Montag 12. November 2018

NS-Zeit-Aufarbeitung anderswo

Passage gegen das Vergessen – Kunstprojekt in St. Georgen/Gusen

Die Berliner Künstlerin Renate Herter übergab am 29.11.2013 das Kunstprojekt „Passage gegen das Vergessen“ an die Bevölkerung der Pfarre St. Georgen/Gusen. Das Projekt ist Teil der Denk.Statt.Johann Gruber. Es wurde seit März 2013 in fünf Etappen am und rund um den Kirchenplatz umgesetzt.

 

Auf dem Pfarrplatz wurden die Blumentrögen entfernt und das Pfarrheim erhielt einen neuen Namen: Johann-Gruber-Pfarrheim. Drei Monate lang war das Kriegerdenkmal verhüllt. Dafür würde auf den Kirchenplatz eine weiße Textzeile gemalt. Sie führt zu einer Holzterrasse, von deren ursprünglichem Metall-Geländer ein Teil entfernt wurde. Geländer-Ersatz ist eine Platte aus Glas. Sie trägt eine Inschrift, die hinweist auf die Lager Gusen I, Gusen II und die Stollenanlage „Bergkristall“. Außerhalb der Glasplatte errichteten die St. GeorgnerInnen ein Spiegelsteg. Der Steg lenkt den Blick in Richtung der beiden ehemaligen Lager Gusen I und II und auf die Stollen - und ist kaum zu sehen, denn er ist allseitig verspiegelt. Doch spiegelt der Steg kleinste Veränderungen des Lichts, des Wetters, der Landschaft, der Menschen. Das ist das Projekt „Passage gegen das Vergessen“.

Am Freitag, 29.11.2013 übergab die Künstlerin das Kunstprojekt an die St. Georgener Pfarrbevölkerung. In seinen Begrüßungsworten ging Pfarrer Franz Wöckinger auf Gruber als Priester ein, der auch unter den widrigen Bedingungen des Konzentrationslagers – und trotz Verbot – seinem Dienst als Seelsorger und Lehrer nachgekommen ist. Johann Gruber war daher auch ein Priester der Pfarre St. Georgen/Gusen. Seiner im Umfeld der Pfarrkirche und des Pfarrheimes zu gedenken, sei daher nur konsequent. 

Personen der Pfarrgemeinde formulierten ihre Gedanken und Eindrücke zu den einzelnen Interventionsschritten. 

Dr. Christoph Freudenthaler, der Vorsitzende vom Verein Plattform Johann Gruber, nahm Bezug auf die zeitweise Verhüllung des Kriegerdenkmals. „In der Bevölkerung hat das unterschiedliche Reaktionen ausgelöst: Ablehnung und Unverständnis, aber auch Nachdenklichkeit. Eine neue Sicht in den unzähligen Gesprächen prägte die letzten Monaten – auf die Person Johann Gruber; auf die Verwobenheit des Ortes mit den Ereignissen während der NS-Zeit. So ist es zu wertvollen Diskussionen über die Zusammenhänge von Krieg, Wehrmacht und den unmenschlichen Konzentrationslagern in der Pfarre St. Georgen/Gusen gekommen. 

Dr.in Martina Gelsinger vom Kunstreferat der Diözese Linz, würdigte das Kunstprojekt als Denkanstoß, der von engagierten Pfarrmitgliedern ausgegangen sei und von Renate Herter sorgfältig und behutsam umgesetzt worden wäre. 

Die Künstlerin Renate Herter bedankte sich für die gute Zusammenarbeit und übergab ihr Kunstwerk als nicht abgeschlossenes Instrument des Gedenkens. 

Dankesworte an die Kuratorin Mag.a Dagmar Höss gab es zum Schluss der Feier, die auf dem Kirchenplatz stattfand. Für die Musik sorgte das Saxophonensemble unter der Leitung von Philipp Haider. Viele der ungefähr 100 BesucherInnen wärmten sich im Anschluss bei der „Gruber Suppe“ im Johann Gruber Pfarrheim.

 

Mehr zum Kunstprojekt auf der Homepage der Diözese Linz ...


Quelle: Monika Weilguni, Andreas Haider
(ma)

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