Monday 26. August 2019

Seligsprechung von Hildegard Burjan am 29. Jänner 2012

Christin, Parlamentarierin, als Gründerin einer Ordensgemeinschaft und im Einsatz gegen soziale Nöte

Die Seligsprechung der Wiener Sozialpionierin und Gründerin der Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis, Hildegard Burjan, rückt näher. Die Caritas Socialis hat jetzt einen Fahrplan bekanntgegeben, der vor der eigentlichen Seligsprechungsfeier mit Kurienkardinal Amato am 29. Jänner im Wiener Stephansdom auch eine Pressekonferenz mit Kardinal Schönborn am 22. Jänner und eine hochkarätig besetzte Diskussion im Wiener Rathaus am 24. Jänner vorsieht.

 

Schönborn nannte die Seligsprechung Burjans in einem Interview mit kirchlichen Medien kurz vor Weihnachten "ein ganz starkes Zeichen für die Katholiken in Österreich". Burjan sei ein großes Vorbild als Frau, Christin, Parlamentarierin, als Gründerin einer Ordensgemeinschaft und im Einsatz gegen soziale Nöte.

 

Bei einer Pressekonferenz am Montag, 22. Jänner, um 9.30 Uhr im Club Stephansplatz 4 (Stephansplatz 4, 1010 Wien) wird Kardinal Schönborn noch ausführlicher zu der bald Seligen Stellung nehmen. Weiters zu Wort kommen Prof. Ingeborg Schödl - sie ist Vizepostulatorin im Seligsprechungsverfahren und Vorsitzende des Hildegard-Burjan-Komitees - und Sr. Maria Judith Tappeiner CS, die Generalleiterin der Caritas Socialis.

 

Die Diskussionsveranstaltung am Dienstag, 24. Jänner, um 18.30 Uhr in der Volkshalle des Wiener Rathauses trägt den Titel "Sozial engagiert - woraus motiviert? und wird vom Fonds Soziales Wien und der Caritas Socialis gemeinsam veranstaltet. Für den Einführungsvortrag ("Wie sozial kann Politik in Zeiten der Wirtschaftskrise sein?") sorgt der Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien, Prof. Christoph Badelt. Im Anschluss daran diskutieren die Wiener Stadträtin Sonja Wehsely, Volksanwältin Terezija Stoisits, der Leiter der Katholischen Sozialakademie, P. Alois Riedlsperger SJ, "VinziRast"-Leiterin Cecily Corti, der Vorsitzende des Mauthausen-Komitees, Willi Mernyi, sowie die Schulsprecherin des Wiener Gymnasiums Sacre Coeur, Therese Schaffer, über die heutigen Implikationen des Erbes von Hildegard Burjan. Eine Anmeldung für die Diskussion ist erforderlich per E-Mail karin.weiler@cs.or.at.

 

Am Sonntag, 29. Jänner, erfolgt um 15 Uhr die Seligsprechung Hildegard Burjans im Rahmen einer Eucharistiefeier im Stephansdom. Papst Benedikt XVI. hat den Präfekten der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen, Kurienkardinal Angelo Amato, mit diesem feierlichen Akt beauftragt. Die Gläubigen sind zur Mitfeier der Liturgie und zur anschließenden Agape am Stephansplatz herzlich eingeladen. Der Festgottesdienst wird auf ORF III und ORF Wien Regional übertragen.

 

Tags darauf, am Montag, 30. Jänner, folgt um 18.30 Uhr die erste feierliche Eucharistiefeier zu Ehren der Seligen Hildegard Burjan. Geleitet wird sie von Kardinal Schönborn in der Servitenkirche der Pfarre Rossau (Servitengasse 9, 1090 Wien). Anschließend werden die Reliquien Hildegard Burjans in die nach ihr benannte Kapelle in den Räumen der Caritas Socialis (Pramergasse 9, 1090 Wien) übertragen.

