Saturday 8. May 2021

Hunderttausende arbeitslose Menschen in Österreich brauchen unsere Solidarität

Wie schauen die Regierungspläne aus, um die Rekordarbeitslosigkeit zu bewältigen?

Im Interview mit Arbeitsminister Dr. Martin Kocher

 

Die Zahl arbeitsloser Menschen ist im Vergleich zum letzten Jahr um 25 bis 30 Prozent höher. Welche Maßnahmen werde Sie forcieren, damit die vielen arbeitslosen Menschen wieder eine berufliche Perspektive haben und die Arbeitslosigkeit auf ein unvermeidbares Ausmaß reduziert wird?

 

Dr. Kocher:

Aktuell geht es darum, die Krise zu bewältigen. Da ist die Kurzarbeit das Kriseninstrument, mit dem wir eine Unterauslastung überbrücken und die Menschen in Beschäftigung halten. Je mehr Jobs wir jetzt sichern, umso schneller gelingt es uns im Aufschwung, weitere Jobs zu schaffen und zurückzuholen. Zudem ist es wichtig, neben den aktuellen Maßnahmen in die Zukunft der Arbeit zu investieren. Qualifizierung ist jetzt der Schlüssel, um für den Aufschwung vorbereitet zu sein. Deshalb investieren wir dieses und nächstes Jahr 700 Millionen in Qualifikationsmaßnahmen im Rahmen der Corona-Joboffensive. Der Schwerpunkt der Ausbildungen liegt in den Bereichen Umwelt, MINT (Fachbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), Pflege und Digitalisierung.

 

Die Jugendarbeitslosigkeit ist durch die Corona-Krise stark angestiegen. Seit den 1980er Jahren haben sich die Lehrstellen um 45 Prozent reduziert. Erst in den letzten Jahren steigt die Zahl wieder leicht an, gleichzeitig wird ein Fachkräftemangel beklagt. Was werden Sie unternehmen, um Betriebe zu motivieren, wieder mehr Lehrlinge aufzunehmen? 

 

Dr. Kocher:

Die Situation von Jugendlichen am Arbeitsmarkt beobachten wir besonders genau, das ist mir auch ein persönliches Anliegen. Die Jugendarbeitslosigkeit steigt in Österreich derzeit unterdurchschnittlich, im EU-Vergleich zählen wir zu den besten Ländern. Dennoch wirkt sich die Pandemie natürlich auch auf die Jugendbeschäftigung aus. Wir tun hier sehr viel und haben in ressortübergreifender Zusammenarbeit das Angebot für Jugendliche in vielen Bereichen aufgestockt. Die Taskforce für Jugendbeschäftigung koordiniert seit letztem Sommer dieses Angebot. Im vergangenen Jahr ging es insbesondere darum, ein ausreichendes Angebot an Maßnahmen bereitzustellen. Wir haben daher Schulplätze, niederschwellige Vorbereitungmaßnahmen, Beratungsangebote und Lehrausbildungsplätze aufgestockt. Jetzt geht es darum, die Jugendlichen bestmöglich mit diesem Angebot zu erreichen.

 

Die Verfestigung von Arbeitslosigkeit war auch bisher ein Problem in Österreich, durch die Corona-Krise verschärfte sich die Situation. Besonders ältere Arbeitssuchende (mit oder ohne gesundheitlichen Einschränkungen) haben es besonders schwer. Welche Angebote werden Sie initiieren, damit ältere und langzeitarbeitslose Menschen wieder eine geeignete Beschäftigung finden können?

 

Dr. Kocher:

Es ist richtig, dass Menschen, die schon vor der Krise über längere Zeit beschäftigungslos waren, es jetzt in der Krise besonders schwer haben. Wir werden auch für diese Menschen noch mehr Angebote brauchen, wenn sich die wirtschaftliche Situation wieder verbessert. Ich denke hier an gezielte Beschäftigungsmaßnahmen, die langzeitarbeitslosen Menschen eine Perspektive möglichst am ersten Arbeitsmarkt bietet. Die aktive Arbeitsmarktpolitik hält auch jetzt schon zahlreiche Angebote für Langzeitbeschäftigungslose bereit, die teilweise aufgestockt oder neu konzipiert wurden: Sozialökonomische Betriebe, insbesondere in der Kreislaufwirtschaft, sozialökonomische Überlassung, Eingliederungsbeihilfen inklusive Sonderprogramme für administrative Kräfte in Schulen, gemeinnützige Beschäftigungsprojekte inklusive gemeindenaher Programme im Bereich Corona-Management, ebenso wie Beratungs- und Betreuungseinrichtungen.

 

 

Download info 129 / März 2021
 

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