel wurde 1997 offiziell der Seligsprechungsprozess für Franz Jägerstätter eröffnet, am 21. Juni 2001 auf diözesaner Ebene abgeschlossen und die Akten der Selig- und Heiligsprechungskongregation übergeben. Postulator des Seligsprechungsverfahrens war Manfred Scheuer, damals noch Bischof von Innsbruck. Der Vatikan bestätigte am 1. Juni 2007 offiziell das Martyrium von Franz Jägerstätter. Die Seligsprechung erfolgte am 26. Oktober 2007 unter Bischof Ludwig Schwarz im Linzer Mariendom.

 

Bis heute ist Jägerstätter Vorbild in der Übernahme von persönlicher Verantwortung im Angesicht des Bösen. Er hat sich auch in Gefangenschaft und im Angesicht des Todes die innere Freiheit bewahrt. Malicks Film löst weltweit neues Interesse an Franz Jägerstätter aus. Die Biografie wird in weitere Sprachen übersetzt; in renommierten Medien wie der „New York Times“ und „Le Figaro Histoire“ wurde vor Kurzem ausführlich über den Film und Franz Jägerstätter berichtet.

 

Franziska Jägerstätter hat ihren Mann um 70 Jahre überlebt. Sie starb am 16. März 2013, wenige Tage nach ihrem 100. Geburtstag. Dr. Manfred Scheuer beschrieb noch als Bischof von Innsbruck in einer Predigt Franziska Jägerstätter folgendermaßen: „Wir verdanken Franziska Jägerstätter in gewisser Weise Franz Jägerstätter. Sicher war es sein ureigener Weg in der Einsamkeit seiner Gewissensentscheidung. Und doch: Sie war zunächst religiös die Aktivere; sie hat die Melodie Gottes in sich aufgenommen. So ist für Franz der Wille Gottes auch durch Franziska vermittelt worden. Wenn sie nicht zu ihm gehalten hätte, dann hätte er niemanden gehabt. Sie war wichtig für ihn, dass er so geworden ist.“

 

 

„Ein verborgenes Leben“ in den oö. Kinos

 

Ab 31. Jänner läuft der Film „Ein verborgenes Leben“ über den seligen Franz Jägerstätter in den heimischen Kinos an. Der Film wird auf jeden Fall in folgenden Kinos zu sehen sein:

 

- Linz | Moviemento (https://www.moviemento.at/)

- Wels | Starmovie (https://www.starmovie.at/)

- Wels | Programmkino (https://www.programmkinowels.at/)

- Steyr | Starmovie (https://www.starmovie.at/)

- Steyr | Citykino (https://www.kino-steyr.at/)

- Ried | Starmovie (https://www.starmovie.at/)

- Regau | Starmovie (https://www.starmovie.at/)

- Lenzing | Lichtspiele (http://www.lichtspiele.com/)

 

Mehr Infos zum Film unter

www.filmladen.at/ein-verborgenes-leben

 

 

Jägerstätter-Filmtag der KirchenZeitung

 

Die KirchenZeitung bietet für ihre LeserInnen am Dienstag, 11. Februar 2020 von 16.00 bis 22.00 Uhr einen Filmtag mit Podiumsgespräch zu „Ein verborgenes Leben“ an. Begonnen wird mit der Filmvorführung im Moviemento Linz. In der Pause wird an die Katholische Privat-Universität gewechselt. Danach werden am Podium Filmkritiker Markus Vorauer, Andreas Schmoller (Leiter Franz und Franziska Jägerstätter Institut) und Gabriele Eder-Cakl (Theologin und Pastoralamtsdirektorin) mit KiZ-Redakteur Josef Wallner (Moderator) über den Film und Jägerstätters Leben und Wirken diskutieren.

 

Organisation & Infos zum Filmtag:
KiZ-Redakteurin Elisabeth Leitner.
Anmeldung unbedingt erforderlich unter 0732 76 10-3944 (bis 31. Jänner).
Kino-Eintritt ermäßigt für KiZ-AbonnentInnen bzw. mit KiZ-Vorteilskarte: € 8,–.

 

Details auf der Website der KirchenZeitung 

 

 

Lesen Sie auch in der KirchenZeitung:

Erfahren Sie mehr rund um Schauspielerin Valerie Pachner "Im Porträt".

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