Monday 30. November 2020

Arbeitslosigkeit in Zeiten von Corona und danach

Durch den Lockdown im März war neben Gesundheit auch Arbeitslosigkeit ein einschneidendes Thema. Mit über 2 Millionen – 600.000 arbeitslose Menschen und 1.400.000 in Kurzarbeit – war mehr als die Hälfte der unselbstständig Erwerbstätigen unmittelbar davon betroffen. 

Hinzu kommen noch zahlreiche Klein- oder EinzelunternehmerInnen, die keine Arbeit und auch kein Einkommen hatten. Bereits vor der Krise waren über 400.000 Menschen auf der Suche nach einem Arbeitsplatz und der Höchststand, mit voraussichtlich über 700.000 arbeitslosen Menschen, zeichnet sich für kommenden Winter ab.
Hunderttausende Menschen suchten auch in den letzten Jahren schon händeringend nach einen passenden Arbeitsplatzt, nur konnten sie oftmals die enorm gestiegenen Erwartungen der Betriebe nicht erfüllen. Aktuell sind beim AMS deutlich weniger offene Stellen gemeldet und die vor allem nur in wenigen Branchen (Lager, Pflege, …).
Große finanzielle Einbußen bis hin zur Existenzgefährdung, Unsicherheit bei den von Kurzarbeit betroffenen, Zukunftsängste bei den nun arbeitslos gewordenen und Aussichtslosigkeit bei den schon länger arbeitssuchenden Menschen sind vorherrschende Problemlagen. Sorgen bereitet uns die gesellschaftspolitische Tendenz, die bereits schon vor der Krise begann, anstatt Arbeitslosigkeit als strukturelles Problem zu sehen, dieses immer mehr zu individualisieren, als läge es an den Betroffenen persönlich, dass sie keinen Arbeitsplatz haben. Die Politik und die Sozialpartnerschaft sind gefordert, Lösungen für das ganze Land auszuarbeiten und möglichst rasch umzusetzen.

 

Was wir tun können
Als Kirche sollen wir Menschen in Not besonders in den Blick nehmen, weil sie sich rasch zurückziehen. So kann in einer Pfarre etwa mit arbeitslosen Menschen verstärkt das Gespräch gesucht werden. Wenn sich eine passende Gelegenheit ergibt, nachfragen, wie es ihnen geht, sich für ihre Lage interessieren oder ihnen zuhören. Dies hilft Betroffenen, weil es ihnen zeigt, dass sie nicht allein sind. Wenn die Arbeitslosigkeit schon länger dauert, kann die Suche nach einer passenden Unterstützungseinrichtung und eventuell eine Begleitung dorthin hilfreich sein.
Die Arbeitslosenstiftung kann dank Spendeneinnahmen arbeitslose Menschen in Zusammenarbeit mit Sozialberatungseinrichtungen dort unterstützen, wo es finanzielle Lücken gibt. Wir fördern beispielsweise konkrete Weiterbildungen, wenn die Eigenmittel und die öffentlichen Förderungen nicht ausreichen. In der Betreuung der Jugendlichen in unserem Jugendprojekt JU-CAN wird die Förderung der digitalen Kompetenzen verstärkt. Dabei werden sowohl die Vorteile als auch die Risiken thematisiert. 
In allen unseren Tätigkeitsfeldern wird die emotionale Stärkung der arbeitssuchenden Menschen noch mehr Bedeutung bekommen. Sie zu stützen, ihre Ängste wahrzunehmen sowie mit ihnen Perspektiven und konkrete Umsetzungsschritte zu erarbeiten, ist wichtig für jene, die selber keinen Weg aus der Krise finden.

 

Was getan werden muss
Eine große Hilfe wäre ein Rechtsanspruch auf kostenfreie Weiterbildung für alle arbeitslosen Menschen, damit sie ihre Qualifikationen verbessern und anschließend bessere Chancen bei der Arbeitssuche haben. Mit angepasster didaktischer Vermittlung sollen diese auch Menschen zugänglich gemacht werden, die die sich schwerer tun und bisher wenig Übung im Umgang mit digitalen Medien haben.
Nach der Krise wird es mehr arbeitslose Menschen geben, viele mit großen Sorgen wegen der geringen Aussicht auf eine passende Beschäftigung. Daher braucht es eine bessere Verteilung der Erwerbsarbeit, etwa durch die Verlängerung der Altersteilzeit oder durch attraktivere Bildungskarenz oder eine generelle Arbeitszeitverkürzung, damit möglichst alle Menschen einen Arbeitsplatz haben und sich somit selbstständig ihre Existenz sichern können. Denn kein Mensch ist gerne von Sozialleistungen abhängig.
 

Christian Winkler, Geschäftsführer Bischöfliche Arbeitslosenstiftung

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