Die Monstranz – Herz der Fronleichnamsprozession
Ein Beispiel einer klassischen Monstranz ist die „Engel-Monstranz“ in der Kirche der Pfarrgemeinde Offenhausen. Sie ist eine der ältesten Monstranzen, die auch heuer wieder zu Fronleichnam in Verwendung sind. Die Monstranz stammt aus der Zeit um 1630 bis 1640 und besteht aus vergoldetem Silber. Ihre Besonderheit ergibt sich durch die Gestaltung mit sogenannten Cherubim – Engeln, die in der biblischen Überlieferung einen hohen Rang einnehmen. Der Strahlenkranz ist mit sechs Cherubköpfen aus Silber besetzt. Der hohe Schaft ist mit getriebenen Blattornamenten gestaltet und trägt einen Cherub. Das Fenster wird von einem Kranz ziselierter Wolken umschlossen. Die Lunula (von lat. lunula = kleiner Mond), also jene sichelförmige Halterung, mit der die Hostie in die Monstranz eingesetzt wird, wird von einem Cherubkopf getragen.
Ein Brotlaib aus alter Mooreiche und Bronze
Eine kunstvoll gestaltete und wohl einzigartige Monstranz ist seit 2019 in der Pfarrgemeinde Goldwörth zu finden: eine Monstranz aus alter Mooreiche in Form eines Brotlaibes. Diese wurde vom Vöcklabrucker Künstler Roman Pfeffer entworfen und angefertigt, nachdem im Jahr 2017 zwei Monstranzen aus dem Pfarrhof gestohlen worden waren. Pfeffer hatte bereits drei Jahre zuvor die Gestaltung des Altarraums der gotischen Pfarrkirche realisiert. Für die Monstranz wählte er die runde Form als Grundform. Die Lunula befindet sich nicht in der Mitte, sondern ist an den Rand gesetzt. Die Vorderseite der Monstranz besteht aus Mooreiche.

Der Künstler Roman Pfeffer wählte für die Monstranz die runde Form eines Brotlaibes als Grundform. © Josef Schauer-Schmidinger Bildrecht Wien
Das etwa 2.000 bis 3.000 Jahre alte Material, das verschüttet war, war bei Grabungen gefunden worden. Ein Versteinerungsprozess hatte bereits stattgefunden. „Während die Mooreiche an der Vorderseite als Metapher für das Brechen des Brotes eine ,gebrochene‘, reliefartige Struktur hat, besteht die Rückseite aus glatter, glänzender Bronze“, erklärt Kunsthistorikerin Martina Gelsinger, Referentin im Fachbereich Kunst der Diözese Linz. Neben Mooreiche und Bronze wird die konsekrierte Hostie, das Hauptstück der Monstranz, mit der Lunula aus Gold als drittem Material umschlossen. Im Vergleich zu historischen Monstranzen hat die Monstranz eine außergewöhnliche Form.
Durch die Reduktion auf das Wesentliche kommt sie ohne Fuß und Schaft aus und kann wie ein Laib Brot mit beiden Händen gehalten werden.
„Mit der Monstranz in Goldwörth wurde seit den späten 1980er-Jahren erstmals wieder eine künstlerisch gestaltete Monstranz in zeitgenössischer Formensprache in der Diözese Linz geschaffen“, sagt Gelsinger.