 

 

Kämpferin für Gleichberechtigung

 

Hildegard Burjan. © Caritas Socialis

Hildegard Burjan war eine der großen Gestalten der christlichen Frauenbewegung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Am 30. Jänner 1883 als Hildegard Freund im sächsischen Görlitz in eine liberale jüdische Familie geboren, studierte sie in Zürich Literatur und Philosophie und in Berlin Sozialwissenschaft. Im Jahr 1907 heiratete sie den gebürtigen Ungarn Alexander Burjan. Nach Heilung von einer schweren Krankheit konvertierte sie zur katholischen Kirche.

 

Burjan setzte sich entschieden für die Gleichberechtigung der Frau, für die Bekämpfung der Kinderarbeit und für die Überwindung sozialer Missstände ein. Viele soziale Rechte für Frauen und Kinder, die heute selbstverständlich sind, gehen auf ihre Initiative zurück. Zu ihren wichtigsten politischen Forderungen zählte schon damals "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" für Frauen.

 

1912 gründete Burjan den "Verband der christlichen Heimarbeiterinnen" und 1918 den Verein "Soziale Hilfe". Als Frauen 1919 erstmals das aktive und passive Wahlrecht ausüben konnten, zog Burjan als erste christlich-soziale Abgeordnete in das österreichische Parlament ein. Am 4. Oktober 1919 gründete sie die Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis, mit dem Auftrag, soziale Not der Zeit zu erkennen und zu lindern.

 

Als große Ausnahme in der neueren Ordensgeschichte war Hildegard Burjan zugleich Oberin ihrer Gemeinschaft, Ehefrau (eines der führenden Industriellen seiner Zeit) und Mutter einer Tochter. Zugleich war sie die Beraterin führender Politiker der Ersten Republik, so von Bundeskanzler Prälat Ignaz Seipel und Engelbert Dollfuß.

 

Obwohl sie nur kurze Zeit dem Parlament angehörte, galt sie schon bald als dessen "Gewissen". Die tief religiöse Hildegard Burjan stellte sich dem Elend großer gesellschaftlicher Schichten und verschloss vorJugendkriminalität, Verwahrlosung und Prostitution nie die Augen. Dadurch erwarb sie sich auch den Respekt sozialdemokratischer Politiker.

 

Als im Jahr 1920 Neuwahlen anstanden, zog sich Burjan aus Rücksicht auf ihre stark angeschlagene Gesundheit und wegen der zunehmenden antisemitischen Strömungen auch innerhalb ihrer Partei aus dem Parlament zurück, blieb aber weiter politisch aktiv. Hildegard Burjan starb am 11. Juni 1933 an einem schweren Nierenleiden.

 

 

Rund 100 Heilige und Selige aus Österreich

 

Burjan zählt künftig zu jenen rund 100 Katholiken aus Österreich, die vom Papst zu Heiligen oder Seligen ernannt worden sind. Zudem sind derzeit knapp 20 weitere Seligsprechungsverfahren der katholischen Kirche für (Alt-)Österreicher im Gange.

So laufen Seligsprechungsprozesse etwa für den Linzer Bischof Franz Joseph Rudigier (1811-1884), den Heiligenkreuzer Abt Karl Braunstorfer (1895-1978), den Initiator der Friedensgebetsbewegung "Rosenkranz-Sühnekreuzzug", P. Petrus Pavlicek (1902-1982), sowie die Ordensgründer Sr. Franziska Lechner (1833-1894) und Abbé Victor Braun (1825-1882). Weitere Verfahren gibt es u.a. für die letzte österreichische Kaiserin und Königin von Ungarn, Zita von Bourbon-Parma (1892-1989), die als "Engel von Auschwitz" bekannte 
Trinitarierin Angela Autsch (1900-1944), den Missions-Abt Franz Pfanner (1825-1909) und den Sozialethiker Johannes Messner (1891-1984). 


(Quelle: Kathpress, gec)

www.hildegardburjan.at

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