Monday 25. October 2021

info 130 / Juni 2021

Arbeitslos... auch die Psyche braucht Hilfe!

Psychotherapeutische Betreuung für arbeitslose Menschen ausbauen und finanzieren

„Psychotherapie? So was brauche ich nicht!“


Psychotherapie benötigen nur Menschen mit schweren psychische Störungen – das ist eine weit verbreitete Meinung, die der Psychotherapie aus unserer Sicht nicht gerecht wird. Im Jugendprojekt JU-CAN wird sie entweder als Therapie für Menschen, die Leidensdruck aufgrund einer seelischen Störung verspüren, eingesetzt oder als Instrument der Aufrechterhaltung der psychischen Gesundheit. 


Psychotherapie kann mehr
Ziel der Psychotherapie ist es, seelisches Leid zu lindern oder zu heilen, in Lebenskrisen zu unterstützen, gestörte Verhaltensweisen und Einstellungen zu verändern und die Reifung, Entwicklung und Gesundheit der Behandelten zu fördern (vgl. Psychotherapiegesetz 1990). Im Psychotherapiegesetz ist klar verankert, dass Psychotherapie mehr sein soll als reine Behandlung bei schweren psychischen Leiden. 

 

„Der Therapeut is´ a Maschin´. Nach a boa Minuten hat er gewusst warum i so aggressiv bin.“

Andreas, Teilnehmer im Jugendprojekt JU-CAN

 

Psychotherapie und JU-CAN
Bei JU-CAN finden Jugendliche und junge Erwachsene in unterschiedlichsten Lebenssituationen mit vielfältigen Vorerfahrungen für 12 Monate einen Platz zur Nachreifung, Weiterentwicklung und Stabilisierung und können so die nächsten Lebensschritte planen. Dabei werden sie von einem multiprofessionellen Team begleitet. Die Vorerfahrungen beinhalten nicht nur wünschenswerte Erlebnisse und Erfahrungen, sondern auch Belastendes, Schweres, Bedrückendes – Erfahrungen, die diese jungen Menschen nachhaltig geprägt und in ihrer Entwicklung beeinflusst haben und weiterhin beeinflussen. Die Folgen solcher Erfahrungen resultieren u. a. in Abhängigkeiten, gesteigerten Aggressionen gegen sich selbst oder andere, sozialem Rückzug, posttraumatischen Belastungsstörungen, Unsicherheit im Umgang mit anderen Menschen, Probleme beim Vertrauensaufbau, häufigen Beziehungsabbrüchen bis hin zu Versuchen, das eigene Leben zu beenden. All diese Facetten haben verständlicherweise großen Einfluss auf den Alltag, das Wohlbefinden und das emotionale Erleben der TeilnehmerInnen ebenso wie auf die Fähigkeit ihre Potenziale zu entwickeln und dauerhaft einer Erwerbstätigkeit nachzugehen oder eine Ausbildung zu machen. Aus dieser Erfahrung heraus und dem dringenden Anliegen der TrainerInnen sich diesen oft versteckten „Hintergrundthemen“ fundiert widmen zu können, hat JU-CAN das Angebot um die psychotherapeutische Unterstützung erweitert.

 

„Im niederschwelligen Therapieangebot im Jugendprojekt JU-CAN wird individuell auf die Bedürfnisse der Jugendlichen eingegangen. Ich versuche den Selbstwert zu stärken und die Wahrnehmung der eigenen Person positiver zu gestalten.“

Lisa Paulowitsch-Laskowski, Psychotherapeutin in Ausbildung unter Supervision im Jugendprojekt JU-CAN

 

Wichtige Ergänzung unserer Arbeit
Die psychotherapeutische Begleitung ist eine wichtige Ergänzung, um eine nachhaltige Veränderung bestmöglich unterstützen zu können. Wir bieten unseren Teilnehmenden seit Jänner 2021 einerseits die Möglichkeit sich im geschützten Einzelsetting mit ihren individuellen Themen auseinanderzusetzen und andererseits Gruppensettings zur Psychoedukation oder zum offenen Austausch. 

 

„Psychotherapie? Sowas brauch i nicht – Ich hab´ ja keinen Vogl!

Rebecca, Teilnehmerin im Jugendprojekt JU-CAN

 

Berührungsängste abbauen
Ziele für die Teilnehmenden sind es Zugangshürden und Berührungsängste abzubauen, ein Bewusstsein für den Wert von Psychotherapie zu schaffen und dass Psychotherapie nicht etwas ist, was nur schwer psychisch kranke Menschen benötigen. Jeder Mensch kommt irgendwann in seinem Leben in Situationen oder Krisen, in denen Psychotherapie unterstützen, begleiten und stabilisieren kann. Wir möchten unseren Teilnehmenden eine positive Erfahrung mitgeben, auf die sie vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt im Leben wieder zurückgreifen können. Dann holen sie sich hoffentlich selbstständig Hilfe, um z.B. eine schwere Krise, Burnout etc. rechtzeitig abzufedern oder destruktive Verhaltensweise zu verändern.

 

„Besondere Aufmerksamkeit bei Jugendlichen gilt deren möglichen Beziehungsstörungen, Ich-Funktionsstörungen und eventuellen kognitiven Störungen. Nur deren nachhaltige Besserung führt zu einer ausreichenden Belastbarkeit für die Anforderungen des Erwerbslebens.“

Herbert Heckmann, Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision im Jugendprojekt JU-CAN

 

 

Katja Kloimstein, Fachtrainerin Jugendprojekt JU-CAN

Katja Kloimstein BA, MA, Fachtrainerin im Jugendprojekt JU-CAN

 

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